125-cm³-Grand-Prix in Losail/Q (Archivversion) Bradls Powerplay

Stefan Bradls erfolgreiche Vorsaisontests hatten bei deutschen GP-Fans Hoffnungen keimen lassen – beim ersten 125er- Rennen ließ der Bayer ein Husarenstück folgen.

Jetzt ist der Bär los in der Motorrad-Weltmeisterschaft: Grizzly-Gas-Aprilia-Pilot Stefan Bradl glühte beim Saisonauftakt in Qatar sensationell auf Platz drei in der 125-cm³-Klasse. Vier Jahre nach Steve Jenkners letztem Erfolg kletterte endlich wieder ein deutscher Fahrer auf ein Grand-Prix-Podest. Buchstäblich über Nacht wurde der bayerische Teenager von der Nachwuchshoffnung zum neuen Helden, zu dem Superstar, den man in Deutschland lange gesucht und nirgendwo gefunden hatte.

Mit dem neuen Hauptsponsor Grizzly und einem Vertrag mit dem Kiefer-Racing-Team aus Idar-Oberstein für eine WM-Saison auf einer Aprilia-Werksmaschine wurde der Grundstein für den Erfolg gelegt. Dann dieses unglaubliche Rennen unter Flutlicht in Qatar, bei dem sich Bradl mit einem Blitzstart in die Top Ten katapultierte, anschließend einen Zwei-Sekunden-Rückstand auf die Spitzengruppe wegfeilte und als Fünfter in die letzte Runde einbog.

Weil Bradl die schnellste Maschine im Feld hatte und im Training mit einem Tempoüberschuss von bis zu neun km/h vor dem nächsten Verfolger durch die Lichtschranke geflitzt war, bescherte er den Zuschauern ein echtes Herzschlagfinale: Auf der Zielgeraden, unmittelbar vor der schwarzweiß karierten Flagge, überrumpelte ­er zwei seiner Kollegen auf einem Streich und hatte damit den bislang größten Erfolg seiner Karriere in der Tasche. »Das hat er clever gemacht«, begeisterte sich Vater Helmut Bradl, Ex-Vizeweltmeister der 250er-Klasse und Deutschlands großer Motorradstar Anfang der 90er Jahre.

Teamchef Stefan Kiefer freute sich mit und schwebte wie die gesamte Mannschaft auf Wolke sieben. »Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Auf so etwas hat der deutsche Motorradsport lange genug warten müssen«, traf er den Nagel auf den Kopf, warnte jedoch: »Es werden auch wieder schwierigere Rennen kommen und Fehler passieren.« Dass fröhlich gefeiert wird, jetzt aber nicht gleich von Siegen und dem Weltmeistertitel die Rede ist, gefällt vor allem Helmut Bradl: »Als ich Stefan zum ersten Mal auf der Aprilia fahren sah, habe ich gesagt: Der Kerl besitzt ein Riesentalent, mehr, als ich selbst einst hatte. Stefan wird noch um einiges besser werden. Doch das dauert. Zum Glück hat er in diesem Team alle Chancen, sich richtig zu entwickeln.“

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