Produkttest: Taschenwerkzeuge Multitools für unterwegs
Während Meister Rainer auf schweres Gerät schwört, liebt es Rebecca im kleinen Schwarzen möglichst kompakt. Doch Multitool ist nicht gleich Multitool. MOTORRAD hat zehn Taschenwerkzeuge genauer unter die Lupe genommen.
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Wer hats erfunden? Bei dieser Frage sollte sich die Schweizer Fraktion noch einmal kurz zurückhalten. Denn zunächst dürfen sich die Amis mit den Lorbeeren schmücken: Die Idee des universalen Multifunktionswerkzeugs stammt von Tim Leatherman aus Oregon/USA - dessen Name schließlich ähnlich wie der des Tempo-Taschentuchs oder des Tesa-Film sinngebend für eine ganze Produktgattung wurde. Erstaunlicherweise ist Tims Erfolgsstory gar nicht mal so alt. 1975 tourte er mit seiner Ehefrau in einem Fiat 600 durch Europa. Zahlreiche Pannen und das mangelhafte Bordwerkzeug ließen den Ingenieur so verzweifeln, dass er sich Gedanken über ein Werkzeug machte, welches im Notfall griffbereit in der Tasche steckt.
Die Idee: den Breitbandnutzen einer Zange mit den Vorzügen eines Taschenmessers kombinieren. 1980 konnte der Tüftler sein erstes Multitool unter dem Namen "Mr. Crunch" patentieren lassen. Dreißig Jahre später gibt es Multitools in Hülle und Fülle, wie unser Testkaufzug durch Motorradzubehörshops, diverse Outdoor-Stores und Waffenläden ergab. Einzige Ausnahme: in einschlägig bekannten Baumarktketten wird man in Sachen Multitool nicht wirklich fündig: "Den Ramsch", so der Werkzeugbeauftragte in einem Globus-Markt bei Stuttgart, "habe ich glücklicherweise wieder rausschmeißen können!"
In der Tat: In der Billigliga der Multitools herrscht mehr Leid als Freud. Zumal schon das Ausklappen der Werkzeuge bei unkonzentrierter Herangehensweise böse Schnittverletzungen oder schmerzhafte Quetschungen zur Folge haben kann. Ohne kräftige Fingernägel ist man fast in jeden Fall verloren - oder bräuchte ein zweites Taschenwerkzeug, um das erste öffnen zu können. Viele Leatherman-Nachbauten folgen dem klassischen Vorbild jedenfalls bis aufs I-Tüpfelchen. Das zeigt sich vor allem in der Anordnung der Werkzeuge. Um an Messer, Säge oder Schraubendreher zu kommen, muss das Multitool zunächst geöffnet und nach Ausklappen des gewünschten Werkzeugs wieder geschlossen werden.
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Weshalb sich an dieser Stelle vortrefflich an die Eingangsfrage anknüpfen lässt: Und wer hat‘s besser gemacht? Die Schweizer! Natürlich hat der Schweizer Armee-Ausrüster Victorinox den amerikanischen Vorstoß nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich hatte man mit dem legendären Offiziersmesser bereits 1897 ein praktisches Multifunktionswerkzeug geschaffen, das sich bis heute weltweiter Bekannt- und Beliebtheit erfreut.
Jedenfalls griffen auch die Nachfolger des Victorinox-Gründerpaares Karl Elsener mit Mutter Victoria den Leatherman-Ansatz auf, verbesserten ihn jedoch in einem entscheidenden Detail: Die Werkzeuge des Swiss Tools können nämlich bei geschlossenem Korpus ausgeklappt werden, was das Handling in der Praxis ungemein erleichtert. Und dadurch, dass die Klinge des Messers oder das Sägeblatt bei dieser Konstruktion bündig in den Griff übergehen, erhöht sich auch der Nutzwert erheblich.
In einem Punkt unterscheiden sich die teuren Marken-Tools von den billigen Nachbauten: Eine Arretierung der Werkzeuge sucht man in der Günstig-Liga vergeblich. Entsprechend schnell kann das Werkzeug beim Ansetzen an Schraube und Co. einklappen, was dem Anwender im Regelfall die Tränen in die Augen treibt. Vorbildlich gelöst ist es in diesem Test beim Victorinox Swiss Tool und Gerber Suspension.
Kommen wir zum Schluss nochmal auf die Multifunktionalität zu sprechen: Kein Problem wäre es mit den meisten Tools, einen frisch gefangenen Fisch fachgerecht vom Haken zu lösen und per Entschupper fürs Lagerfeuer zu präparieren. Wohl aber, eine dazu passende Flasche Wein fachgerecht zu entkorken. Na denn Prost...