24.11.2011 Von: Jörg Lohse
Erschienen in: 25/ 2011 MOTORRAD

Produkttest: GPS-Alarmanlagen fürs Motorrad Satellitengesteuerte Fahrzeugüberwachung

Schrille Alarmanlagen? Stört keine Sau. Bügelschloss? Hat der Dieb schneller ohne als der Besitzer mit Schlüssel geöffnet. Neuester Clou: satellitengesteuerte Fahrzeugüberwachung.

GPS-Alarmanlagen Motorrad

GPS-Alarmanlagen Motorrad.  

Foto: Herder  

Erinnern Sie sich noch an den Film „Sneakers - Die Lautlosen“? Robert Redford deckt als Martin Bishop mit seinem Team (u. a. Dan Akroyd und River Phoenix) Schwachstellen von Sicherheitssystemen auf und bricht so in Banken und bei großen Firmen ein. Quintessenz der Story: Selbst das ausgefeilteste Sicherheitssystem lässt sich mit etwas Hirnschmalz und reichlich elektronischem Equipment ausknocken. Einen perfekten Schutz scheint es nicht zu geben. Aber: Ist das Ganze nur drehbuchgewollte Fiktion oder tatsächlich bitterböse Realität?

Rollen wir das Feld einmal von ganz unten auf. Motorisierte Zweiräder sind ein beliebtes Objekt der Begierde, wenn man den amtlichen Statistiken glauben kann. Mehr als 41 000 Klau-Attacken meldet das Bundeskriminalamt (BKA) für 2010. Aber die meisten davon spielen sich im kleinmotorisierten Bereich ab. Sprich: Ganove Gustav G. schlägt beim Mofa im Hinterhof zu, dreht eine Runde durchs Viertel und versenkt die Fuhre dann im erstbesten Gebüsch. Der Fachmann spricht in solchen Fällen nicht von echtem Diebstahl, sondern von „unbefugter Ingebrauchnahme“. Klingt zunächst harmlos, aber - Hand aufs Herz - sein eigenes Bike möchte man so nicht wiederfinden. Der echte Diebstahl von Motorrädern über 125 cm³ wird in der „Polizeilichen Kriminalstatistik“ des BKA nicht gesondert erfasst, Insider schätzen die Fälle pro Jahr gemessen am Wert aus der Statistik unter zehn Prozent.

Motorräder sind nicht nur ob ihrer Größe leicht zu klauen; denn mit einem handfesten Diebstahlschutz geht Otto Normalfahrer auch sehr lax um. Im Regelfall vertraut er auf den Schutz ab Werk (Lenkschloss oder Wegfahrsperre), maximal wird noch ein Bremsscheibenschloss eingesetzt. Das könnte löblich sein, relativiert sich aber, wenn man die Branche befragt, was denn genau über die Ladentheke wandert. In der Hauptsache sind es nämlich Schlösser bis maximal 20 Euro, die das Bike effektiv schützen sollen. Wie schnell so ein Billigheimer selbst mit ungeübter Hand geknackt ist, hat der letzte MOTORRAD-Test (Ausgabe 7/2010) bewiesen.

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Diebstahl  GPS  Kommunikation  Zubehör 

Vertraut man also am besten auf eine gute Regulierung seitens der eigenen Versicherung? Nun, auch hier könnte Ungemach in Form hoher Prämien drohen. Vor allem, wenn es den Kasko-Schutz für ein besonders opulent und teuer aufgemachtes Bike betrifft, denn ab 20 000 Euro Fahrzeugwert kalkulieren manche Versicherer saftige Zuschläge bei den Teilkasko-Prämien ein. Gut also, wenn man bei Vertragsabschluss auf einen soliden Diebstahlwarner verweisen kann, mit dem sich der Teilkasko-Tarif wieder drücken lässt.

Auf den ersten Blick können die sogenannten GPS-Tracker genau die richtige Lösung fürs Motorrad darstellen. Das grundsätzliche Funktionsprinzip: In das auf Satellitenortung eingestellte Gerät wird eine Prepaid-Handykarte eingesetzt und auf die eigene Mobilnummer programmiert. Im Alarmfall wird eine SMS vom Gerät aufs Handy geschickt, der Besitzer erhält die Positionsdaten sowie weitere Infos (z. B. Trennung der Stromversorgung, Fahrzeugbewegung mit Tempoangabe).

Dank kompakter Abmessungen sollten sich die GPS-Tracker unauffällig am Motorrad unterbringen lassen, und mit entsprechenden Sensoren schlagen sie unauffällig Alarm - was den Dieb zunächst in Sicherheit wiegen mag und einen schnellen Zugriff erleichtert. Dumm wirds allerdings, wenn die Kollegen Lang und Finger wie die Truppe um Redford & Co. Hightech-Support (siehe den „Bruzzler“ im Kasten unten) einsetzen - und so das Absetzen einer Warnmeldung gezielt verhindern.

In unserem Praxistest hat sich einmal mehr gezeigt: Es kann nicht genügend Extra-Schutz und Zusatzfallen geben. So setzen einige Anbieter (Garmin, Simvalley) einzig auf die Alarmierung beim Verlassen von per Koordinaten definierter Schutzzonen - sogenannter Geofence-Bereiche (fence = Englisch für Zaun). Wird das Motorrad aber direkt vom ursprünglichen Standort in einem geschlossenen Kastenwagen oder Anhänger abtransportiert, aus dem kein GPS-Signal mehr empfangen werden kann, wird auch keine Warnmeldung abgesetzt. Gut also, wenn der Fallstrick schon vorher in Form eines Vibrations- oder Gravitationssensors zuschnappt. Bei manchen Anbietern ist ein Sensor (u. a. Ebi-Tec, GE-Tectronic, GSM-One) bereits fest im Gerät installiert, andere (M+S) bieten Extra-Sensoren je nach Einsatzgebiet zum Aufrüsten an.

Motorraddiebstahl

Alarm übers Handy - Den Dieben wird das Leben schwer gemacht.  

Foto: MPS-Fotostudio  

Aber Sensor ist nicht gleich Sensor: Während der extrem empfindliche M+S-Sensor bereits bei minimaler Lageveränderung reagiert (z. B. Entlasten aus Seitenständer-Position) und eine Warn-SMS auf das Handy schickt, schaltet der „Tracy Rider“ von GSM-One bei einer Bewegung nur scharf, warnt den Besitzer aber nicht per SMS. Sollte der Dieb sich nur auf eine Teileversorgung spezialisiert haben, könnte er das Bike nun in aller Ruhe ausweiden. Ein Manko, das sich durch eine entsprechende Programmierung des ansonsten überzeugenden Geräts beheben ließe.

An der Empfindlichkeit des Erschütterungssensors von GE-Tectronic besteht kein Anlass zur Kritik. Allerdings setzt der GPS-Tracker nur eine einzige Warnmeldung und diese zudem noch ohne Koordinaten ab. Den Standort muss der Besitzer rechtzeitig mit SMS-Befehlen aktiv erfragen. In der Hoffnung, dass der extrem flache Kas-ten unentdeckt im Motorrad steckt und er sein Gerät noch erreichen kann.

Weitere hilfreiche Sensoren (bei Ebi-Tec und GSM-One) überwachen z. B. das Bordnetz und schicken auch eine Alarm-SMS, wenn die Stromversorgung gekappt wird - der Dieb also die Batterie abklemmt. Die Krönung der satellitengestützten Fahrzeugüberwachung sind Möglichkeiten, per SMS an den Tracker auf die Fahrzeugsteuerung Einfluss zu nehmen, z. B. über das Steuergerät des Motorrads den „Benzinhahn zuzudrehen“. Doch mit diesen Eingriffen ins Motormanagement bewegt man sich selbst in einer nicht ganz legalen Grauzone.

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Neben der Warnmethode über SMS bieten einige Hersteller (Ebi-Tec, GSM-One, Garmin) sogenannte Portallösungen an. In diesen Fällen lässt sich der Standort über das Internet lokalisieren. Sind entsprechende SIM-Karten mit einer Daten-Flatrate im Einsatz, lassen sich ganze Bewegungsprofile vom Fahrzeug erstellen und via Internet abrufen. Allerdings sollte man an dieser Stelle bedenken, wie viele sensible Kundendaten allein in den letzten Monaten plötzlich ungeschützt durchs Internet flatterten. Für die Hacker der Redford-Truppe wäre ein Angriff auf solche Portale mit der bequemen Standortabfrage von Wunsch-Bikes ein gefundenes Fressen. Bleibt zum Schluss also die Konfiguration des optimalen Geräts: kompaktes, wasserdichtes Gehäuse mit Anschlussmöglichkeit ans Bordnetz und integrierter Notstromversorgung. Zusätzlich zum Bewegungssensor mit Zünd-erkennung sollte ein zweiter Erschütterungs- oder Gravitationssensor alarmbereit sein. Das Scharfschalten oder Deaktivieren sollte möglichst einfach gehalten sein - im Idealfall mit einem Transponder am Schlüsselbund. Und noch ein geheimes Extra obendrauf. Schließlich liest der Feind mit.


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