22.04.2004 Von: Eva Breutel
MOTORRAD

Geheime Tests in Fiorano Rossi fährt Formel-1-Ferrari – nur drei Sekunden langsamer als Schumi


In diesem Artikel: Yamaha GP-Rennmaschinen Yamaha

Rossi-Schumi_400.jpg

Mehr als ein Zaungast: Beim Formel-1-GP in Melbourne unterhielt sich Motorrad-Weltmeister Rossi (links) bereits mit Auto-Champion Schumacher  

Foto: Kirn  

Am Ende eines langen Tages voller Spekulationen war der Medienzirkus so groß, dass sich Ferrari gestern Abend schließlich zu einer Stellungnahme entschloss: Ja, Valentino Rossi habe auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano ein paar Runden auf einem Monoposto gedreht. Schließlich seien Michael Schumacher und Testfahrer Luca Badoer sowieso auf der Strecke gewesen, um die Fahrzeuge für das Formel-1-Rennen am nächsten Wochenende in Imola zu kontrollieren.

Solch dürre Worte konnte die Begeisterung der Italiener jedoch keineswegs dämpfen. Entlang der Teststrecke bei Maranello versammelten sich im Lauf des gestrigen Nachmittags immer mehr Neugierige und Journalisten, um das Formel-1-Debüt des Motorrad-Weltmeisters zu erleben. Leider war der jedoch kaum zu erkennen, denn der 25-Jährige trug das gleiche rote Outfit wie üblicherweise Michael Schumacher. Das Sportblatt »Gazzetta dello Sport« meinte ihn dennoch eindeutig ausgemacht zu haben: Während Schumacher das Lenkrad mit allen fünf Fingern umfasse, hebe Rossi den Mittelfinger leicht an, worauf er aus dem Motorradrennsport kondizioniert sei. Echtes Expertenwissen offenbar, das die Italiener in ihrer heutigen Ausgabe mit Fotos zu belegen versuchen, doch mehr als behandschuhte Hände sind da beim besten Willen nicht zu erkennen.

Die üblichen Verdächtigen gaben zu Protokoll, Rossis Bestzeit in Fiorano habe gegen Abend unter einer Minute gelegen, nur drei Sekunden über dem Rundenrekord von Michael Schumacher. Für einen Neuling wäre das tatsächlich ein mehr als beachtliches Resultat, das denn auch bereits von allen Seiten kommentiert wird. Rekord-Motorradweltmeister Giacomo Agostini riet seinem jungen Kollegen, »nicht den gleichen Fehler wie ich zu begehen und zu spät in den Autorennsport zu wechseln.« Ähnlich äußerte sich John Surtees, einziger Rennfahrer der Welt, der sowohl Motorrad- wie auch Formel-1-Weltmeister wurde: »Valentino gehört in die Formel 1. Und zwar jetzt.« Ex-Ferrari-Pilot Jean Alesi sah den Test eher als geglücktes PR-Ereignis, während Rossis Konkurrent Max Biaggi trocken meinte: »Na immerhin da habe ich ihn geschlagen: Ich habe schon vor fünf Jahren Proberunden im Ferrari gedreht.«


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