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Das MOTORRAD 1/1933 Prosit Neujahr 1933! Die Weihnachtsfreude und der Silvestertrubel sind verklungen. Vor uns liegt das Jahr 1933. Was wird es uns bringen? Müssen wir unken und dürfen wir hoffnungsfreudig in die Zukunft schauen? Wir »Das Motorrad«, wir haben nie geunkt, wir haben nie den Kopf sinken lassen, wir haben immer freudig in die Zukunft geblickt, und bisher hat uns unsere Zuversicht noch immer Recht gegeben. Diesmal aber, wo wir in das neue Jahr 1933 hineinschreiten, sind wir besonders zuversichtlich; für uns, für alle unsere Freunde und für die gesamte deutsche Kraftfahrzeugwirtschaft. Wir haben sogar Ursache dazu. Es sind nicht bloß unfassbare Werte, nicht bloß die Befreiung von den Kriegslasten und die Wiederherstellung der nationalen Stellung Deutschlands innerhalb der übrigen Welt, die uns zu unserer optimistischen Anschauung führen (obgleich man diese unfassbaren Werte nicht gering achten darf), sondern es sind Zahlen und nackte zu berechnende Tatsachen. Wir sind am tiefsten Punkt der Wirtschaftskrise angelangt; darüber besteht kein Zweifel. Wir sind gerade dabei, in Bescheidenheit und Einfachheit den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu ordnen. Wir wissen, dass er kommt, wenn auch langsam, ganz langsam, und dass ihn jede Übereilung gefährden kann. Das wissen wir heute alles. Aber Zweifel bestehen darüber, ob die Kraftfahrzeugwirtschaft an diesem langsamen Wiederanstieg des Jahres 1933 bereits teilhaben wird oder nicht. »Ausgeschlossen«, sagen viele, »Kraftfahren ist Luxus und, ehe wir uns wieder dem Luxus zuwenden, müssen wir als aller erstes Arbeit und Brot haben«. Gott sei dank, sind wir in der Lage, dieser pessimistischen Anschauung mit Zahlen entgegenzutreten, die beweisen, dass Kraftfahren kein Luxus ist, sondern dass der Kraftverkehr eines der wichtigsten Mittel zum Beschaffen von Arbeit und Brot ist. Der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft wird den Kraftverkehr zu aller erst erfassen. Womit ich das beweisen will? Kein Wirtschaftszweig wurde in den letzten Jahren so wie der Kraftverkehr mit Steuern und Abgaben belastet. Jeder glaubte, jetzt müsse er zusammenbrechen. Aber was geschah? Die Produktion allerdings und der Handel wurde schwer getroffen, denn wenige wagten, neue Fahrzeuge in den Dienst zu stellen, aber der Kraftverkehr blieb fast völlig in der bisherigen Höhe trotz der trostlosen Wirtschaftslage. Allerdings sanken die Einnahmen an Kraftfahrzeugsteuern, und es wurde weniger Brennstoff verbraucht als in den früheren Jahren, aber nur dadurch, dass ein großer Teil der Kraftfahrzeugbesitzer von größeren Fahrzeugen zu kleineren überging, die weniger Steuer kosten und weniger Brennstoff verbrauchen. Die Anzahl an Fahrzeugen ist im allgemeinen die gleiche geblieben, bei den Motorrädern sogar gestiegen. Diese rein zahlenmäßige Tatsache gibt uns unseren Optimismus für das Jahr 1933. Langsam wir die deutsche Wirtschaft wieder in Gang kommen und die Kraftfahrzeugwirtschaft wird mit die Erste sein, die diesen Wiederaufstieg zu fühlen bekommt. Es werden Kraftfahrzeuge in ungezählten Massen gebraucht, und besonders werden die Kleinsten der Kleinen, d. h. die Motorräder und die Kleinwagen gebraucht werden. Wir können dem Jahre 1933 mit voller Hoffnung entgegensehen. Schon in sechs Wochen wird die Internationale Automobil- und Motorradausstellung in Berlin zeigen, was deutsches Können und deutscher Fleiß vermögen, und von dieser Ausstellung wird die Wiedergeburt der deutschen Kraftfahrzeugindustrie und des deutschen Kraftfahrzeughandels ausgehen. Deswegen können der Verlag und die Schriftleitung »Das Motorrad« zum Beginn des Jahres 1933 all ihren Freunden und Mitarbeitern mit vollem Herzen wünschen, dass der Zusammenhalt aller, die im gleichen Interesse am gleichen Ziel arbeiten, uns endlich das bringen möge, was wir seit langem erhoffen, den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes. Dipl.-Ing. P. Friedmann |
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