Produkttest: Viertel-Zoll-Werkzeug-Sets 16 handliche Werkzeugsets im Test
Wenn es etwas beengter zugeht, wenn schlanke Finger und viel Gefühl gefragt sind, dann schlägt die große Stunde des kleinen Werkzeugs aus der ¼-Zoll-Liga. 16 handliche Sets durften ihr Schraubertalent zeigen.
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Mal eben die Batterie ausbauen, kurz mal das Rücklicht reparieren, zwischendurch den Spiegel richten - am Motorrad gibts jede Menge Arbeiten, für die das ganz große Werkzeugkaliber völlig überdimensioniert wäre. Zum einen, weil das notwendige Feingefühl mit zunehmender Knarrenlänge abnimmt. Zum anderen, weil oft schlicht und einfach der Platz fehlt, um das Werkzeug anzusetzen oder zu bedienen. ½-Zoll-Antriebe haben unter einer 10er-Schlüsselweite nichts zu suchen, aber auch der für Motorradfahrer als eierlegende Wollmilchsau vermarktete 3/8-Zoll-Antrieb ist für echten Fummelkram noch zu groß.
Bleibt also der gute alte ¼-Zoll-Satz, der eigentlich in jeden Schrauberhaushalt gehört. Das Angebot reicht vom Unter-zehn-Euro-Wühltisch-Schnäppchen bis zum Profi-Satz, der weit im dreistelligen Euro-Bereich liegen kann. MOTORRAD ging im Spätsommer 2011 im Großraum Stutt-gart einkaufen und klapperte die einschlägigen Motorradzubehör-Handelsketten, diverse Baumärkte und den Kfz-Zubehörhandel ab und sammelte ein, was für den Hobbyschrauber interessant sein könnte. Die sicherlich nicht repräsentative, nichtsdestotrotz einen recht guten Marktüberblick bietende Jagdausbeute zählt 16 Sets.
Sets, die nicht unbedingt alle direkt miteinander zu vergleichen sind - weshalb diesmal auf die bei Produkttests übliche Abschlusstabelle verzichtet wurde -, die aber zumindest eine ¼-Zoll-Knarre und ein Grundsortiment von Bits (mit ¼-Zoll-Aufnahme heißen die Teile Schraubendreher-einsätze) zu bieten haben. Mit Ausnahme des Wera-Sets sind auch alle Kästen mit Steckschlüsseleinsätzen bestückt. Besagte Einsätze haben ein Sechskantprofil, das entweder klassisch an den Kanten oder (schraubenschonender) an den Flanken ansetzt. Zudem sind auch Nüsse mit Wellenprofil im Angebot. Diese oft auch unter fantasievollen Eigennamen vermarkteten Profile haben den Vorteil, meist auch auf vermurkste und oft sogar auf nichtmetrische Schrauben und Muttern zu passen. Was aber wiederum den Nachteil hat, dass die Nüsse eben nicht perfekt sitzen und für einen erhöhten Verschleiß sorgen oder in ungünstigen Fällen sogar verkanten oder durchrutschen können. Welche Profilform den eigenen Schraubergewohnheiten am nächsten kommt, muss leider jeder ganz individuell herausfinden. Bei den Inhaltsangaben bitte ebenfalls beachten: die feinen Unterschiede bei den Kreuzschlitz- und Torx-Größenangaben. PH steht für den Phillips-Kreuzschlitz, also die „klassische“ Kreuzschlitz-Form; PZ steht dagegen für Pozidriv, einen im Metall- und Maschinenbau eher unüblichen Kreuzschlitz. Während sich die Anbieter bei den PH/PZ-Bezeichnungen einig sind, herrscht bei den Torx-Größen ein gewisser Wildwuchs; denn Torx ist eine eingetragene Marke, und die Verwendung der korrekten Bezeichnung (z. B. T40) kostet Lizenzgebühren. Bei „manipulationssicheren“ Torx-Schrauben (das sind die mit dem Stift in der Mitte) lautet das in der Inhaltsangabe verwendete Kürzel TR für „Tamper Resistant“.
Weitaus mehr als für die Größenangaben interessierte sich MOTORRAD dafür, dass die Testkandidaten gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Und die sind durch das „Deutsche Institut für Normung“ und die entsprechende DIN recht genau vorgegeben. So muss ein ¼-Zoll-Vierkantantrieb mindestens 62 Nm verkraften können. Was für ¼-Zöller schon mächtig viel ist und mit längst nicht allen Knarren von Hand und ohne Verlängerung überhaupt aufgebracht werden kann. T-Griff, Fingerknarre oder auch die sehr kurzen Knarren schaffen nur einen Bruchteil davon. Die etwas längeren Exemplare erreichen aber durchaus solche Werte, die MOTORRAD auf einem Drehmoment-Prüfgerät ermittelte. Ausreißer? KS Tools versagte noch vorm DIN-Wert, und LUX schwächelte nur etwas oberhalb der Mindestanforderung. Weitaus mehr Ausreißer gab es in Sachen Maßhaltigkeit, die MOTORRAD mithilfe von sogenannten „Grenzlehren“ ermittelte. Nun muss nicht gleich jeder Kreuzschlitzschraubendreher, der nicht ganz maßhaltig ist, zwangsläufig für vermurkste Schrauben sorgen, doch die Vorgaben sind ja kein Selbstzweck, und zumindest bei häufigem Gebrauch rächt es sich irgendwann, wenn Werkzeug und Werkstück nicht exakt zueinander passen.
Doch davor muss niemand Sorge haben, beherzigt er die MOTORRAD-Kauftipps oder greift er als (semi)professioneller Schrauber gleich zum sündhaft teuren, aber auch wirklich sehr leckeren Testsieger. Stichwort Kauftipp: Der mit knapp 35 Euro unverschämt günstige Proxxon-Kasten ist die eigentliche Überraschung dieses Werkzeugtests. Mit dem sehr sinnvoll bestückten und auch im Detail gut gemachten Set macht man garantiert nichts verkehrt und kommt überall hin. Und wenn dann noch 55 Euro übrig sein sollten, muss es unbedingt das Wera-Set sein. Schöner lässt sich mit ¼-Zoll einfach nicht schrauben.