21.02.2011 Von: Thorsten Dentges
Erschienen in: 01/ 2011 MOTORRAD

Kaufberatung und Tipps Produkttest: Montageheber für Profis und Einsteiger

Ein Motorrad bekommt man auch mit deutlich weniger Stress hoch. Doch welcher Montagheber passt am besten zum Einsatzzweck? MOTORRAD checkt die besten Produkte für Einsteiger und fortgeschrittene Schrauber.

BMW S 1000 RR im Aufzug

Damit sie ihr Motorrad nicht mit dem Aufzug anheben müssen.  

Foto: jkuenstle.de  

Die meisten Menschen sind dann glücklich, wenn sie andere um sich herum haben, Familie, Freunde, Kumpel. Helfer. Unglücklich hingegen sind motorradfahrende Menschen dann, wenn sie allein auf weiter Flur stehen - und die Maschine nur einen Seitenständer besitzt. Dann werden selbst einfachste Pflege- und Wartungsarbeiten zum Stress. In der Vergangenheit war es bei den meisten Modellen kein Problem, einen Hauptständer nachzurüsten. Doch in Zeiten von vielen schnittig designten, sehr sportlichen Maschinen, bei denen dieses eigentlich sehr praktische Teil aus Schräglagenfreiheits-, Gewichts- oder Wer-weiß-schon-warum-Gründen einfach nicht vorgesehen ist, sollte man sich nach anderen Möglichkeiten umsehen.

 

In den Boxen an der Rennstrecke sind Montageständer schon länger so häufig anzutreffen wie Fliegen im Kuhstall, aber mittlerweile greifen auch zigtausend Hobbyschrauber für ihre straßenzugelassenen Maschinen bei Pflege- und Wartungsarbeiten auf die praktischen Heckheber zurück. Außerdem wirkt ein checkermäßig aufgebocktes Motorrad in der heimischen Garage oder Werkstatt besser als Hingucker. Allzu teuer sind die Montageständer in der Regel auch nicht, da heißt es bedenkenlos zugreifen, oder?

Stopp! Ohne sich vorab zu informieren, ist die Gefahr eines Fehlkaufs beziehungsweise einer Fehlbedienung oder -funktion hoch. Ersterer ist bei einer Investition selten über 100 Euro noch gut verkraftbar, letztere können zu deutlich größerem Verdruss führen. Kippt nämlich die geliebte Maschine im Stand um, weil der Heber nicht das gehalten hat, was er verspricht, oder dem Schrauber gleitet alles buchstäblich aus den Händen, stehen meist einige hundert Euro auf der Rechnung: gebrochene Blinker, verkratzte Verkleidungsteile, eventuell sogar beschädigter Rahmen oder Schwinge.

Aua, so was tut weh! MOTORRAD hat sich deshalb auf dem Markt umgesehen und gibt die richtigen Tipps zum Umgang mit Montagehebern. Am populärsten für Motorräder mit konventioneller Zweiarm-Kastenschwinge sind Universal-Heckheber, die bei unserem vergleichenden Produkttest im Fokus stehen.

Dabei handelt es sich meistens um Konstruktionen aus Stahlrohr (seltener aus Aluminium), die möglichst so gebogen sind, dass sie mit geringen Hebelkräften eine immerhin meist über vier Zentner schwere Maschine hochliften können. Unser Test ergab, dass die meisten vorgestellten Produkte diese Aufgabe locker meistern. Ausnahmen: Rothewald und Move - und mit leichten Abstrichen auch Telefix - sind zarten Mädchenhänden nicht zu empfehlen und erfordern echtes Zupacken.

Vorderradbremse mit Band fixiert

Besser mit Gummi: Mit fixierter Vorderradbremse lässt sich der Heckheber leichter und kontrolliert unterschieben.  

Foto: jkuenstle.de  

Das ist schon mal schön. Aber es setzt voraus, dass im Vorfeld alles glatt gelaufen ist. Sind alle Vorbereitungen getroffen (siehe Tipps), kann sich das Einfädeln nämlich als äußerst nervig herausstellen. Bei Universalhebern greifen meistens mit Gummis belegte L-Profile unter die Schwingarme. Die Gummis sind jedoch unterschiedlich groß und griffig. Rutscht die Maschine wegen untauglicher Aufnahmen ab: blöd. Noch blöder, wenn die Aufnahmen unter Belastung brechen. Die L- und J-Profile sind zwar in der Regel aus robustem Stahl gefertigt, die Führungen der Aufnahmen bestehen jedoch mitunter aus Kunststoff (zum Beispiel bei den vorgestellten Hebern von Alphatechnik und Econ). Zumindest im Test konnte das nur wenig überzeugen, denn unter dem Werkstoff leidet offenbar die Stabilität an den Aufnahmen ganz beträchtlich.

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Soll nicht heißen, dass die Führungen schon bei kleinsten Belastungen brechen, schließlich ist der Heber auf eine bestimmte Tragkraft (üblicherweise mindestens 150 Kilogramm) ausgelegt. Aber bei Arbeiten wie einem Radausbau können nicht unerhebliche Scherkräfte auftreten. Außerdem ergibt eine geringe Steifigkeit an den Aufnahmen insgesamt eine schlechtere Standsicherheit. Diese hängt aber maßgeblich von der gesamten Konstruktion ab, sprich neben dem Werkstoff auch von Wandstärken und dem Durchmesser der Rohre sowie der Formgebung des Hebers. Neben der Standsicherheit und Verarbeitung (scharfe Kanten etwa oder eine nachlässige Entgratung der Oberflächen führen beim Schrauben früher oder später garantiert zu Verletzungen) sollte eine einfache Handhabung wichtigstes Kaufkriterium sein. Das fängt schon bei den Verstellmöglichkeiten an. Ist Werkzeug erforderlich, oder sorgen Flügelschrauben oder Handräder für Bedienkomfort? Wie groß ist der Verstellbereich überhaupt?

Seitenständer auf Holzstück

Im Alleingang: Aufbocken mit Heckheber fällt ohne fremde Hilfe leichter, wenn die Maschine fast gerade steht.  

Foto: jkuenstle.de  

Probleme machen umgebaute Motorräder mit extra breiten Schwingen, bei denen unter Umständen der Heber nicht mehr passt, wenn sich die Weite kaum verstellen lässt. Eine Höhenverstellung wiederum kann die benötigten Hebelkräfte beim Anheben des Hecks verringern. Im Zweifel vor dem Kauf am Motorrad ausprobieren. Was man aber leider oft erst nach dem Kauf feststellt: Bei bestimmten Arbeiten, wie etwa einem Radausbau, verbauen manche Ständer beziehungsweise einzelne Streben die Zugänglichkeit. Wer häufig solche Arbeiten durchführen möchte, ist also gut beraten, auch dieses Kriterium kritisch zu prüfen. Neben den Universalaufnahmen werden in letzter Zeit modellspezifische Adapteraufnahmen immer populärer. Bei den Hebern handelt es sich in Form und Qualität zwar um die gleichen Modelle, aber die Gabelaufnahmen bieten deutlich mehr Stabilität als L- oder J-Aufnahmen, die, wie schon erwähnt, verrutschen können. Voraussetzung sind spezielle Gewindebohrungen an der Schwinge des jeweiligen Motorrads, in die so genannte Prismabuchsen eingeschraubt werden können, die wiederum mit den Gabelaufnahmen harmonieren. Bei den meisten aktuellen Sportmaschinen sind diese Bohrungen serienmäßig. Vorteile der modellspezifischen Aufnahmen gegenüber der Universal-Lösung: geringere Kratzergefahr für die Schwinge, und Bremssattel, Leitungen und Schläuche sind nicht im Weg.

Doch was macht man, wenn der Heckheber gar nichts ausrichten kann, so wie bei vielen Choppern, Cruisern und Enduros? Und bei Motorrädern mit Einarmschwinge sind klassische Heckheber ebenfalls unbrauchbar. Einige Alternativlösungen finden sich im "Ausprobiert"-Kasten oben. Generell ist es sehr praktisch, wenn das Motorrad mittig angehoben werden kann. Hubtische oder Scherenheber erfordern jedoch, dass die Rahmenunterzüge eine ebene Auflage bieten, und dass keine Bauteile wie Verkleidung oder Auspuffanlage aufliegen. Und auch am empfindlichen Motorgehäuse sollte man nicht angreifen. Zur Tragkraft: Nur bei Kompletthebern entspricht die Tragkraft dem maximal zulässigen Motorradgesamtgewicht. Bei Heck- und Fronthebern gilt als Faustregel: zulässige Tragkraft (diese Info sollte in der Bedienungsanleitung des Hebers vermerkt sein!) immer mehr als die Hälfte vom Motorradgewicht. Gut informiert darf es nun flugs in den Laden gehen. Pauschal gesagt: Ein Montageheber ist beinahe immer eine gute Anschaffung, über die sich nicht nur fortgeschrittene Schrauber freuen. Am schönsten ist es aber, wenn zusätzlich zum Helfer aus Metall noch einer aus Fleisch und Blut zur Seite steht.


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