Praxistest: wasserdichte Stiefel bis 130 Euro Gaaas! Wasser? Sch...

Nein, hier geht es nicht um die umgangssprachliche Bezeichnung des Sanitärinstallations-Gewerbes. Hier geht’s um die Tester-Flüche, wenn mal wieder ein angeblich dichter Stiefel unter Wassereinbruch leidet.

Foto: mps-Fotostudio
Wasserdichte Stiefel?
Wasserdichte Stiefel?
Die gute Nachricht zuerst: MOTORRAD musste nicht wirklich im
legendären Herrenklo des Jugendhauses Stuttgart Mitte testen. Das Spül ohne Grenzen erledigte Hausmeister Alf C. nur fürs Aufmacherfoto. Nun zur schlechten Nachricht: Von 13 Modellen hielten sechs nicht dicht. Dabei war bei der Beschaffung der Testmuster die Ansage für die Anbieter eindeutig: Wasserdichte Stiefel der Preislage 90 bis 130 Euro sollten es sein. Das ist bei wasserdichten Stiefeln das
untere bis mittlere Preissegment. Und das erklärt, warum einige Premium-Anbieter bei diesem Test nicht dabei sind.
Dennoch so kam ein illustres Testfeld in den Größen 42 und 45 zusammen. Vom Turnschuh-ähnlichen »Ixs Track«
bis zum verkappten Skistiefel »Held Via« reichte die Bandbreite. Für Wasserdichtigkeit sollten sowohl Markenmembranen wie Gore-Tex und Sympatex als auch No-Name-PU-Beschichtungen sorgen. Allen Stiefeln gemeinsam: Sie spielen in der Tourer-Liga. Keiner der Testkandidaten taugt für die verschärft sportliche Fortbewegung, denn großflächige Protektoren und Schleifer fehlen.
Somit war das Testprogramm auf den gemischten sowie eher touristisch orientierten Betrieb auf und abseits des Motorrads abgestimmt. Zum Einstieg ging’s aber um Ein- und Ausstieg. Müssen Klettriegel komplett geöffnet oder Schnürsenkel erst ausgefädelt werden, damit man reinkommt? Lassen sich Reißverschluss-Zipper gut fassen, bleibt das Futter beim Schließen irgendwo hängen? Der »Kochmann Monza« zeigte, dass weniger oftmals mehr ist. Wo kein Reißverschluss ist, kann auch keiner kaputt gehen. Wenn dann noch die Klettverschlüsse richtig platziert sind, wird das Rein- und Rausschlüpfen zum Kinderspiel.
Zweiter Prüfpunkt: die Fußgänger-Tauglichkeit. Schließlich nützt der beste Stiefel dem Tourer nur sehr wenig, wenn jeder kleine Marsch damit zur Qual wird. Tourer sind Genussmenschen und verbinden ihre Fahrten oft mit Besichtigungsterminen per pedes. Also stiefelten die MOTORRAD-Tester treppauf, treppab, auf Asphalt sowie losem Untergrund und legten so pro Paar einen guten Kilometer Fußweg zurück.
Dann ging’s aufs Motorrad. Und zwar auf die gute alte Yamaha SRX 600, auf der sich eine tourenmäßig versammelte, auf Wunsch aber auch leicht sportlich angehauchte Sitzposition einnehmen lässt. Sitzt die Schaltverstärkung praxisgerecht? Rutscht die Ferse nach oben? Drückt’s an den Zehen? Gibt’s störenden Faltenwurf? Wie ist das Schalt- und Bremsgefühl? Auf diese und ein paar weitere Fragen gab es nach ausführlicher Testfahrt die passenden Antworten.
Das große Finale kam mit dem Nässetest. Für jeweils zwanzig Minuten ging
es mit den Testkandidaten in die Wanne. Das kühle Nass stand knöchelhoch, die Füße waren ständig in Bewegung. Eine üppige Imprägnierung hatte bei einer
so langen Testzeit nur eine geringe Chance, für Wasserdichtigkeit mussten schon
die Membranen sorgen. Wassereinbruch machte sich beim Endergebnis durchschlagend bemerkbar. Ein nur minimal
undichter Stiefel konnte nicht besser als »noch empfehlenswert« abschneiden.

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