IDM Saisonauftakt Eurospeedway Lausitz

Weit weg von zu Hause haben Karl Muggeridge, Damian Cudlin und Mathew Scholtz ihre Claims abgesteckt. Die beiden Australier und der Südafrikaner übernahmen beim IDM-Auftakt in der Lausitz die Tabellenführung in den drei Klassen. Die deutschen Starter hatten auf heimischem Terrain an der exotischen Konkurrenz schwer zu knabbern.

Foto: Wiessmann
Das IDM-Management schwärmt von Superlativen. Insgesamt kämpften beim Saisonstart der deutschen Vorzeige-Rennserie auf dem Eurospeedway Lausitz 119 Fahrer aus 18 Nationen um die Startplätze, darunter mit Superbike-Titelverteidiger Jörg Teuchert und seinem neuen Herausforderer Karl Muggeridge die Supersport-Weltmeister der Jahre 2000 und 2004. Das hört sich nach spannenden Rennen an. Bei den deutschen Fahrern dürfte der weltweite Ansturm auf ihre international ausgeschriebene Meisterschaft dennoch ein gewisses Stirnrunzeln auslösen. Für einen Einheimischen war es wohl noch nie schwieriger, deutscher Meister zu werden, als 2010. In den Klassen 125 cm3 und Supersport erreicht der Anteil der deutschen Fahrer nicht einmal die 50-Prozent-Marke, von den Superbikern stammt gar nur ein Drittel aus deutschen Landen. Entsprechend die Ausbeute. 15 Podestplätze wurden in der Lausitz vergeben, ganze fünf holten sich deutsche Fahrer, darunter wenigstens der einsame 125er-Auftaktsieg von Luca Grünwald. Den ergatterte der 15-Jährige, 2009 noch Vierter der IDM 125, nach einem turbulenten Samstags-Rennen, das nach zwei sturzbedingten Abbrüchen nicht mehr neu gestartet und mit nur neun statt der ursprünglich geplanten 17 Runden gewertet wurde. Das reichte aber nicht, um die Meisterschaftsführung zu übernehmen, weil die 125er neuerdings im Wechsel mit den Supersportlern an vier von acht Rennwochenenden zweimal zum Start gebeten werden. Den Sieg im Sonntagsrennen aber holte sich Mathew Scholtz, und weil der IDM-Neuling aus dem fernen Südafrika tags zuvor bereits Zweiter geworden war, sichert er sich die zwischenzeitliche Tabellenspitze. Trotzdem erreichte das deutsche 125er-Aufgebot mit drei von sechs Podestplätzen sowie jeweils sieben Fahrern in den Top Ten aus nationaler Sicht noch das beste Klassenergebnis.

Dass sich insbesondere die deutschen Superbiker schwer tun, in die Spitzenklasse vorzudringen, liegt nicht zuletzt daran, dass die vier Teams mit mehr oder weniger ausgeprägter Importeurs- oder Werksunterstützung überwiegend auf die Dienste fremdländischen Personals vertrauen. Jens Holzhauers HRP-Team setzt mit Hilfe von Honda Deutschland nur einen einzigen Fahrer ein: den 36-jährigen australischen Ex-Weltmeister Muggeridge, der sich für das Vertrauen gleich mit zwei Laufsiegen und der IDM-Führung bedankte. Martin Bauer, für Holzhauer 2007 und 2008 zweimal IDM-Superbike-Meister, wechselte über den Winter zu seinen österreichischen Landsleuten von KTM. Diese Truppe verdient als einzige im IDM-Fahrerlager die Bezeichnung Werksteam und ist auch für einen Deutschen zur erweiterten Familie geworden: Stefan Nebel. Ihm gelangen in der Lausitz zwei vierte Plätze, Kollege Bauer stürzte im ersten Rennen in Führung liegend, fuhr dafür im zweiten auf Rang drei.

Der offizielle IDM-Auftritt von BMW liegt in den Händen der Alpha-Technik-Mannschaft um Josef Meier und Josef Hofmann, die auch den weiß-blauen Werkseinsatz in der Superbike-WM betreuen. Das kein Deutscher im Sattel sitzt, sondern der Belgier Werner Daemen und der Niederländer Barry Veneman, hat pragmatische Gründe: "Als wir unsere Piloten verpflichtet haben, war kein Deutscher verfügbar, mit dem wir hätten aufs Treppchen fahren können", sagt Josef Hofmann. Dass Daemen das kann, hat er 2009 sechs Mal bewiesen. Halb so schlimm, dass es für ihn auf dem Eurospeedway nicht so gut lief: Neuzugang Veneman holte die Kastanien aus dem Feuer und Platz drei im ersten Rennen.

Bleibt noch das von Michael Galinski geführte Yamaha-Deutschland-Team. Der setzt gleich drei Piloten ein, neben dem Belgier Didier van Keymeulen die beiden Deutschen Jörg Teuchert und Sascha Hommel. Titelverteidiger Teuchert musste in Rennen eins mit einem Elektronikdefekt Federn lassen, war aber erwartungsgemäß der Mann, der dem in der Schweiz lebenden Muggeridge am meisten Kopfzerbrechen bereitete. Mit Platz zwei im zweiten Rennen stellte Teuchert klar, dass er das Feld nicht kampflos räumen wird.

Derweil erhebt bei den Supersportlern ein weiterer Gastarbeiter Anspruch auf den deutschen Meistertitel: Unbeirrt von seinem mittelprächtigen Start setzte sich Damien Cudlin auf Yamaha nach drei Runden an die Spitze des Feldes und fuhr bis ins Ziel fast fünf Sekunden Vorsprung auf seinen österreichischen Markenkollegen Günther Knobloch heraus. Die deutsche Ehre rettete Jesco Günther, der sich als Dritter eine Einladung zur Siegerehrung sicherte.

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