Alex Hofmann verletzt (Archivversion)

Nach nur sechs Minuten im ersten freien Training verlor Laguna-Seca-Neuling Sylvain Guintoli vor dem berüchtigten »Corkscrew« die Kontrolle über seine Tech-3-Yamaha und torpedierte den deutschen Pramac-d’Antin-Ducati-Fahrer Alex Hofmann von der Piste. Das Vorderrad der Maschine des Franzosen rammte Hofmanns linke Hand gegen die Daumenbremse seiner Duc und hinterließ einen offenen Trümmerbruch des Mittelhandknochens und einen Riss der Gelenkkapsel hinter dem Zeigefinger. Der berühmte Chirurg Dr. Arthur Ting aus San Francisco, offizieller Rennarzt beim US-GP in Laguna Seca, setzte die Bruchstücke in einer über zweistündigen Operation mit einer Titanplatte und 15 Schrauben wieder zusammen. Wann Hofmann wieder fahren kann, steht in den Sternen.
Trotz heftiger Schmerzen kehrte Hofmann am Sonntag ins Fahrerlager zurück, um der »Safety Commission« und Rennleiter Paul Butler die Meinung zu sagen. Denn der Sturz war kein »normaler Rennunfall«, wie es Guintoli gern gesehen hätte, sondern ein Skandal in jeder Hinsicht. Dass Guintoli überaus leichtsinnig auf die wahrscheinlich schwierigste Kurve der Welt zusteuerte und sich »mit mindestens 30 km/h Tempoüberschuss« in Hofmanns Flanke bohrte, blieb jedoch ungesühnt. »Wäre er auch dann ungestraft davongekommen, wenn das Opfer Valentino Rossi oder Casey Stoner geheißen hätte?« fragte sich Hofmann wütend.
Nach dem Unfall musste Hofmann volle 20 Minuten am Streckenrand sitzend warten, bis sich die Rennleitung endlich bequemte, das Training abzu-brechen, und ein Rettungswagen auf die Strecke geschickt werden konnte. Das genau protokollierte Rettungssystem hatte völlig versagt, und einen zur Piste parallelen Rettungsweg, auf europäischen Rennstrecken Standard, gibt es in Laguna Seca nicht. »Wir entschuldigen uns in aller Form. Ich gehe auch gern auf die Knie«, blubberte Rennleiter Butler angesichts des Chaos unangebracht zynisch.
Noch während Hofmann im Helikopter abtransportiert wurde, engagierte Teamchef Luis d’Antin den im Supersport-Rahmenprogramm aktiven Chaz Davies. Dass es im MotoGP-Geschäft keine pietätvollen Wartefristen gibt, konnte »The Hoff« noch verstehen. Dass seine persönliche Lederkombi für Ersatzmann Davies herhalten musste, fand er da-gegen ziemlich geschmacklos.

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