Alex Hofmann (Archivversion)

Nach dem Rennen in Brünn hätte ich mich am liebsten
in mein Wohnmobil eingeschlossen und wäre nicht mehr herausgekommen – der 16. Platz bei einem Sieg meines Teamkollegens Loris Capirossi ist ein Super-GAU für mich, und ich weiß genau, was die Leute denken. Ich suche auch nicht nach Entschuldigungen, will aber trotzdem erklären, wie dieses niederschmetternde Ergebnis zustande kam. Am Freitagvormittag, im ersten Training, waren Capirossi und ich noch ziemlich gleichauf, er fuhr an zwölfter, ich an 14. Stelle. Daraufhin hat Bridgestone gezaubert und einen Hinterreifen aus dem Truck gezogen, mit dem Loris plötzlich viel schnel-
ler fahren konnte. Am Nachmittag war er Dritter, ich blieb auf meinen schlechten Zeiten sitzen, weil es
von diesem Reifentyp einfach nicht genügend gab. Erst am Samstagvormittag durfte ich Capirossis Reifen ausprobieren und fuhr prompt um eine Sekunde schneller, meine bis dato beste Zeit – auf einem gebrauchten Reifen, der bereits eine knappe Renndistanz, nämlich 24 Runden, hinter sich hatte.
Fürs Zeittraining am Nachmittag erhielt endlich auch ich einen neuen Reifen und war gleich relativ flott unterwegs, hatte dann aber ein merkwürdiges Gefühl auf dem Motorrad, das ich mir nicht erklären konnte. Bei der Rückkehr an die
Box nach acht Runden stellte sich heraus, dass von den knapp zwei bar Luftdruck im Reifen nur noch ein bar übrig geblieben war. Die Hälfte des Reifendrucks hatte sich verflüchtigt – und damit auch meine Möglichkeit, das Motorrad vernünftig abzustimmen und eine acht-
bare Trainingsleistung vorzulegen. Für das Warm-up am Sonntagvormittag haben wir denselben Reifen nochmals montiert, doch viel weiter bin ich mit dem Set-up in der kurzen Zeit nicht gekommen. Zum Rennen haben wir deshalb auf Verdacht auf das Setting von Loris zurückgegriffen, das für mich leider überhaupt nicht gepasst hat.
Mein Start war gut, ich habe in der ersten Runde auch noch angegriffen und einen Kollegen überholt, stand gleichzeitig aber schon mehrfach in den Fußrasten – wenn ich trotzdem weiter versucht hätte, das Tempo
zu forcieren, wäre ich garantiert zu einem Flug im Rettungshubschrauber gekommen.
Jammerschade, dass es so gelaufen ist und ich überhaupt keine Chance hatte, mich zu wehren. Wenn ich wenigstens eine halbe Sekunde pro Runde hätte schneller fahren können, wäre ich unter die Top Ten gefahren, und das Wochenende wäre gerettet gewesen. So aber war’s ein Rennen zum Vergessen.

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