Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft im holländischen Assen Vorletzter Lauf

Australien oder Austria - nach den Ereignissen beim vorletzten Lauf zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft im holländischen Assen muss diese Frage am IDM-Finaltag auf dem Hockenheimring gleich zwei Mal beantwortet werden.

Foto: Wiessmann

Ereignisreich war es allerdings, dieses vorletzte IDM-Wochenende der Saison 2010. Spannung versprachen schon der für einen IDM-Sonntag im Standardformat eigentlich zu knappe Zeitplan - in Assen dürfen nur zwischen elf und 18 Uhr Rennmotoren Krach schlagen - sowie der Wetterbericht, der Rennabbrüche wegen zeitweiliger Regenschauer und damit eine zusätzliche Verschärfung des Zeitplan-problems prophezeite. Immerhin ging das erste der beiden Superbike-Rennen über die volle 17-Runden-Distanz.

 

Der deutsche Superbike-WM-Pilot Max Neukirchner strahlte als Sieger vom Podest: "In der WM läuft es ja nicht so gut, ich hatte Angst, mich hier auch zu blamieren. Das Niveau in der IDM ist unglaublich hoch." Pech für BMW-Pilot Barry Veneman, der als Zweitplatzierter bester IDM-Fixstarter wurde und volle Punkte kassierte, aber unbedingt gewinnen wollte - der Holländer lebt nur 30 Kilometer von Assen entfernt.

Um eine Vorentscheidung in Sachen Meistertitel kämpften Tabellenführer Karl Muggeridge aus Australien auf der Holzhauer-Honda, KTM-Pilot Martin Bauer aus Österreich und der belgische BMW-Fahrer Werner Daemen, der jedoch nach einem heftigen Trainingssturz gehandicapt ins Rennen ging. Bauer, Muggeridge, Daemen lautete schließlich der Zieleinlauf.Pünktlich zum Termin des zweiten Superbike-Laufs setzten dann die erwarteten Wetterkapriolen ein - Startverzögerung wegen Wolkenbruchs, Abbruch nach wenigen Runden aus demselben Grund, Kürzung der Renndistanz auf einen Zehn-Runden-Sprint.

 

Das verhalf Barry Veneman zum ersehnten Heimsieg: "Wir hatten ein Setup-Problem, mit unseren Reifen hätte ich die Spitze keine 17 Runden halten können." Martin Bauer ärgerte sich derweil darüber, dass er Karl Muggeridge noch in der letzten Runde auf Rang vier passieren ließ - Muggeridge, Bauer, Daemen hieß dieses Mal die Reihenfolge der Titelaspiranten. Muggeridge muss damit beim Saisonfinale in Hockenheim am 19. September nur noch 20 Punkte sicherstellen, um neuer Superbike-Champion zu werden.

Für Damian Cudlin, seinen Landsmann in der IDM Supersport, wird der letzte Akt des Unternehmens Meistertitel etwas dramatischer. Auch er muss sich gegen Angriffe aus Österreich wehren, vorgetragen von Michael Ranseder. Fünf der zehn bis Assen gefahrenen Rennen beendete der IDM-125-Meister von 2004 als Sieger, und hätte ihn nicht beim Saisonauftakt ein Technikdefekt am Start gehindert, wäre er womöglich in Hockenheim der Gejagte und Cudlin sein Verfolger. Dass es beim Superbike-Saisonfinale zum Europa-Showdown zwischen den beiden BMW-Piloten Daemen und Veneman und ihren KTM-Konkurrenten Bauer und Stefan Nebel - der ist IDM-Fünfter - kommt, ist für die beiden Hersteller fast eine Traumkonstellation. Für BMW, weil die sportlichen Glanzleistungen den Erfolg des Supersportlers S 1000 RR im Markt widerspiegeln - 2010 wurden bisher mehr als 1700 dieser 200-PS-Boliden in Deutschland neu zugelassen. Für KTM, die sich mit der RC8 an denselben Interessentenkreis wenden, weil sie dem übermächtig scheinenden bayerischen Mitbewerber wenigstens auf der Rennstrecke Paroli bieten, ihm vielleicht sogar noch die IDM-Markenmeisterschaft abjagen können. In der Zulassungsstatistik bleibt bei 131 verbuchten RC8 noch reichlich Luft nach oben.

Die haben logischerweise auch die Nachwuchstalente im Yamaha-R6-Pokal. Die Reihe der Fahrer, die es aus dem Cup bis auf Weltmeisterschaftsniveau geschafft haben ist inzwischen ellenlang. Dass der Weg dahin mitunter steinig ist, musste das Team um den Markgröninger Flori Bauer erfahren, 2010 aus dem Cup in die IDM Supersport aufgestiegen. Doch statt über Rang 32 zu jammern, ergriff Bauer-Betreuer Thomas Schwarz die Initiative. In einem improvisierten 90-Minuten-Seminar berichtete er den aufstiegslustigen Cup-Piloten über seine Erfahrungen und warnte vor überzogenen Erwartungen. So funktioniert Jugendarbeit. Eventuell auch wie in Holland, wo ab 2011 ein Markenpokal mit 250-cm³-Einzylinder-Viertaktern gefahren wird, ähnlichen Maschinen, wie sie ab 2012 in der neuen Moto3-WM starten. IDM-Teambesitzer und Fahrwerksspezialist Benny Wilbers wollte die Idee nach Deutschland importieren und bot an, fünf Teilnehmern des ADAC-Junior-Cup, wo bislang von Großserienmotorrädern abgeleitete 125er-Zweitakter gefahren werden, zu günstigen Konditionen eine Moriwaki MD 250 H zur Verfügung zu stellen. Die Youngsters hätten sich frühzeitig mit Viertaktern vertraut machen können, wie sie ihnen bei einer erfolgreichen Karriere zwangsläufig begegnen würden. Doch die ADAC-Verantwortlichen winkten ab. "Die wollen lieber ohne Aufwand weitermachen wie bisher", ärgert sich Wilbers, "dass sie den Jungen damit eine Chance nehmen, interessiert nicht." Ob sich jemand daran erinnert, wenn der erste Moto3-Weltmeister aus Holland kommt?

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