Straßen-IDM: Zukunftspläne Neue Leute sollen IDM attraktiver machen

Der Deutsche Motor Sport Bund hat den Versuch aufgegeben, die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft IDM selbst zu vermarkten. Neue Leute sollen die Serie attraktiv machen.

Foto: Wiessmann

Zuletzt sah sie wie angezählt aus, unsere nationale Vorzeige-Rennserie, die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft. Jahrelang hatte die Deutsche Motor Sport Wirtschaftsdienst GmbH (DMSW), der kommerzielle Ableger der deutschen Motorsport-Föderation DMSB, vergeblich versucht, sich mit der IDM als Promoter zu profilieren und die Meisterschaft nach dem Vorbild des - vom sportlichen Niveau her - vergleichbaren -Automobil-Championats DTM zu einem Profitbringer zu züchten. Doch während die privat geführte DTM floriert, weil die beteiligten Autohersteller wie Audi, BMW und Mercedes erkleckliche Beträge investieren, steuerte die IDM zunehmend Richtung Kiesbett. In der Superbike-Klasse, quasi als Formel 1 des Motorradsports in Deutschland definiert, standen 2012 im Durchschnitt bei jedem Wettbewerb 20 Fahrer am Start - das ist für eine nationale Rennserie kläglich.

Der qualitative Unterschied zwischen den Piloten, die von Top-Teams mit für Motorradverhältnisse üppigen Budgets engagiert waren, und den auf Sparflamme operierenden Privatfahrern erwies sich als schlechte Basis für spannende Rennverläufe, die ein Publikum begeistern können. Dieses Jahr zog der DMSW die Reißleine, verabschiedete sich aus dem IDM-Vermarktungsgeschäft und präsentierte im Oktober auf der Messe Intermot einen neuen Promoter: die für -diesen Zweck frisch gegründete Firma -MotorEvents GmbH. Die besteht zunächst aus einem Führungstrio, das nicht nur IDM-Insidern seit Langem bekannt ist. Bert Poensgen (65) war in einem früheren Leben Vertriebsleiter bei Suzuki Deutschland, Manager des deutschen Superbike-WM-Piloten Max Neukirchner und ist der Entdecker des MX2-Motocross-Weltmeisters von 2011, Ken Roczen. Josef Hofmann (56) und Josef Meier (63) sind erfolgreiche Motorradhändler in Bayern sowie Gründer und Inhaber der Firma Alpha Technik, die sich bereits 1996 erstmals mit einem Rennteam an der deutschen Superbike-Meisterschaft beteiligte.

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Bis 2012 stellten sie am Alpha Technik-Firmensitz in Stephanskirchen die Operationsbasis für den Superbike-WM-Einsatz des BMW-Werksteams zur Verfügung. Die drei repräsentieren ein gerüttelt Maß an Rennsporterfahrung, daran besteht kein Zweifel. Trotzdem bleibt die Frage: Warum sollte ihnen gelingen, woran der DMSW gescheitert ist? Gelten für sie andere Regeln als für die Verbandsfirma? „Zunächst gelten für uns die gleichen Rahmenbedingungen wie für den DMSW“, sagt Josef Meier, „er hat vermutlich auch das gleiche Ziel verfolgt wie wir: aus der bislang fahrerfinanzierten eine publikumsfinanzierte Serie zu machen. Aber vielleicht war der DMSW dabei nicht konsequent genug.“

 

 

Fahrerfinanziert heißt, dass die Piloten über Nenngelder und Gebühren einen großen Teil der Kosten tragen - allein die IDM-Teilnehmer zahlen pro Veranstaltung um die 63000 Euro ein. Grob überschlagen müssten mehr als 3000 zusätzliche Tickets verkauft werden, um diesen Betrag auszugleichen. Das entspräche einer Steigerung der Zuschauerzahlen um 20 Prozent - wenn man den offiziellen Angaben glaubt. An dem Punkt will MotorEvents ansetzen. „Wir müssen mehr Leute an die Rennstrecke bringen“, sagt Meier, „ein IDM-Lauf muss mehr Event sein als nur eine Veranstaltung, bei der es Motorsport gibt.“ Deshalb sollen populäre Programmpunkte wie der Boxengassenbesuch, Renntaxifahrten sowie die Race-Party beibehalten und weitere Attraktionen hinzugefügt werden.

 „Wir müssen ein Angebot für Familien haben, die gemeinsam einen Rennbesuch machen“, ist Meier überzeugt. Wie das aussehen könnte, behält er noch für sich. Bekannt sind dafür einige Reglementänderungen, die ebenfalls zu einem spannenden IDM-Ergebnis beitragen sollen. So könnten die Gespanne ein zusätzliches Sprintrennen fahren. In der Moto3-Klasse soll eine Drehzahlbegrenzung für Chancengleichheit zwischen teuren und billigeren Motorrädern sorgen. Und in der Superbike-Klasse, Namensgeber der neuen IDM, wird es eine Cup-Wertung für Motorräder nach Stocksport-Reglement geben - damit wieder mehr Fahrer am Start stehen.

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Neue Regeln und Termine

Das wichtigste in Kürze

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Superbikes: Um die zuletzt stark geschrumpften Starterfelder aufzufüllen, wird bei den Superbikes eine separate Wertung für Motorräder nach dem Stocksport-Reglement eingeführt. Diese Motorräder sind preiswerter als die aufwendig präparierten Top-Superbikes. Deutscher Meister kann nur ein Superbike-Pilot werden, der schnellste Stocksportler wird Cup-Sieger.

Weniger Rennen: 2012 wurden bei jeder IDM-Veranstaltung für die drei Soloklassen Superbike, Supersport und Moto3/125 cm³ je zwei Rennen gefahren. Das gilt ab sofort nur noch für die Superbikes. Für die kleinen Klassen wird von Veranstaltung zu Veranstaltung entschieden, ob sie ein- oder zweimal an den Start gehen. Um bei Bedarf im engen IDM-Wochenendzeitplan etwas Luft zu schaffen, wird die Mindestrenndistanz um zehn Kilometer reduziert. Yamaha R6-Cup und ADAC Junior Cup werden wie gehabt bei den meisten IDM-Veranstaltungen zum Programm gehören, weitere Klassen sind möglich.

Kein Meistertitel für 125er-Zweitakter: In der kleinsten IDM-Kategorie werden wie 2012 die 250-cm³-Moto3-Viertakter gemeinsam mit 125-cm³-Zweitaktern starten. Ein Meistertitel wird jedoch nur noch für die Moto3-Konkurrenz vergeben, der beste 125er-Fahrer darf sich Cup-Sieger nennen.

Günstigere Eintrittspreise: Die Zuschauertickets werden im Schnitt um 30 Prozent billiger. Besonders günstig: das Vorverkaufs-Wochenendticket für 19 Euro.

Termine Superbike*IDM 2013
19.-21. April: Eurospeedway Lausitz
10.-12. Mai: Zolder/B
24.-26. Mai: Nürburgring
14.-16. Juni: Oschersleben
19.-21. Juli: Red Bull Ring/A
02.-04. August: Schleizer Dreieck
06.-08. September: Sachsenring
04.-06. Oktober: Hockenheimring

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