Ärger um Simoncelli (Archivversion)

Ein übler Sturz trübte die Freude über Gileras ersten 250er-Sieg. Der deutsche Achtelliter-Held Stefan Bradl führte erst, fiel dann zurück und sah erstmals hinter Sandro Cortese das Ziel.

Hector Barberá hatte das schnellere Motorrad, im Windschatten von Marco Simoncelli die richtige Taktik und das 250er-Rennen unter Kontrolle. Bis zur letzten Runde. Als der Aprilia-Pilot aus der Zielkurve und aus dem Windschatten heraus links an dem Ita-liener vorbeizucken wollte, schlug freilich auch Simoncelli einen Haken. Millisekunden später stieg blauer Qualm von Barberás Vorderrad auf, der Spanier flog bei vollem Speed über den Lenker seiner Maschine und konnte von Glück sagen, dass er nicht in die Begrenzungsmauer einschlug, sondern unverletzt blieb: Sein Handbremshebel hatte das Heck von Simoncellis Maschine berührt und so den furchterregend aussehenden Crash ausgelöst.

Gileras historischer erster Sieg in der 250er-Klasse wurde von Anschuldigungen überschattet, Simoncelli habe sich wie schon so oft einer zu aggressiven Fahrweise befleißigt. Barberá: „Ich beschleunigte mit Vollgas im fünften Gang, fuhr mit 240 km/h und war auf der Höhe seines linken Beins angelangt, als er plötzlich diesen Schlenker machte und dabei meine Bremse blockierte. So ein unerwartetes Manöver an so einer gefährlichen Stelle gehört sich nicht. Am Ende der Geraden, beim Anbremsen vielleicht, um dem Gegner so den Weg zu versperren. Aber nicht dort. Ich hätte mir den Hals brechen können.“
Simoncelli war naturgemäß anderer Meinung. „Mein Motorrad war zehn Kilometer langsamer, und ich wollte nur verhindern, dass Barberá meinen Windschatten nutzt. Mir war nicht bewusst, dass er mit mir bereits auf gleicher Höhe war“, verteidigte er sich. Zur Empörung aller Spanier im Fahrerlager ergriff sogar Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta für Simoncelli Partei und gab Barberá die Schuld an dem Zwischenfall. Die Renndirektion hielt sich aus der Sache heraus und sah nach gründlichem Studium der Fernsehbilder keinen Handlungsbedarf für Strafaktionen.

Dank Barberás Ausfall feierte Tom Lüthi den ersten Podestplatz seiner 250er-Karriere. „Wir haben anderthalb Jahre hart für diesen Erfolg gearbeitet. Ich hoffe, der Knoten ist geplatzt“, jubelte der 21-jährige Schweizer, der erstmals mit einer von Aprilia für die 250er entwickelten elektronischen Traktionskontrolle antrat.

Sandro Cortese, im Training nur knapp an der Pole Position gescheitert, fuhr im 125er-Rennen auf den formidablen achten Platz und stellte sein bislang bestes Resultat in dieser Saison sicher, wobei er auch erstmals vor seinem deutschen Rivalen Stefan Bradl ins Ziel kam. Dabei musste der schwäbische Teenager zunächst hart kämpfen. „Das Motorrad lief am Anfang zu fett. Ich musste deshalb immer wieder aus dem Windschatten ausscheren, um dem Motor mehr Frischluft zuzuführen, und das hat natür-lich Zeit gekostet“, schilderte Cortese. „Später im Rennen wurde es besser. Mit ein bisschen Glück wäre am Ende noch mehr drin gewesen“, meinte der Schwabe, der nur drei Sekunden hinter Sieger Simone Corsi über die Ziellinie flitzte.

Genau umgekehrt lief das Rennen für Stefan Bradl. Im Hurra-Stil gestartet, griff der Kiefer-Aprilia-Pilot sofort an und mogelte sich dank seines tollen Topspeeds in der fünften Runde bis an die Spitze des Felds vor. Als Sechster war er aus der Zielkurve herausgekommen, fuhr bei jener denkwürdigen Passage der langen Mugello-Zielgerade jedoch um alle fünf Gegner vor ihm herum wie um Slalomstangen und bog als Erster in die anschließende Spitzkehre ein.
Freilich ließ dann auch schon der Grip am Hinterrad nach, und Bradl wurde bis zum Rennende auf den zehnten Platz zurückgereicht. „Dreimal wäre ich fast gestürzt, habe aber trotzdem weiterhin alles gegeben. Doch es hat nicht zu einem besseren Ergebnis gereicht“, schüttelte Bradl nach dem Zieleinlauf enttäuscht den Kopf.

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