125er- und 250er-Klasse (Archivversion) Der Befreiungsschlag

Stefan Bradl patzte beim Assen-Grand-Prix. Dafür fuhr Sandro Cortese sein bestes Rennen und verpasste das 125-cm³-Podest nur um eine Zehntelsekunde.

Sandro Cortese drohte der Rausschmiss. Top-fünf-Ergebnisse müssten her, oder man werde sich zum Saisonende trennen, machte Emmi-Caffè-Latte-Teamchef Daniel Epp unmissverständlich klar.

Die Antwort gab der 18-jährige Schwabe auf der Rennstrecke. Beim 125-cm³-GP in Assen kämpfte sich Cortese zunächst auf den fünften Platz und bewies besondere Nervenstärke, als der Lauf wegen eines Regenschauers abgebrochen und für einen Fünf-Runden-Sprint neu gestartet wurde. „Reinhalten – alles oder nichts“, beschloss er und katapultierte sich aus der zweiten Startreihe abermals in die Spitzengruppe. In einem dramatischen Finale holte er den vierten Platz und verpasste sein erstes Grand-Prix-Podest nur um 85 Hundertstelsekunden. „Das war der Befreiungsschlag“, jubelte Cortese, weil er mit diesem Resultat den Kopf vorerst aus der Schlinge gezogen hatte. „Er hat im richtigen Moment das richtige Signal gesetzt“, bestätigte Epp, der wenig später den bislang schönsten Tag der ganzen Saison erleben sollte: Sein Schützling Tom Lüthi führte das 250-cm³-Rennen nach einem Blitzstart überlegen an, erst nach der Hälfte der Distanz konnte sich der schnellere Alvaro Bautista, wie Lüthi Exweltmeister der 125-cm³-Klasse, an dem 21-jährigen Schweizer vorbeischieben. Lüthi holte als Zweiter immer noch das beste Resultat seiner 2007 gestarteten 250er-Karriere.

Während im Schweizer Team gefeiert wurde, reiste Corteses bayerischer Rivale Stefan Bradl geknickt nach Hause. Im Training war er in der berüchtigten Assen-Schikane vor Start und Ziel schwer gestürzt und hatte sich schmerzhafte Hüftprellungen zugezogen. Im ersten Teil des Rennens kämpfte er sich nach schlechtem Start auf Platz sieben und nahm den Sprint wie Cortese aus der zweiten Reihe in Angriff. Doch dann kam er zweimal von der Piste ab und landete statt auf dem Podest auf dem zwölften Platz, womit er vom dritten auf den sechsten WM-Rang absackte. Die Fehler wertete er auch als Tribut an den Erfolgsdruck, der sich nach dem furiosen Start in die Saison in ihm aufgebaut hatte. „Ich war dieses Jahr schon auf dem Podest, und natürlich will ich dort wieder hin. Doch künftig werde ich mich ausschließlich auf die einzelnen Rennen konzen­trieren, ohne auf die WM-Wertung zu schauen,“ kündigte Bradl an. fk

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