Änderungen im WM-Reglement MotoGP: Reifen-Poker und Diskussion um die 250er

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Reifen, Reifen, Reifen – im MotoPG reden alle von den schwarzen Gummis. Weil Hersteller und Piloten die Verantwortung gern auf andere abwälzen, wurde der Schuldige am vorzeitigen Titelgewinn von Casey Stoner schnell ausgemacht: Michelin war’s. Zu oft, so behaupten Teams und Hersteller in seltener Einmütigkeit, hätten die Franzosen in dieser Saison den Bridgestone-Reifen der siegreichen Ducati nichts entgegenzusetzen gehabt. Dani Pedrosa forderte kurz nach seiner Vertragsverlängerung als Honda-Werksfahrer gar eine Bridgestone-Bereifung für sein Motorrad, und auch viele andere Teams, die bislang auf Michelin unterwegs sind, wurden bereits bei dem japanischen Reifenhersteller vorstellig, um sich dessen schwarzes Gold für die nächste Saison zu sichern.
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So viel geballter Schuldzuweisung, mag sie auch noch so vordergründig sein, beugt sich selbst WM-Organisator Dorna. Auf der nächsten Sitzung der GP-Kommission in Malaysia Mitte Oktober will Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta eine Einheitsbereifung vorschlagen – eine Möglichkeit, die er selbst noch vor einem Jahr kategorisch ausgeschlossen hatte. Doch die Befürchtung, dass der Moto-GP an Spannung und deshalb an Zuschauerzahlen verlieren könnte, bewog Ezpetela zum Meinungswandel – schließlich geht es um Millionen von Sponsorengeldern. Dass die GP-Kommission Ezpetelas Vorschlag annehmen wird, gilt unter Insidern bereits als sicher, schließlich liefert die Königsklasse des Rennsports das beste Beispiel: Die Formel 1 ist bereits seit 2005 auf Einheitsreifen von Bridgestone unterwegs.

Womit nicht gesagt ist, dass Bridgestone auch den Zuschlag für den Moto GP erhält – denn es gilt, wie so oft: Wer am meisten zahlt, schafft an. Gute Chancen werden derzeit Michelin eingeräumt, denn so ließen sich die Einflussbereiche prima abgrenzen: Brigdestone in der Formel 1, Pirelli in der Superbike-WM und eben Michelin im Moto GP. Möglich aber auch, dass ein ganz anderer Kandidat den Rechte-Poker gewinnt, beispielsweise Dunlop, derzeit zwar nur ein Underdog im GP, aber dank des Joint Ventures von Mutterkonzern Sumitomo mit Goodyear überaus finanzstark.

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Ebenfalls Mitte Oktober in Malaysia soll zudem die Zukunft der 250er entschieden werden. Die Dorna möchte, dass bereits ab 2009 in dieser Klasse 600er-Vierzylinder starten und nach einer Übergangszeit von zwei Jahren die aktuellen 250er-Zweitakter verschwinden. KTM und Aprilia wollen erst 2011 damit anfangen; am Ende wird man sich voraussichtlich auf 2010 einigen. Bei der technischen Definition der Wettbewerbs-Motorräder setzt sich die Linie der Großmacht Honda durch, nämlich seriennahe Vierzylinder-Motoren und frei wählbare Chassis.

Irgendwie klingt das alles vertraut: Einheitsbereifung im Moto-GP, seriennahe Motoren in der neuen 600er-Klasse – fehlt nur noch die Superpole, und die Kopie des Superbike-WM-Konzepts von Promoter Maurizio Flammini ist perfekt.

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