Produkttest: Werkzeug-Koffer Wie gut sind günstige Werkzeug-Koffer wirklich
100 Teile für 100 Euro: In dieser Preisliga rümpfen Profischrauber verächtlich die Nase. MOTORRAD wollte es trotzdem wissen, sammelte 13 Werkzeugkoffer in Motorradläden und Baumärkten ein und fuhr damit nach Remscheid, in die Hochburg deutscher Werkzeugkunst: Gibt es echtes Männerspielzeug bereits für kleines Geld?
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Männer auf Einkaufstour im Werkzeugladen: für US-Komiker Tim Allen eine Traumsituation in seiner Kult-Sitcom "Hör mal, wer da hämmert" ("Tool Time"). Die einzig passende Antwort auf Frauen beim Schuhkauf: archaische Grunzlaute beim Durchstöbern der Regale, orgiastisch gesteigert, wenn Werkzeugfanatiker Tim auf besonders fein geschmiedete Ware stößt. Und wenn dann seine (TV-)Ehefrau Jill den Erwerb von "noch mehr Werkzeug" süffisant kommentiert, schmettert er deren Einwände ebenso brüsk wie unbeirrbar ab: "Frauen haben ja keine Ahnung!"
Spätestens jetzt würde Sandra Müller mindestens eine Augenbraue kritisch nach oben ziehen. Denn sie hat Ahnung. Als Qualitätschefin beim deutschen Traditionshersteller Hazet (siehe Interview Seite 102 und das Firmenporträt im Anschluss) hat die 42-Jährige einen scharf geschulten Blick dafür, was gutes von schlechtem Werkzeug unterscheidet. Ein Grund für MOTORRAD, zusammen mit ihr am Remscheider Stammsitz von Hazet 13 Werkzeugkoffern aus der Discountliga in puncto Verarbeitung, Maßhaltigkeit und Finish gründlich auf den Zahn zu fühlen.
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Mit von der Partie ist Bodo Hoppe von der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe, in deren Versuchs- und Prüfanstalt (VPA) so ziemlich alle Werkzeuge auseinander genommen werden, die in Deutschland erhältlich sind. Von der High-End-Werkstattausrüstung bis runter zur Discounterware, die bei Aldi, Lidl und Co. "vorübergehend im Sortiment" ist.
Auf die wurde bei der Beschaffung übrigens verzichtet. Zum einen, weil spätestens beim Erscheinen dieses Tests die meisten Produkte nicht mehr erhältlich wären. Und zum anderen, weil das Testergebnis nicht auf künftige Sonderverkäufe der Discounter übertragbar ist. Denn selbst wenn Markenname und Verpackung gleich bleiben: Der Inhalt kann längst aus anderen Quellen zusammengestellt sein.
In diesem Part der Werkzeugbranche geht es zu wie auf einem arabischen Basar. Nur dass der in Fernost, vornehmlich in Taiwan und China, stattfindet. Dass der komplette Inhalt aus einer einzigen Fertigungsstätte stammt, ist mehr als unwahrscheinlich. Und dass selbst ein Satz Steckschlüssel-Einsätze ("Nüsse") von unterschiedlichen Produzenten zusammengewürfelt wird, ist keine Seltenheit und trifft auch für manches Sortiment aus diesem Test zu.
Unsere Testkandidaten sind allesamt regulär im Handel erhältlich. Die Preisklammer reicht von 50 bis knapp 150 Euro, teilweise preisreduziert, wie beispielsweise der Lux-Werkzeugkoffer, für den Obi zum Testzeitpunkt 35 Euro Nachlass (99,99 statt 134,99 Euro) gewährte.
Bedient haben wir uns zudem aus dem Angebot der großen Motorrad-Fachhandelsketten (Polo, Louis), diverser Baumärkte (Obi, Hornbach, Toom) sowie im Kfz-Zubehörhandel (A.T.U). Der Inhalt sollte für Grundarbeiten am Motorrad ausreichend sein. Das Minimum: Umschaltknarre, Nüsse, Innensechskant-Schlüssel. Dazu nach Möglichkeit Maul-Ringschlüssel, Zangen und Schraubendreher. Die Grenze der Bestückung nach oben ist dagegen offen.