Reifentest Supermotoreifen 2004 Seite 1
 
 
 
 
 
 
   
   
 

Schräg oder quer? Meist beides – Supermoto-Gummis müssen
einiges wegstecken können. MOTORRAD ließ es auf zehn Sätzen
straßenzulassungsfähiger Pneus ordentlich krachen.


Wofür halten sie sich eigentlich, diese Supermoto-Maschinen? Gierige Jäger der Joghurtbecher-Fraktion auf verwinkelten Land- oder Pass-Sträßchen? Freche City-Bikes, die sich – quasi als enttarnte Roller – mit den Blechlawinen der Großstädte anlegen? Poser, die ihre aggressive Optik in den Fenstern der Straßencafés widerspiegeln wollen? Oder schlicht Enduros, die ganz pragmatisch ihre Evolution hin zum Asphalteinsatz durchmachen? Keiner weiß das so genau. Und letztlich spielt es auch keine Rolle. Denn es gibt sie einfach. Seit ungefähr zehn Jahren. Zunächst von KTM, Husqvarna oder italienischen Edelbastlern, dann als Mutationen der kreuzbraven XT-, XR- oder DR-Fraktion und jetzt – siehe Supermoto-Vergleichstest Seite 16 – in Form der Yamaha XT 660 X sogar erstmals als japanisches Serienbike.

Den Löwenanteil in die Supermoto-Liga liefert jedoch nach wie vor KTM. Allein 5000 der österreichischen 625-cm³-Singles rollten in diversen Modellvarianten in denvergangenen fünf Jahren in Deutschland auf 17-Zöllern aus dem Laden. Husqvarna brachte im gleichen Zeitraum etwa 2500 Maschinen unters Volk. Über die Dunkelziffer der Enduro-Derivate lässt sich nur spekulieren. HE-Motorradtechnik beispielsweise, eine auf Supermoto-Umbauten spezialisierte Werkstatt im bayerischen Freilassing, stellte in diesem Zeitraum etwa 2000 Bikes auf kleine Räder. Insgesamt reicht die Zahl der Supermoto-Fans jedenfalls aus, um die Zulieferer in Bedrängnis zu bringen. Engpässe beim Nachschub der 17-Zoll-Felgen sind seit Jahren Dauerthema in der Szene.

Zurück zum Thema Reifen. Zwanzig Prozent Offroad, achtzig Prozent Asphalt lautet die Faustformel der Rennstreckendesigner im Supermoto. Trotzdem: Von Grobstöllern will im Schrägbremser-Metier keiner was wissen. Racer setzen auf in Handarbeit profilierte Slicks oder Regenrennreifen. Verständlich, wenn das Thema Offroad- Tauglichkeit auch bei der Supermoto-Kundschaft auf wenig Interesse stößt. Will heißen: Entscheidend ist, was auf Asphalt am besten klebt.

 
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