Bayerisch schnell (Archivversion)

Für die praktische Umsetzung des Superbike-WM-Einstiegs von BMW zeichnet die extra für diesen Zweck gegründete Firma „Alpha Racing“ verantwortlich. Ihr erster Streich: der Neubau der Teamzentrale.

Rennsport hat mit Geschwindigkeit zu tun – und zwar nicht nur auf der Rennstrecke. Wird das Tempo, mit dem die neue Heimat des ebenso neuen BMW-Superbike-Werksteams für die Weltmeisterschaft 2009 aus dem Boden gestampft wurde, als Indiz für das Potenzial der Truppe in Sachen Speed gewertet, muss sich wohl niemand um den Erfolg des ehrgeizigen Unternehmens sorgen.

„Vor einem Jahr standen wir hier auf einer grünen Wiese, für die es noch nicht einmal einen Flächennutzungs- geschweige denn einen Bebauungsplan gab“, erklärten Josef Meier und Josef Hofmann stolz, als sie am 17. Oktober die Gäste zur Einweihungsfeier der schmucken Rennfabrik begrüßten. Dem staunenden Publikum präsentierten sie auf einem 17000-Quadratmeter-Grundstück am Ortsrand von Stephanskirchen bei Rosenheim ein Ensemble aus einem dreistöckigen Verwaltungsrundbau, drei Werkshallen, einer Mitarbeiterkantine sowie einem Appartement mit vier Schlafräumen. Auf knapp 7500 Quadratmeter Geschossfläche ist jede Menge Platz, unter anderem für drei Hightech-Prüfstände und Spezialmaschinen zur Einzelteilherstellung. Vom Baubeginn bis zum Bezug der ersten Halle vergingen nur neun Monate.

Josef Meier und Josef Hofmann, „die Seppen“, wie sie intern kurz genannt werden, sind die Geschäfstführer der Firma „Alpha Racing“, die gegründet wurde, um als Dienstleister für BMW Motorrad Motorsport den praktischen Teil des WM-Projekts zu erledigen. Ihre Umtriebigkeit, sicher aber auch der gefühlvolle Umgang mit ihrem bayerischen Umfeld machte scheinbar Unmögliches möglich. Dabei sind Meier und Hofmann auch anderweitig sehr rege. Zusammen führen sie seit 1992 die Tuning-Firma „Alpha Technik“, deren Hauptsitz nur wenige Meter entfernt von der neuen Rennfabrik steht. Beide sind Motorradhändler, Hofmann in Stephanskirchen, Meier in Saal an der Donau. Ab 2009 werden sie als Streckenbetreiber zudem die Geschicke des Eurospeedway Lausitz lenken. Ein schier unglaubliches Mammutprogramm, das den mit einer gehörigen Portion bayerischer Gemütlichkeit gesegneten Machern jedoch keine Anzeichen von Stress entlockt.

So engagiert, wie Meier und Hofmann die „Alpha Racing“-Aktivitäten vorangetrieben haben, schmiedeten im Vorfeld bei BMW Berti Hauser und Peter Müller die Pläne für die Rückkehr der Bayern in den Straßensport auf WM-Niveau – über Jahre hinweg. „Für mich ist das hier ein wahr gewordener Traum“, schwärmte BMW-Motorrad-Motorsportdirektor Hauser denn auch bei einem Rundgang durch die Hallen des „Alpha Racing Competence Center“. Peter Müller, bis Mitte November bei BMW Motorrad Leiter Entwicklung und Baureihen und als solcher Hausers Chef, erklärt die Kooperation mit „Alpha Racing“: „In einem Konzern wie BMW gelten Arbeitszeitbestimmungen, die streng einzuhalten sind. Deshalb ist eine WM-Kampagne mit ihren Wochenendeinsätzen und Nachtschichten mit Werksangestellten nicht zu machen – da hätte ich ständig beim Betriebsrat gestanden, um Ausnahmeregelungen zu verhandeln.“ 45 Mitarbeiter werden in Stephanskirchen allein für das Superbike-Projekt tätig sein. In Kürze richten sich außerdem 16 Kollegen des ebenfalls BMW-extern von der Firma Speedbrain geführten BMW-Offroad-Werksteams in der noch unbelegten dritten Halle ein.

Fraktionsübergreifende Fachsimpeleien werden dann sicher auch in der eleganten Werkskantine stattfinden, deren Realisierung den BMW-Leuten zunächst zweitrangig erschien. „Aber die Seppen haben gesagt: Wer gut arbeitet, muss auch gut essen“, berichtet Hauser, „also haben sie‘s gebaut.“ Und der Pfarrer hat bei der Einweihung alles gesegnet – so viel Zeit muss in Bayern eben sein, bei aller Liebe zur Geschwindigkeit. abs

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