Sport-Vorschau Superbike-WM 2010

Dass allein 13 der bisherigen 22 Superbike-WM-Titel auf Ducati gewonnen wurden, lässt ebenso wie das römische Management der Serie eine italienische Vorherrschaft erahnen. Im Fahrerfeld allerdings dominieren schon immer die Englisch sprechenden Helden.

Foto: 2snap
Bei den bislang 25 Superbike-WM-Fahrern (mindestens einer soll bis zum Saisonauftakt am 28. Februar in Australien noch dazu kommen) herrscht das englische Sprachidiom vor - nicht erst seit 2010. Seit Beginn der Superbike-WM im Jahre 1988 holte überhaupt erst ein Fahrer nicht englischer Muttersprache den Titel - 1990 der Franzose Raymond Roche, auch der erste Ducati-Champion.

Und auch die sieben Briten, vier Australier und ein US-Amerikaner in der WM 2010 sind nicht nur quantitativ in der Mehrzahl. Gleich fünf der schnellsten Sechs der offiziellen Tests in Portimão kommen aus dem Vereinigten Königreich. Und mindestens drei melden massive Titel-Ansprüche an.

Das gilt vor allem für die zwei jungen Wilden, die schon 2009 das etablierte WM-Feld aufgemischt haben: Der 23-jährige Nordire Jonathan Rea auf der Ten-Kate-Honda und der neue Alstare-Suzuki-Werksfahrer Leon Haslam, 26 Jahre alt.
Beide jagten sich auf der Berg-und-Tal-bahn an der Algarve von Bestzeit zu Bestzeit und legen großen Wert darauf, dass dies keinesfalls ein Vorsaison-Strohfeuer ohne Wert war. "Die Testfahrten haben richtig Spaß gemacht", jubelte Rea mit großem Optimismus, "wir waren am Ende die Schnellsten. Die generelle Richtung in Sachen Fahrwerk - Federelemente, Um-lenkung und Schwinge - steht perfekt, so dass wir auch bei den ersten Rennen sofort mit der Feinarbeit beginnen können."

Sein gewohnt perfektionistischer Team-Manager Ronald ten Kate trauerte zwar den entgangenen Testmöglichkeiten am verregneten zweiten Tag nach, kam jedoch zu einem von der Konkurrenz durchaus als Warnung zu sehenden Fazit: "Wir sind 2010 besser vorbereitet als jemals zuvor."

Reas Erzrivale Leon Haslam nimmt die Kampfansage bedenkenlos an: "Ich bin erst viermal mit der Suzuki gefahren und war im Vergleich mit den Gegnern immer unter den besten zwei. Das gilt es jetzt, mit in den Saisonauftakt zu nehmen, außerdem zeigt die Erfahrung, dass eine gute Abstimmung in Portimão auf den meisten anderen Strecken eine gute Basis ist." Möglichst vor den beiden jugendlichen Mitgliedern des britischen Empires möchte am Ende der Saison der inzwischen 29-jährige James Toseland stehen. Nicht nur als MotoGP-Rückkehrer kann es für ihn nur um den Titel gehen, den er 2004 und 2007 schon zweimal gewonnen hat. Im Laufe des Testwinters 2009/2010 allerdings musste sich Toseland gleich mehrmals auch hinter seinem neuen Yamaha-Werksfahrer-Kollegen und Landsmann Cal Crutchlow, Weltmeister und Aufsteiger aus der Supersport-WM, anstellen. "Die letzte schnelle Chaosrunde fehlt mir noch", so der Doppel-Champion, "aber über eine Renndistanz passt mir die Yamaha R1 schon hervorragend." Sein Teamchef Massimo Meregalli stößt ins gleiche Horn: "Cal Crutchlow ist mit seiner Unbekümmertheit sehr, sehr schnell, ebenso beeindruckt mich allerdings die Konstanz, mit der James schnelle Runden aneinanderreiht. Darauf kommt es im Laufe der Saison ja an."

Die britische Dominanz wurde von Althea-Ducati-Privatier Shane Byrne komplettiert, der wie 2009 bei den Portimão-Tests die Werks-Ducati von Noriyuki Haga und Michel Fabrizio distanzieren konnte.
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Max Neukirchner

Das Brit-Pop-Duo an der Spitze genoss natürlich auch die besondere Aufmerksamkeit des deutschen Superbike-WM-Helden Max Neukirchner. Schließlich ist Rea der neue Teamkollege des Sachsenpfeils und Haslam sozusagen sein Nachfolger als Suzuki-Nummer-Eins in der Superbike-WM. Dass Max seinen beiden Spezialfreunden in Portimão noch nicht standesgemäß einheizen konnte, sondern auf Reas Best-zeit von 1.42,270 Minuten 1,2 Sekunden verloren hatte, liegt an seiner langen Verletzungspause aus dem vorigen Jahr. "Ich habe noch Rückstände in der Arbeit mit der Honda Fireblade", so Max, "um etwas Zeit aufzuholen, haben wir die Basisabstimmung von Jonathan übernommen. Ich musste allerdings feststellen, dass sich unsere jeweiligen Fahrstile erheblich unterscheiden. Ich kann mit seinem Setup nicht schnell fahren. Er bremst später und viel härter in die Kurven hinein, während ich eher runderes Fahren mit höherem Kurvenspeed bevorzuge." Dennoch fliegt auch Max durchaus optimistisch nach Australien: "Ganz am Ende der Tests haben wir mit einer deutlich weicheren Abstimmung des Federbeins einen großen Schritt vorwärts gemacht. Ich fühle mich jetzt viel wohler auf der Honda."

BMW
Nachdem das erste Jahr der Bayerischen Motorenwerke in der Superbike-WM un-gefähr mit der in Wahrheit eher unbefriedigenden Schulnote "befriedigend" zu bewerten ist, sollen 2010 nun weiß-blaue Siege her. Die strategischen Voraussetzungen dafür soll ein neuer Mann hinter der Boxenmauer schaffen. Davide Tardozzi, bei Ducati als Teamchef mit acht gewonnenen Fahrer- und neun Hersteller-WM-Titeln seit 1995 dekoriert, zog es über die Alpen. Der mit allen Wassern gewaschene 51-Jährige soll das BMW-Werksteam spitzer und agiler aufstellen und das ihm bestens vertraute Fahrer-Duo Troy Corser (mit Tardozzi und Ducati Champion 1996) und Ruben Xaus (2000 bis 2003 Ducati-Werksfahrer) wieder ganz nach vorn treiben. Die eher diskreten Portimão-Rundenzeiten, die Corser auf Rang 13 und Xaus gar als 16. zurückhielten, beunruhigten den neuen Chef nicht: "Ich habe mir das Team und seine Arbeitsweise erst einmal aus dem Hintergrund angesehen und weiß jetzt sehr genau, wo wir ansetzen müssen." Neben dem Werksteam wird BMW in der Superbike-WM 2010 auch vom österreichischen Reitwagen-Team vertreten, das für Supersport-Ex-Weltmeister Andrew Pitt und den einheimischen Nachwuchsmann Roland Resch mit dem Schweden Johan Stigefeld ebenfalls einen erfahrenen und bisher recht erfolgreichen Team-Manager geholt hat.

Ducati und der Rest
Auf keinen Fall vergessen dürfen wir die rote Hinterlassenschaft des Davide Tardozzi. Wenngleich Noriyuki Haga in der vergangenen Saison auch im zehnten Versuch wieder nicht Superbike-Weltmeister geworden ist, stellt er 2010 zusammen mit der Werks-Ducati 1198 wieder eine höchst explosive Kombination dar, ebenso wie sein junger Teamkollege Michel Fabrizio. Die diskrete Vorstellung als Achter und Fünfter der Portimão-Tests wird die Ducatisti dabei nicht beunruhigen, das war 2009 nicht anders. Und auch der neue Team-chef und bisherige Chefingenieur Ernesto Marinelli macht schon ganz in Tardozzi-Tradition Regel-Politik: "Der Einlassluft-mengenbegrenzer beschert uns bei der Motorleistung einen gehörigen Nachteil gegen die 1000er-Vierzylinder."

Dennoch werden sich die roten Renner ebenso wie die Werks-Aprilia von Ever-green Max Biaggi auch 2010 wieder ganz vorn einfinden, was dem Kawasaki-Bird-Werksteam trotz erheblicher Aufrüstung schwer fallen dürfte. Mit MotoGP-Heimkehrer Chris Vermeulen, immerhin Superbike-Vizeweltmeister 2005, sollte es zwar aufwärts gehen. Aber der Weg zum Sieg ist weit für die Grünen.

Stellt sich noch die Frage nach einem möglicherweise nicht Englisch sprechenden Weltmeister? Nun ja: Haga, Biaggi, Fabrizio hätten schon Chancen, oder am Ende gar der Stehaufmann aus Sachsen?
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Termine

28. Februar 2010, Phillip Island/AUS
28. März 2010, Portimão/P
11. April 2010, Valencia/E
25. April 2010, Assen/NL
9. Mai 2010, Monza/I
16. Mai 2010, Kyalami/RSA
31. Mai 2010, Salt Lake City/USA
27. Juni 2010, Misano/I
11. Juli 2010, Brünn/CZ
1. August 2010, Silverstone/GB
5. September 2010, Nürburgring/D
26. September 2010, Imola/I
3. Oktober 2010, Magny-Cours/F

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