Ducati verärgert Fans Ducatis Rückzug aus der Superbike-WM

Der Rückzug erfolgte pünktlich zum Wochenende. Währen der Indianapolis-Grand-Prix Fahrt aufnahm, gab Ducati bekannt, dass man ab der Saison 2011 nicht mehr mit einem Werksteam an der Superbike-WM teilnehmen werde.

Foto: Ducati
Es handle sich beim Rückzug aus der Superbike-WM um "eine strategische Entscheidung", heißt es in der Presseerklärung, welche den  Serienmodelle zu gute kämen, denn die Techniker, die  bislang im Werksteam arbeiteten, würden sich  nun "um die Entwicklung neuer Supersportler kümmern."  Die Superbike-WM, so Ducati weiter, sei in den letzten Jahren  zu teuer geworden, da sie sich eher zu einer Rennserie für Prototypen denn für seriennahe Motorräder geworden – eine klare Spitze gegen den erfolgreichen Konkurrenten Aprilia. Die Nachricht schlug bei den Fans ein wie die sprichwörtliche Bombe. Schließlich zählt Ducati zu den Mitbegründern der  Rennserie und holte zwischen 1990 und 2009 insgesamt 29 Weltmeistertitel – 13 Mal in der Fahrer- und 16 Mal in der Markenwertung. Jahrelang warb der Hersteller mit seinen Superbike-Erfolgen und eroberte sich nicht zuletzt mit ihnen eine treue Fangemeinde.

Die Reaktion der Fans ließ nicht lange auf sich warten: Die italienischen Ducatisti, bereits verschnupft wegen der Verpflichtung des ungeliebten Valentino Rossi, deuteten diesen schnell als Schuldigen -  seine Jahresgage von rund 13 Millionen Euro im MotoGP sei zu hoch, deshalb könnten sich die Bologneser nun die Superbike-WM nun nicht mehr leisten. "Er ist noch nicht mal da, und richtet doch schon Schaden ein", lästerten sie  im Internet.
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Foto: Ducati

Ducati-Präsident Gabriele Del Torchio wiegelte ab. Vom MotoGP in Indianapolis/USA aus erklärte er, die Entscheidung habe mit der Verpflichtung Rossis nichts, aber auch gar zu tun. Allerdings handle es sich sehr wohl eine Entscheidung für den MotoGP: "Hier können wir neue Techniken ausprobieren, die wir dann erfolgreich in die Serienproduktion transferieren, wie wir das beispielsweise mit der Traktionskontrolle bereits getan haben." Das würde aber keineswegs bedeuten, dass Ducati künftig nicht mehr in der Superbike-WM präsent sei: "Wir werden natürlich die privaten Teams unterstützen und weiter Motorräder für diese Rennserie bauen. Aber die Superbike-WM muss an ihre Wurzeln zurück, und da reicht es, wenn private Teams teilnehmen. Unsere japanischen Konkurrenten halten das schon seit Jahren so."

Zu Wort meldete sich auch Infront Motor Sports, Organisator der Superbike-WM. "Wir haben die Entscheidung von Ducati mit Enttäuschung und auch mit Überraschung zur Kenntnis genommen", sagte Infront-Chef Paolo Flammini und meinte etwas spitz: "Wir haben außer Ducati noch sechs andere Motorradmarken in der Superbike-WM und müssen daher das Reglement ausgeglichen halten, ohne den einen oder anderen Hersteller zu bevorzugen."

Flammini spielte damit auf andere Gründe für den Rückzug an, die Beobachter der Szene für möglich halten: Dass Ducati auf eine Reglements-Änderung zugunsten seiner Zweizylinder gedrungen habe, damit aber gescheitert sei. In diesem Jahr fahren die Bologneser in der Superbike-WM erstmals seit Jahren nicht ganz vorne mit, und auch 2011 ist mit keiner Besserung zu rechnen, da der neue Supersportler erst 2012 fertig wird und zudem die Teamstruktur nicht mehr zu stimmen scheint, seit Teamchef Davide Tardozzi im letzten Jahr zu BMW abwanderte.

Sicher ist, dass Ducati nun all seine Marketing- und PR-Kräfte auf Valentino Rossi und die MotoGP konzentriert. Ob sich das, wie erhofft, auch in Verkaufszahlen ausdrücken wird, bleibt abzuwarten. Die bisherigen Ducati-Käufer jedenfalls scheinen reichlich vergrätzt, wenn man den bitteren Kommentaren im Internet Glauben schenken darf. Aber möglicherweise holt der Hersteller schon bald zum medialen Paukenschlag aus, um sie zurückzuerobern: Indem er nämlich Valentino Rossi als Wild Card-Fahrer bei einem Superbike-Rennen starten lässt. Der neunmalige MotoGP-Weltmeister hatte während seiner Yamaha-Zeit immer wieder Interesse an einem solchen Auftritt bekundet. Ausschließen wollte das Ducati-Präsident Del Torchio nicht: "Wenn Rossi das möchte, dann werden wir das mit einem der Privatteams möglich machen."

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