IDM-Superbike KTM-Engagement

Bereits im zweiten Jahr leistet sich der österreichische Motorradhersteller KTM einen aufwändigen Einsatz in der IDM Superbike. Mit zwei Zielen: Rennerfolge sollen den Ruhm der Marke mehren - und dem Superbike RC8 R ein strahlendes, verkaufsförderndes Sportlerimage verpassen.

Foto: Wiessmann
Die Farben Orange und Schwarz, aggressives Design, Offroad-Terrain als natürlicher Lebensraum, unzählige Rennsiege und Titel im Motocross- und Endurosport sowie bei der Dakar-Rallye - das sind die Stichworte, die Motorradfahrer spontan mit der österreichischen Marke KTM in Verbindung bringen.

Aber Straßenrennen? War da mal was? Allerdings. Doch die 22 Grand-Prix-Siege, die KTM-Piloten zwischen 2004 und 2008 in der 125er- und 250er-Straßenweltmeisterschaft errungen haben, der Konstrukteurs-WM-Titel, den die Österreicher 2005 in der Achtelliterklasse gewannen, oder auch die von 2004 bis 2006 andauernde Siegesserie in der IDM 125 hinterließen keinen bleibenden Eindruck beim asphaltorientierten Motorradpublikum. So wenig wie die Tatsache, dass KTM genau dieser Klientel 2008 sein erstes Straßen-Superbike auf den Leib schneiderte, die RC8, deren Rennversion RC8 R Stefan Nebel 2009 gleich im ersten Anlauf zum Vizetitel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) steuerte.

"Wir bringen es einfach nicht rüber, dass wir ein tolles Motorrad gebaut haben, vor dem sich niemand fürchten muss", grübelt Wolfgang Felber, bei KTM für die Entwicklung der RC8 verantwortlich. Wobei er zugesteht, dass seine Konstruktion mit ihrem minimalistischen Gitterrohrrahmen, der dem 1195 cm³ großen V2-Triebwerk respekteinflößende Mächtigkeit verleiht, der messerscharf scheinenden Frontsilhouette und dem wie ein Skorpionstachel aufragenden Heck im Feld der IDM-Superbikes ausgesprochen kämpferisch auftritt. Der äußere Eindruck täuscht, behauptet Felber. "Ich hatte zwar nicht das Ziel, ein Straßenmotorrad mit Alleskönner-Qualitäten zu bauen. Die sportliche Orientierung stand im Vordergrund, das steckt uns bei KTM im Blut. Aber die Anforderungen eines normalen Motorradfahrers habe ich dabei nie aus den Augen verloren." Glaubt man ihm, hat die KTM RC8 R die bequemste Sitzposition aller IDM-Superbikes.

Dass dies sportliche Talente nicht ausschließt, soll auch der in diesem Jahr nochmals forcierte IDM-Einsatz unter Beweis stellen. Stefan Nebel, bereits seit 2008 als Testfahrer Teil des RC8-Projekts und deshalb auch beim IDM-Einstieg 2009 offizieller KTM-Pilot, wurde für die aktuelle Saison der Österreicher Martin Bauer zur Seite gestellt. Der 29-jährige Nebel war 2003 und 2005 IDM-Superbike-Champion, Bauer, 34, gewann die Meisterschaft in den Jahren 2007 und 2008 - mehr fahrerische Kompetenz hat kaum ein anderes IDM-Superbike-Team zu bieten. Das verpflichtet zum Erfolg, den insbesondere Bauer liefert. Bereits bei seinem dritten Rennen in KTM-Diensten chauffierte er die RC8 R Mitte Mai in Oschersleben zu ihrem ersten IDM-Sieg, nach zwei vierten Plätzen auf dem Nürburgring hält er in der Meisterschaftszwischenwertung Position zwei.

Damit liegt er direkt vor dem Holländer Barry Veneman, dem bestplatzierten BMW-Fahrer. Wie KTM beteiligte sich BMW 2009 erstmals an der IDM und spricht mit seinem neuen Supersportler S 1000 RR den gleichen Kundenkreis an wie KTM mit der RC8 R - kein Wunder also, dass BMW der erste Konkurrent ist, den KTM schlagen will.

Der leichte Vorteil auf sportlicher Seite schlägt sich indes nicht bei den Verkaufszahlen nieder. Wurden für die S 1000 RR von Januar bis April 2010 972 Neuzulassungen registriert, fanden im gleichen Zeitraum lediglich 82 RC8 den Weg in den deutschen Straßenverkehr. Da besteht Nachbesserungsbedarf.

"Die RC8 ist ein Motorrad mit vielen versteckten Qualitäten", sagt Wolfgang Felber. KTM-Pressesprecher Thomas Kuttruf pflichtet ihm bei: "Den Leuten davon zu erzählen, hilft nicht. Sie müssen sich draufsetzen, dann fällt der Groschen." Deshalb strengt KTM sich mächtig an, genau das vielen Motorradfahrern zu ermöglichen und organisiert auch in diesem Jahr auf Rennstrecken in halb Europa Test- und Hobbysportler-Events (www.raceorange.com), bei denen RC8-Probefahrten für Jedermann angeboten werden. "Wir wollen die Botschaft vermitteln, dass die RC8 R ein ernsthaftes Superbike und in vielen Fällen die richtige Wahl für Freizeit-Rennfreaks ist", sagt Kuttruf. Den Teil der Aufgabe, den Martin Bauer und Stefan Nebel in der IDM übernehmen, können sie mit der RC8 R jedenfalls sehr ordentlich erledigen.

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