125er-WM (Archivversion) Podestplatz geschenkt

Ein Sturz des 125er-WM-Tabellenführers Thomas Lüthi löste in Japan heiße Diskussionen aus.

Beim Malaysia-Grand-Prix kam es
zu einem dramatischen Foto-Finish zwischen Thomas Lüthi und Mika Kallio: Der Finne hatte nach langer Aufholjagd den Windschatten des Schweizers erreicht und war in der letzten Runde schon siegessicher, machte zwei Kurven vor Schluss aber einen kleinen Fehler und fiel wieder ein paar Meter zurück. Auf der breiten Zielgeraden des Sepang-Circuit saugte
er sich erneut heran, verpasste den Sieg jedoch um zwei Tausendstelsekunden.
Zum Mann der Stunde wurde WM-
Leader Lüthi allerdings weniger durch
seine fehlerlose Fahrt in Malaysia als durch das tolldreiste Rennen eine Woche zuvor in Japan, das ihm trotz eines schweren Sturzes den zweiten Platz bescherte. Dort, in Motegi, klebte Lüthi am Hinterrad seines WM-Rivalen, ging fünf Runden
vor Schluss eingangs der Zielgeraden
jedoch spektakulär zu Boden. Sein Motorrad blieb mitten auf der Strecke liegen;
die Fahrer, die das Hindernis rechtzeitig erkannten, wichen aus. Der Spanier Sergio Gadea, der sich in der Zieleingangskurve noch umgedreht hatte, donnerte indes
mit voller Wucht in Lüthis weiß-blaue
Honda. Weil der Ort des Geschehens von gefährlichen Trümmern übersät war,
wurde das Rennen sofort abgebrochen. Wundersamerweise kamen beide Piloten glimpflich davon: Gadea hatte nur Prellungen, Lüthi lediglich eine ausgekugelte Schulter zu beklagen.
Streng nach gültigem Regelwerk
wurde der Stand der vorhergegangenen Runde als Endergebnis gewertet, der sich noch im Streckenspital befindliche Lüthi
in Abwesenheit zum Zweiten gekürt. KTM-Teamchef Harald Bartol hatte dafür wenig Verständnis. »Es kann nicht sein, dass
einer ohne jede Fremdeinwirkung einen solchen Sturz auslöst und trotzdem noch seine Punkte kriegt. Das nächste Mal
legt sich einer nach fünf Runden Führung irgendwo mitten auf die Strecke und schielt aus dem Augenwinkel nach außen, bis er eine rote Flagge sieht«, griff der
Österreicher die seit Jahren gebräuchliche, nie ernsthaft in Frage gestellte Regel
an. Selbst Lüthis Teamchef Daniel Epp räumte das Gefühl ein, »diesen Podestplatz geschenkt bekommen« zu haben.
Weil Bartol mit seinem Anliegen von
einem Mitarbeiter des WM-Promoters Dorna am Siegerpodest nur ausgelacht wurde und Lüthis Motorrad zudem nicht im Parc fermé auftauchte – normalerweise werden die Motorräder der Protagonisten nach Rennende vorläufig weggesperrt –, legte Bartol gegen Lüthis Team Protest wegen Verdachts auf zu großen Hubraum ein. »Natürlich hat mich der Hubraum nicht interessiert, ich habe das auch sofort zu Lüthis Cheftechniker Sepp Schlögl gesagt. Doch ich habe mich über die Art und Weise geärgert, wie wir von der Dorna und der Rennleitung überfahren wurden. Der Protest war die einzige Möglichkeit, unseren Punkt zur Sprache zu bringen.« Bartols Aktion sorgte für böses Blut im 125er-Fahrerlager, erfüllte aber auch ihren Zweck: Dem Vernehmen nach sollen gestürzte
Piloten ab dem nächsten Jahr bei einem Abbruch keine Punkte mehr erhalten. fk

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