IDM-Finale in Hockenheim IDM-Finale in Hockenheim

Zwei Entscheidungen standen zum Abschluss der IDM-Saison 2010 noch aus. Nach einem Wochenende voller Dramatik und juristischer Finessen feierten die australischen Favoriten: Superbike-Meister Karl Muggeridge und Supersport-Sieger Damian Cudlin.

Foto: Wiessmann

Die Ausgangslage war glasklar vor dem großen Showdown der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM): Karl Muggeridge hatte in Hockenheim vor, in den beiden noch ausstehenden Rennen den Superbike-Titel abzuräumen. Damian Cudlin war für die Supersport-Klasse mit exakt demselben Ziel angetreten. Dass beide Australier kaum aufzuhalten sein würden, wenn sie im badischen Motodrom keinen Mist bauten, galt als sicher - ebenso wie die desperaten Versuche, mit denen die noch verbliebenen Konkurrenten im Meisterschafts-Endkampf ihrer letzten Chance nachjagen würden.

Cudlin hatte den schnellen Österreicher Michael Ranseder zu fürchten, der 16 Punkte zurück lag und seine Ambitionen mit der Pole Position unterstrich. Gleich zwei Verfolger hetzten den Honda-Superbike-Piloten Muggeridge: Martin Bauer auf der Werks-KTM, ebenfalls Österreicher, und der Belgier Werner Daemen auf BMW. "Aber ich habe 31 Punkte Vorsprung", kalkulierte Muggeridge, "das sollte klappen."

Damian Cudlin machte sich ebenfalls keine allzu großen Sorgen über seinen Supersport-DM-Titel: "Ranseder muss angreifen, ich nur hinter ihm herfahren." Des Aussies Plan schien aufzugehen. Bis in die 18. von 19 Runden des ersten Supersport-Rennens am Samstagnachmittag blieb Cudlin am sofort in Führung geschossenen Ranseder dran. Dann entschied er doch, dass es besser sei, den Österreicher zu überholen. Keine gute Idee, weil es ihm anschließend in der Sachskurve nicht gelang, die Kampflinie überzeugend zu blockieren. Ranseder zielte in die Lücke zwischen Cudlin und dem Streckenrand, traf aber den Konkurrenten, der ins Kiesbett stürzte, während der Österreicher selbst nach kurzer Offroad-Einlage noch als Zweiter hinter seinem Landsmann Günther Knobloch, alle übrigens auf Yamaha, über den Zielstrich fuhr. "Ein Rennunfall", urteilte die eine Hälfte der fachkundigen Beobachter. "Der hat ihn runtergefahren", befand der Rest. Letzterer Meinung schloss sich später die Rennleitung an und nahm Ranseder aus der Wertung. Für hässliche Begleiterscheinungen des Zwischenfalls sorgten nicht nur falsch motivierte Cudlin-Fans, sondern auch IDM-Insider, welche Ranseder übel beleidigten.

Die Titel-Entscheidung war so auf das Finalrennen am Sonntag vertragt. Dies gewann Ranseder überlegen, doch Cudlin war als Vierter ungefährdet IDM-Supersport-Meister 2010 - wenn es dabei bleibt. Denn Ranseder ist ob der Angelegenheit so angefressen, dass er Berufung gegen seinen Wertungsausschluss einlegte. Sollte ihm ein Sportgericht irgendwann die aberkannten 20 Punkte aus Rennen eins zurückgeben, müsste er nachträglich zum Meister erklärt werden. Bis dahin dürfte sich aber niemand mehr dafür interessieren. Am wenigsten vermutlich Damian Cudlin, der angekündigt hatte: "Bei der Party heute Abend werde ich alle Getränke probieren, die es da gibt."

Dass Karl Muggerdige trotz seines großen Punktevorsprungs kein einfacher Durchmarsch zur Superbike-Meisterkrone gelingen würde, hatte sich im Qualifikationstraining angedeutet - da gelang dem 36-Jährigen nur die zehntbeste Rundenzeit. Während Martin Bauer beim ersten Rennen wie entfesselt vorneweg preschte, versuchte Muggeridge sich aus kritischen Situationen herauszuhalten. Eine Runde vor dem Ziel drohte ihm ein wenig glanzvoller Platz acht, was Bauer mit dem Sieg in eine starke Position für den zweiten Lauf gebracht hätte - dasselbe Ergebnis im zweiten Durchgang, und Bauer wäre Meister geworden. Doch statt ins Ziel zu fahren, blieb der Österreicher ohne Benzin auf der Strecke. Als er wenig später wutentbrannt in der KTM-Box auftauchte, gehörte ihm die Doppelgarage ganz allein. Die Mechanikertruppe hatte sicherheitshalber vorher Reißaus genommen.

Bauers Zorn war noch nicht gänzlich verraucht, als er - jetzt ohne Titelchance - ins zweite Rennen ging. Was er da aufführte, schilderte sein sichtlich geschockter Teamkollege Stefan Nebel, der am Vormittag Bauers sicher geglaubten Sieg geerbt hatte, mit den Worten: "Ich fuhr am Limit, er fuhr drüber." Der furiose Doppelsieg der beiden KTM-Piloten sorgte für Schadensbegrenzung: Während es in der Fahrerwertung weder für Titel noch Vize gereicht hatte, IDM-Zweiter wurde Werner Daemen, holten Bauer und Nebel die Marken-IDM ins KTM-Lager - mit nur einem Punkt Vorsprung vor BMW.

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