Grundlagen So entstehen Stiefel

Bei der Firma Daytona im niederbayerischen Eggenfelden entstehen hochwertige Motorradstiefel.

Foto: Hersteller
Was für ein immenser Aufwand hinter der Herstellung von Motorradstiefeln steckt, zeigt sich spätestens dann, wenn man sich vor Augen führt, dass rund 100 Einzelteile in unzähligen Arbeitsschritten zusammengefügt werden müssen. Ohne ein hohes Maß an handwerklichen Fertigkeiten ist das nicht zu schaffen. Bei einem der bekanntesten Motorradstiefelhersteller überhaupt, der Firma Daytona, sorgen rund 100 Fachkräfte dafür, diese Anforderungen zu erfüllen. Bis auf die Gummisohlen und die Reißverschlüsse werden praktisch alle Teile unter einem Dach in Eggenfelden angefertigt. Meistverkauftes Modell ist der mit wasserdichter Gore-Tex-Membran ausgestattete Tourenstiefel Road Star GTX. Highend-Produkt sind die Security-Evo-Stiefel, die einen extrem stabilen Aramid-Karbon-Innenschuh mit Spezialgelenk für gute Beweglichkeit besitzen und von vielen aktiven Rennfahrern getragen werden.
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Arbeitsschritt 1

Für späteren Bodenkontakt sorgt die Brandsohle. Sie besteht aus einer Abdecklage, die später als Klebehilfe dient, aus einer Stahleinlage, einem Textilmischgewebe für den vorderen Fußteil und aus einem eingespritzten Kunststoff, der alle Bauteile zu einer Einheit verbindet.
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Arbeitsschritt 2

Für jedes Stiefel­modell gibt es einen Satz Stanzeisen, mit dem sämtliche Leder- und Futterteile ausgestanzt werden. Entgraten der Schnittkanten, so genanntes Schärfen, ermöglicht es, Lederteile später überlappend zusammen­zunähen, ohne dass Wülste entstehen.
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Arbeitsschritt 3

Halbautomatische Maschinen sticken Firmenlogo und weitere Schriftzüge auf die dafür vorgesehenen Lederteile. Die Schalthebelver­stärkung am Vorderfuß findet mit Hilfe von Schablonen den richtigen Platz, die Kunststoffverstärkungen an der Ferse werden von Hand eingeklebt.
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Arbeitsschritt 4

Beim Verschweißen der Funktionsmembran, dem Tapen, werden sämtliche Nahtstellen des wasserdichten Futters bei rund 360 Grad mit schmalen Dichtstreifen versehen. Arbeiter(innen) prüfen die fertigen Schweißstellen anschließend stichprobenartig auf Dichtigkeit.
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Arbeitsschritt 5

Die meisten Beschäftigten arbeiten in der Näherei, wo zumeist Frauen mit viel handwerklichem Geschick die vielen Einzelteile an speziellen Nähmaschinen zu­sammenfügen. Der Stiefelschaft besteht danach bereits aus einem Stück, wirkt aber noch ziemlich formlos.

So entstehen Stiefel Teil 2

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Arbeitsschritt 6

Mit maschineller Druckunterstützung und bei einer Temperatur von etwa 90 Grad erhält der Fersenbereich eine erste Vorform. Damit diese erhalten bleibt, muss gleich nach der Wärmebehandlung wieder abgekühlt werden.
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Arbeitsschritt 7

Nun kommen die schon in Punkt eins erwähnten Brandsohlen ins Spiel, die auf Leisten genagelt werden. ­Diese Leisten sind mit das größte Geheimnis der Stiefelhersteller, da ihre Ausführung für die spätere Passform eines Stiefels verantwortlich ist.
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Arbeitsschritt 8

In einer Art Dampfkammer werden die Stiefelschäfte erhitzt, was das Leder dehnbar macht, und dann an futuristisch anmutenden Maschinen über die Leisten gezogen. ­Danach werden Sohlenbereich und Gummisohlen aufgeraut, von Staub befreit und fürs Verkleben bereit gemacht.
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Arbeitsschritt 9

Nach einer Art Klebe­grundierung, die tief in das Material eindringt, pinseln flinke Hände den Zwei-Komponenten-Hauptkleber auf. Dieser Spezial-Leim muss mindestens 30 Minuten einwirken, bevor Gummisohle und Stiefelschaft miteinander verbunden werden können.
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Arbeitsschritt 10

Für die dauerhafte Verbindung werden Sohle und Schaft zunächst auf 70 Grad ­erhitzt, um den Klebstoff wieder zu aktivieren, und anschließend von Hand zusammengefügt. Eine Presse, die beide Teile fest aneinanderdrückt, besiegelt die hochfeste Verbindung.
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Arbeitsschritt 11

Jetzt können die Leisten aus den Stiefeln entnommen ­werden, was viel Kraft erfordert und sich sinnigerweise Ausleisten nennt. Danach schleifen Mitarbeiter die überstehenden Klebstoffreste ab, polieren die Oberfläche und legen die Einlegesohlen in die fertigen Stiefel.
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Arbeitsschritt 12

Bevor die Motorradstiefel endgültig in die Verpackung und in den Versand kommen, wird jedes Paar ein letztes Mal genauestens kontrolliert. Außerdem werden sämtliche Stiefel zuvor noch mit einer Art Spritzpistole wasserabweisend imprägniert.

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