Superbike: WM in Kyalami/RSA Das vorerst letzte Rennen in Südafrika

"Kyalami" bedeutet auf Zulu, einer der elf Amtssprachen in Südafrika, "mein Zuhause". Die Superbike-WM fuhr in diesem Jahr zum letzten Mal "zuhause", sagen zumindest die gekündigten Verträge. Aber vielleicht sind Ducati-Werksfahrer Michel Fabrizio und Suzukis WM-Spitzenreiter Leon Haslam doch nicht die letzten Heimsieger in Afrika.

Foto: Edge
Kyalami ist einzigartig: einziges Motorrad-WM-Rennen in Afrika, dazu noch auf knapp 1800 Metern Meereshöhe. Und die Berg-und-Talbahn gilt als die langsamste, engste Piste von allen. All dies wird von Fahrern und dem gesamten Tross mehr oder weniger hoch geschätzt, und man kam bisher sehr gern "nach Hause".

In letzter Zeit allerdings hat vor allem das Asphaltband selbst stark gelitten. Die Strecke ist in erbärmlichem Zustand - Aprilia-Werksfahrer Leon Camier vernichtend: "Wir haben in Großbritannien sehr viele Rennstrecken, aber keine ist so verrottet wie die hier." Und die Verantwortlichen wissen nicht so recht, wie sie sich dazu verhalten sollen. Denn durch hohe Grundstückspreise am Nordrand der brodelnden Metropole Johannesburg droht seit Jahren die Umwidmung des gesamten Areals zum "Kyalami" für eine Oberschichtsneubausiedlung. Trotz Kündigung der Verträge mit der Superbike-WM wollen die Afrikaner auch 2011 wieder ein Rennen veranstalten, vielleicht jedoch auf einer anderen Strecke. Und mit zumindest leicht veränderten Superbikes. Denn auch nach dem Ducati-Doppelsieg von Werksfahrer Michel Fabrizio vor Carlos Checa auf der privaten Althea-1098R im ersten Rennen von Kyalami greift erstmals seit ihrer Einführung 2008 die Handikap-Ausgleichsregel. Gemäß einer sehr komplizierten und genau ausgearbeiteten Formel werden nach jeder dritten WM-Veranstaltung die Resultate der besten 1000-cm?-Vierzylinder-Maschinen mit jenen der 1200-cm?-Twins verglichen. Wenn die Formel eine zu deutliche Vorherrschafft des einen oder anderen Konzepts berechnet, müssen die FIM-Regelhüter reagieren.

Dies ist jetzt der Fall: Mit Beginn der nächsten Rennen zur Superbike-WM im Miller Motorsports Park bei Salt Lake City/USA dürfen die Ducati-Zweizylinder von 168 auf 165 Kilogramm abspecken, während die Vierzylinder weiterhin bei 162 Kilo bleiben.

Ob dies zu größerer Beunruhigung in der Vierzylinderfraktion führen wird, muss sich zeigen. WM-Tabellenführer Leon Haslam konnte auf seiner Alstare-Suzuki in Kyalami mit dem Sieg im zweiten Rennen seine Führung fürs erste weiter ausbauen.

Für Ducatis gefallenen Superhelden Noriyuki Haga dagegen werden die drei Minderkilos zumindest zum Rettungsstrohhalm. Denn seinen langjährigen Kampfnamen Nitro-Nori verdient er derzeit kaum. Der dreifache Superbike-Vizeweltmeister und vierfache WM-Dritte der vergangenen sieben Jahre war auch in Kyalami wie schon öfter in der Saison 2010 ein Schatten seiner selbst: Vom 16. Startplatz auf die Ränge 17 und zehn - das ist ganz und gar nicht, was die Ducatisti und vor allem Nori-chan selber sehen wollen. Der italophile Japaner befindet sich in einem tiefen Wellental, und böse Zungen sprechen bereits davon, dass er irgendwann im Laufe der Saison von seinem offenbar comeback-willigen Vorgänger im Ducati-Werksteam verdrängt wird: Der dreifache Weltmeister Troy Bayliss erzielte nämlich bei Testfahrten in Mugello exzellente Rundenzeiten und hat wohl wie so mancher Motorsportfrührentner vom Vorruhestand inzwischen die Nase voll. Von offizieller Seite wird ein Fahrertausch noch in der laufenden Saison klar dementiert, während mehrere Auguren rund um die Ducati-Werkstore von einem Bayliss-Comeback schon Ende Juni in Misano reden.

Noch schlechter als Haga ging es nicht nur in Kyalami leider dem deutschen Superbike-Helden Max Neukirchner. Nach kleineren Lichtblicken im zweiten Rennen von Monza eine Woche zuvor ging diesmal alles schief: Als 17. im Qualifying schon aus der zweiten Superpole-Runde geflogen, fuhr der Sachse in den Rennen auf die Ränge 19 und 17 außerhalb der Punkte. Und auch seine jeweils schnellsten Rennrunden bewegten sich in diesem Bereich.

Das BMW-Werksteam musste nach der Party in Monza zwar ebenfalls durch eine Ausnüchterungsphase. Aber mit den Rängen zwölf und sieben für Troy Corser sowie 14 und elf für Ruben Xaus hielt sich der Kater noch in erträglichen Grenzen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel