Sieg in Brünn für Max Biaggi Superbike-WM in Brünn/CZ

Max Biaggi gewann zum zehnten Mal ein WM-Rennen in Brünn. Darauf haben nicht nur die vielen, auch tschechischen Fans des Römers förmlich gewartet. Auch eine Jubiläumstorte war vorbereitet. Überraschender kam eine klare Stellungnahme von WM-Promoter Flammini zur Zukunft der verschiedenen Motorrad-Weltmeisterschaften.

Foto: Edge

Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Brünn dürfte für Max Biaggi nur noch eine Frage der Zeit sein. Zwar musste der römische Altstar im ersten Superbike-WM-Rennen auf der anspruchsvollen Berg- und Talbahn in Tschechien dem nordirischen Junghelden Jonathan Rea auf Ten-Kate-Honda noch den Vortritt lassen. Aber im zweiten Anlauf, bei in diesen Zeiten noch erträglichen Temperaturen um 30 Grad, rückte der Römer die fast schon klassische Rennsport-Hierarchie von Brünn wieder zurecht und siegte auf dem Masaryk-Ring zum zehnten Mal seit dem 250er-Grand Prix 1994.

"Natürlich fühle ich mich sehr, sehr wohl auf der Strecke hier in Brünn", freute sich der Jubilar, "aber im ersten Rennen haben wir gesehen, dass es auch für mich keine Sieggarantie hier gibt. Jonathan Rea war sehr stark, und ich konnte ihn erst bezwingen, nachdem wir unsere Aprilia für das zweite Rennen kürzer übersetzt und den Schwingendrehpunkt geändert hatten."

Das Vertrauen auf außergewöhnliche Streckenkenntnis und seine äußerst erfahrene Techniker-Crew, die großteils auch schon an den frühen Brünn-Triumphen beteiligt war, zahlte sich aus. Rea konnte sich zwar den Rest der Superbike-Welt vom Leib halten. Gegen Biaggi aber war nichts zu machen.

Dass aus dem Hausmeister von Brünn womöglich zum fünften Mal ein Weltmeister wird, liegt jedoch nicht nur an der gewohnten Biaggi-Gala auf seiner Lieblingspiste. Sein Hauptwidersacher in der WM-Tabelle, Leon Haslam, verliert schon seit drei Veranstaltungen mehr und mehr den Anschluss an die Tabellenspitze. Der Brite erreichte auf Alstare-Suzuki die Ränge acht und zehn: sein bisher schwächstes Ergebnis 2010. Damit büßte er seit seinem letzten Sieg Mitte Mai in Kyalami, Südafrika, nicht nur die WM-Führung, sondern volle 73 Punkte auf Biaggi ein, der von den sechs Einzelrennen seither fünf gewonnen hat und einmal Zweiter wurde.

Die Analyse von Alstare-Suzuki-Teamchef Francis C. Batta lässt wenig Positives erwarten für Haslams WM-Chancen. "Die Unterstützung seitens des Suzuki-Werks in Japan ist völlig unzureichend", poltert der schwergewichtige Belgier, "wir sind völlig auf uns allein gestellt. Und das in einer Phase, in der unsere Gegner wie etwa Aprilia und BMW mit Vollgas weiter entwickeln."

BMW zeigt sich inzwischen tatsächlich gewaltig im Vorwärtsgang. Wegen des durchwachsenen Saisonauftakts hinken die Bayern in der WM-Tabelle allerdings noch etwas hinterher, was durch den kapitalen Trainingssturz von Nummer-eins-Fahrer Troy Corser und dessen Nachwirkungen, zahlreiche Bänderdehnungen im Oberkörper, die den Australier vom Start abhielten, noch verstärkt wurde. Immerhin zeigte Ruben Xaus mit Rang fünf im ersten Rennen das Potenzial der BMW, ehe er an dritter Stelle liegend in Rennen zwei stürzte.

Dies alles führt zu einer äußerst komfortablen Situation von Max Biaggi und Aprilia an der Superbike-WM-Tabellenspitze. Und zu gewissen Befürchtungen im Management der Superbike-WM. Denn die Begehrlichkeiten der Organisatoren der konkurrierenden MotoGP-WM, die aufgrund der stark geschrumpften Teilnehmerzahl von derzeit nur noch 17 Fahrern sich auf die im Vergleich zu reinrassigen GP-Triebwerken recht kostengünstigen 1000-cm?-Vierzylinder-Motoren zum Beispiel von Aprilia und BMW richten, sorgten in Brünn für großen Alarm.

"Uns liegt ein Schreiben der internationalen Motorradsportbehörde FIM vor", so Maurizio Flammini, Rechteinhaber der Superbike-WM, kompromisslos, "welches verdeutlicht, dass bei MotoGP-Rennen, wenn, egal ob 2012 oder schon 2011, der Hubraum auf 1000 cm? erhöht wird, keine aus der Serie stammenden Motoren verwendet werden, sondern nur Prototypen."

Was einen Prototypen definiert, erklärt Flammini ebenso unmissverständlich: "Ein lediglich mit größeren Freiheiten im Reglement weiter getunter Superbike-Motor ist in keinem Fall ein Prototyp. Ein Motor in Sinne der MotoGP-Regeln muss gegenüber einem hubraumgleichen Superbike-Triebwerk unmissverständlich als klar unterschiedliches, völlig eigenständiges Entwicklungsprojekt zu erkennen sein. Alles andere werden wir aufgrund unserer Vertragssituation nicht akzeptieren. Sie können sicher sein, dass wir mit unser Muttergesellschaft Infront eine sehr starke Position haben."

Flammini weiter: "Eine Maschine wie das derzeit viel diskutierte Projekt des Schweizer Fahrwerksherstellers Suter mit weiter bearbeitetem BMW S 1000 RR-Motor ist gemäß des FIM-Schreibens kein Prototyp, auch wenn unsere Kollegen der MotoGP-Agentur Dorna dies anders sehen."

Zusätzliche Nahrung erhielt die zunehmend schärfer geführte Diskussion um die Zukunft von Grand Prix und Superbike durch die Testfahrten des GP-Hyperstars Valentino Rossi. Nach seinem Beinbruch vor vier Wochen beim Italien-GP in Mugello noch längst nicht wiederkomplett fit, fuhr er am Montag nach den Rennen bei Tests in Brünn auf einem Yamaha-Superbike eine Rundenzeit von 1.59,135 Minuten. Sie hätte ihm am Vortag Startplatz vier gebracht. Der Doktor war zudem auf harten Rennreifen und ohne die konzentrierte Anspannung eines Rennwochenendes auf einem ihm weitgehend unbekannten Motorrad unterwegs. Eine Rundenzeit wie die 2009er-MotoGP-Pole-Position von Casey Stoner auf Ducati in 1.57,199 scheint also unter ernsten Bedingungen für Rossi selbst mit dem Superbike nicht aus der Welt. Genau dies bringt Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und Maurizio Flammini in Argumentationsnöte, wenn sie ihre beiden Rennserien gegeneinander abgrenzen sollen.

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