Blick in die Zukunft (Archivversion) Blick in die Zukunft

Einmal mehr glänzten im 125er-Rennen die Deutschen Sandro Cortese und Stefan Bradl. Der fuhr erneut aufs Siegerpodest und schmiedet jetzt Zukunftspläne – womöglich mit einer 250er.

Stefan Bradl sorgte schon im Training für Herzklopfen in der Kiefer-Box, als er einen spektakulären Vorderradrutscher mit der Hand abfing. Noch spannender machte es der 18-jährige Aprilia-Pilot im Rennen: Vom dritten Platz aus wie der Blitz gestartet, fiel er in der ersten Kurve weit zurück, weil sich der zweite Gang nicht einlegen ließ. Als 15. blies er dann zu einer seiner typischen Aufholjagden, die er beim Abbruch des Rennens wegen eines Regensturms nach 16 Runden als gefeierter Dritter beendete. „Er hat den richtigen Riecher gehabt und das Gas im entscheidenden Moment stehen lassen“, lobte Papa Helmut und freute sich, dass die Spanier Nico Terol und Pol Espargaro, nicht aber Stefans direkte Rivalen im Kampf um die Vizeweltmeisterschaft die ersten beiden Ränge belegten. „Nach der tollen Qualifikation hielt ich selbst einen Sieg für möglich, doch nach dem Zwischenfall in der ersten Kurve glaubte ich nicht einmal mehr an einen Podestplatz. Toll, wie Stefan das gemacht hat“, zollte ihm auch Teamchef Stefan Kiefer Respekt.

Neben Können war auch ein Quäntchen Glück im Spiel, denn im Moment des Abbruchs hatte sein schwäbischer Rivale Sandro Cortese bereits gekontert und selbst den dritten Rang übernommen. Zu spät – denn bei einem Abbruch wird jeweils die Reihenfolge des letzten Zieldurchlaufs für die Wertung herangezogen. So musste Cortese statt des längst verdienten ersten Podestplatzes mit dem fünften Rang vorliebnehmen.

Während er von Teamchef Epp getröstet wurde („Wenn du so weiterfährst, kommen die Podestplätze ganz von selbst“), fanden im Kiefer-Team Planspiele für die Zukunft statt. Dass Stefan Bradl im Team bleibt, ist mittlerweile offiziell besiegelt – nur die Klasse ist noch offen. Falls er tatsächlich Vizeweltmeister wird und Sponsor Grizzly dem rund 1,2 Millionen Euro teuren Leasingpaket zustimmt, wird Stefan wohl schon im nächsten Jahr auf 250er-Werks-maschinen umsteigen. „Es gibt ver-schiedene Szenarien, und keines ist optimal“, verrät Vater Helmut. „Eigentlich wäre es richtig, ihn noch ein Jahr bei den 125ern fahren zu lassen, wo er Rennen gewinnen kann, wo er in den Medien präsent ist und die Werbung für den Sponsor stimmt. Doch wenn er erst 2010 aufsteigt, bleibt ihm nur eine Saison in einer sterbenden Klasse.“ Denn ab 2011 werden die Zweitakt-250er durch eine Viertakt-Formel ersetzt, bei der bis heute noch keiner genau weiß, wie sie aussehen wird und welche Hersteller sich beteiligen.

Umgekehrt aber ist die 250er-Klasse um ein Mehrfaches teurer als die 125er-Kategorie, und der entsprechende Gegenwert für die Sponsoren ist längst nicht garantiert. Vor allem nicht, wenn Bradl dort so wie etwa der Schweizer 125-cm³-Exweltmeister Tom Lüthi im Kampf um fünfte und sechste Plätze hängen bleibt.
Diese Gefahr ist bei Stefan Bradls Talent allerdings gering. „Natürlich ist die Abstimmung einer 250er schwieriger, doch Stefan kann das packen, auch jetzt schon“, überlegt Helmut Bradl. „Vom Fahrstil her ist er sowieso eher ein 250er- als ein 125er-Pilot.“

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