Vorschau: Superbike-WM 2011 Die Jagt auf den Titel geht weiter

Im Zeichen der Totenkopf-Flagge holte Max Biaggi nach 13 Jahren wieder einen Weltmeister-Titel. Doch gleich eine ganze Bande jugendlicher Angreifer macht sich 2011 auf die Jagd nach der Superbike-WM, allen voran Vizeweltmeister Leon Haslam und Jonathan Rea.

Foto: 2snap

Das Saisonziel ist glasklar für Max Biaggi, ebenso für sein Aprilia-Werksteam. Der Superbike-WM-Titel muss unbedingt verteidigt werden, schließlich will Altmeister Biaggi zeigen, dass er auch weiterhin der Beste bleibt im Superbike-WM-Fahrerlager.

Mindestens genauso wichtig jedoch ist für Aprilia-Rennsportchef Luigi dall‘Igna, dass die Venetier zeigen, dass sie 2010 die WM nicht nur wegen der umstrittenen Ventilsteuerung per Stirnräder gewonnen haben. "Wir müssen unsere RSV4 Factory für 2011 wieder auf Steuerkette zurück rüsten", so dall‘Igna, "aber das sollte nicht allzu sehr stören. Wir haben im Vorjahr gezeigt, dass wir auch damit siegen können."

Davon abgesehen ändert sich für die Meistermannschaft wenig. Max Biaggis hochkarätige Altherrentruppe um seinen Teamchef Gianpiero Sandi, von der die meisten schon 1994 dabei waren, als Max Biaggi für Aprilia den ersten 250er-WM-Titel geholt hat, bleibt, wie auch der hochaufgeschossene Engländer Leon Camier als zweiter Fahrer. Ihm trauen viele durchaus zu, aus dem Schatten des römischen Imperators heraustreten zu können.

Ganz im Gegensatz zu Aprilia blieben beim BMW-Superbike-WM-Werksteam nur wenige Steine auf den anderen. Motorrad-Rennsportchef Berti Hauser wurde hausintern versetzt; Teamchef Davide Tardozzi, in seiner Ducati-Vergangenheit immerhin der erfolgreichste der Superbike-Historie, schied ebenfalls wenig friedlich aus. Und auch Ruben Xaus, der zweite Fahrer im Team, musste sich einen neuen Arbeitgeber suchen, den er beim in Castrol-Honda umbenannten Ten-Kate-Team schließlich fand.

Die Neuen bei BMW heißen Bernhard Gobmeier, er ist der Motorrad-Motorsport-Chef und Leon Haslam. Der frisch verheiratete Brite kommt als Vizeweltmeister vom unter ständig schrumpfender Werksunterstützung leidenden Alstare-Suzuki-Team und hat klar nur ein Ziel - den Titel.

Dazu sollen die Bayerischen Motorenwerke nicht nur ihre neu strukturierte, an der Rennstrecke vom bisherigen technischen Leiter Rainer Bäumel geführte, äußerst schlagkräftige Truppe zur Verfügung stellen, sondern vor allem auch die weiter voran getriebene BMW S 1000 RR, Jahrgang 2011. Rund acht PS über die gesamte Drehzahlkurve haben die Techniker in Stephanskirchen bei Rosenheim über den Winter im Reihenvierzylinder gefunden, der auch schon vorher alles andere als schwindsüchtig war.

Somit rückt das elektronische Motormanagement, das BMW selbst entwickelt, noch weiter in den Vordergrund. Und hier, im elektronischen Bereich, lagen auch die größten Überraschungen für Leon Haslam bei den Testfahrten bereit. "Die BMW ist ein extrem komplexes Gesamtpaket", so der Engländer, "wir müssen Schritt für Schritt vorgehen, um uns dem Optimum zu nähern und unseren Weg auch zu verstehen."

Einen deutlichen Vorsprung, was die BMW-Arbeitsweise angeht, hat dabei Stammfahrer Troy Corser, der, obendrein im begründeten Ruf eines hervorragenden Entwicklungsfahrers stehend, natürlich keinesfalls die Rolle der Nummer zwei bei den Bayern annehmen will, sondern all seine Routine einsetzen wird, um mit seinen 40 Jahren vielleicht doch noch seinen dritten Superbike-WM-Titel zu holen.


Neben dem Werksteam setzen die Bayern 2011 auch auf das Team von BMW Italia, aus dem ebenfalls hoch dekorierte Fahrer angreifen. Der Engländer James Toseland war wie Corser zweimal Superbike-Weltmeister und Jungheld Ayrton Badovini steigt als Superstock-1000-FIM-Cup-Champion in die Superbike-WM auf. Techisch werden die italienischen S 1000 RR den altbayerischen nur wenig nach stehen, wie Chef Gobmeier klar stellte: "Am Ende ist es mir gleich, welche BMW gewinnt."

Bei Honda ist die Auswahl da geringer, wenn auch nicht weniger hochwertig. Neuerdings wieder im ebenso historischen wie verpflichtenden Namen "Castrol-Honda" unterwegs, stellt vor allem Jonathan Rea, aber auch der ewige Jäger Ruben Xaus das Visier auf den Titel ein. Wenn das weiterhin von Ten-Kate-Racing aus den Niederlanden betriebene Team erfolgreich an der besseren Konstanz ihrer Performance arbeitet, gehört Rea zu den WM-Top-Favoriten.

Ebenfalls noch Chancen auf Spitzenresulate in der Superbike-WM 2011 dürfen wir von MotoGP-Quereinsteiger Marco Melandri auf der Werks-Yamaha erwarten. Bei den Edelprivatiers Carlos Checa (Ducati), Noriyuki Haga (Aprilia) und Michel Fabrizio (Suzuki) wird sehr viel davon abhängen, wie intensiv die jeweils versprochene Werksunterstützung wirklich sein wird.

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