IDM Oschersleben Die IDM in Oschersleben

Martin Bauer, Jörg Teuchert und Karl Muggeridge heißt das Spitzentrio der IDM Superbike 2010 - Newcomer Muggeridge passt mit seinen 36 Jahren auch altersmäßig gut ins Bild. Der Australier, der die Meisterschaft anführt, geht in seine 16. Straßenrennsaison.

Foto: Archiv
Sie verlief nicht gerade in atemberaubendem Tempo, die Motorradsport-Karriere des Karl Muggeridge, dafür zeigte sie über lange Zeit einen stabilen Aufwärtstrend. Elf Jahre startete der Australier erfolgreich bei Motocross-Wettbewerben, bevor er 1994 ins Straßensport-Metier wechselte. Nach Zwischenstopps in der australischen 250er- und der britischen Supersport-Meisterschaft folgte 2000 der endgültige Aufstieg in die Supersport-WM, den er 2004 mit dem Titel krönte - vier Jahre nach Jörg Teuchert, dem Supersport-Weltmeister von 2000. Dann der erneute Aufstieg, von der 600er-Supersport-Honda der Quasi-Werkstruppe Ten Kate auf das 1000er-Superbike des gleichen Teams. Danach, 2005, wendete sich das Blatt. Platz elf nach seiner ersten Superbike-Saison war für Karl Muggeridge noch in Ordnung, die Endränge 12, 16, 15 und 22 in den Folgejahren nicht. Jetzt ist er in der IDM angekommen, wo er sich mit seinem vier Jahre älteren Ex-WM-Konkurrenten Teuchert um die Führung balgt - und auch auf einer Superbike-Honda gewinnen kann, wie bereits beim Saisonauftakt auf dem Eurospeedway Lausitz Ende April vorexerziert. Ist er nun auch eine gescheiterte Existenz, die in der Superbike-WM keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt? Sich sozusagen als Altersteilzeitbeschäftigung bei den gerade einmal acht IDM-Veranstaltungen des Jahres ein paar Kröten zur Rennfahrer-Rente dazu verdient? Das würde dem Familienvater, der mit seinen beiden Söhnen Ryan Luca und Oliver Alec seit fünf Jahren in der Heimat seiner Schweizer Ehefrau Isabelle lebt, wohl nicht gerecht. "2006, das zweite Superbike-Jahr im Ten-Kate-Werksteam, hat ganz gut begonnen", erinnert sich Muggeridge, "aber dann verletzte ich mich bei einem Sturz schwer an der Wirbelsäule - eine ähnliche Verletzung, wie sie Max Neukirchner voriges Jahr beim Test in Imola erlitt. Damit war die Saison gelaufen." Die weiteren Geschehnisse dürften Neukirchner-Fans erschauern lassen. Ten Kate verlor allmählich das Vertrauen in "Muggas", die Honda-Teams der zweiten Garnitur wie Alto Evolution, DF Racing und zuletzt Celani-Suzuki, bei denen er es versuchte, konnten keine ausreichende technische Basis für einen Piloten anbieten, der um die Weltmeisterschaft fahren wollte. "Nach dem Unfall hatte ich keine Chance mehr, in der WM ein konkurrenzfähiges Motorrad zu bekommen", resümiert er.

Der gelernte Uhrmacher, der neuerdings auch Schweizer Staatsbürger ist, ließ seine Verbindungen zu Honda wieder aufleben. Die führten ihn zu Jens Holzhauer, dem sich vor einiger Zeit auch ein gewisser Michael Schumacher bei seinen Motorrad-Gehversuchen anvertraut hatte, und in die IDM. "Eine sehr professionelle Rennserie", sagt Muggeridge, "die Hersteller sind stark engagiert, das sorgt immer für spannende Wettkämpfe. Dass es keine Einheitsreifen gibt, ist ebenfalls eine Besonderheit, die guten Sport begünstigt." Obwohl er nie zuvor ein IDM-Rennen gesehen hatte, kam Muggeridge mit der neuen Umgebung beim Saisonstart auf dem Eurospeedway so gut zurecht, dass er nach beiden Superbike-Rennen als Sieger durchs Ziel fuhr. Wobei er zugibt, dass der IDM-Kalender 2010 einem Newcomer wie ihm entgegen kommt: Die Rennstrecken der drei ersten Stationen Eurospeedway, Oschersleben und Nürburgring kennt er aus seiner Zeit in Supersport- und Superbike-WM. "Danach dürfte es schwieriger werden", vermutet Muggeridge, "aber wir planen noch Testfahrten auf einigen der restlichen Kurse."

Seine Hauptkonkurrenten hat er jedenfalls schon nach dem ersten Schlagabtausch in der Lausitz identifiziert: "Jörg Teuchert und Martin Bauer." Beide haben bereits zweimal die IDM-Superbike gewonnen, beide waren im ersten Saisonrennen gestürzt, beide holten sich in Oschersleben je einen Laufsieg und mit beiden zusammen stand Muggeridge schon zweimal gemeinsam auf dem Podest - am Eurospeedway als Sieger und in Oschersleben als Dritter. Nach dem total verregneten Zeittraining am Samstag, in dem sich Muggeridge nur für Startplatz 14 qualifizieren konnte, hatte sich das Team um Jens Holzhauer am trockenen Sonntag für ein Setup entschieden, das am ebenfalls trockenen Freitag sowie bei Testfahrten eine Woche zuvor erarbeitet worden war. Keine gute Idee, wie sich in Rennen eins herausstellte. Muggeridge konnte nur bis auf Platz neun vorstoßen. Im zweiten Durchgang hatte sich der Australier mit geänderter Abstimmung schon bis auf Rang drei vorgearbeitet und sich den Plan für eine Schlussattacke auf Teuchert und Bauer zurechtgelegt, als das Rennen nach einem Sturz des BMW-Fahrers Jochen Raible in Runde 15 abgebrochen und nach 14 Runden gewertet wurde.

KTM-Pilot Bauer, Yamaha-Fahrer Teuchert und Honda-Mann Muggeridge repräsentieren die drei Marken, die sich in der IDM mit besonderem Elan engagieren. "Oschersleben meldete trotz des schlechten Wetters 12 500 Zuschauer. Wir glauben, dass wir unter ihnen die supersportlich orientierte Kundschaft finden, die wir ansprechen wollen", begründet Klaus Wilkniß, Racing-Koordinator bei Honda Deutschland, die Unterstützung des Holzhauer-Teams. "Viele Etats wurden gekürzt, manche Budgets gibt es gar nicht mehr, aber die Investition in die IDM wurde unverändert beibehalten." Honda meint es ernst mit der IDM: Seit einem Jahr wird eine hochoffizielle Kooperation zwischen Honda Japan und Holzhauer zur Weiterentwicklung des Race-ABS an der Fireblade gepflegt.

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