Bol d’Or – 24 Stunden von Magny-Cours/F (Archivversion) Jadgszenen

Nach dem Motto »Du hast keine Chance – nutze sie« trat die Yamaha-Austria-Truppe um Teamchef Mandy Kainz in Magny-Cours zum Bol d’Or 2006 an, dem Langstrecken-WM-Saisonfinale mitten in der französischen Provinz.
Um den Titel noch zu gewinnen, hätte das sanft werksunterstützte österreichische Team mit den Fahrern Igor Jerman aus Slowenien und Sébastien Scarnato sowie Gwen Giabbani aus Frankreich selbst bei einem Sieg darauf hoffen müssen, dass die hoch favorisierte Suzuki-Werksmannschaft nicht unter den Top 13 ins Ziel kommt – ein illusorischer Gedanke.
»Dennoch können wir stolz darauf sein, dass wir die WM bis in die allerletzte Runde spannend halten konnten«, resümierte Kainz nach Rang zwei hinter dem Werks-Suzuki-Trio Vincent Philippe/Keichi Kita-
gawa/Matthieu Lagrive im Rennen und
in der WM-Gesamtwertung. Wäre die mit
13 Runden Vorsprung überlegen führende
Suzuki mit der Startnummer eins in der letzten Rennminute etwa aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen worden, hätten die Alpenländler Sieg und Titel abgestaubt. Denn bei der Langstrecken-WM muss ein Motorrad zwingend die Zielflagge passieren, um gewertet zu werden. Suzuki-Schlussfahrer Keichi Kitagawa blieb im letzten Wettkampf seiner Karriere jedoch von Zornausbrüchen der Renngötter verschont und rollte souverän als Sieger und Weltmeister durchs Ziel.
Dabei hatten die 24 Rennstunden für Suzukis charismatischen Teamchef Dominique Méliand nicht nach Plan begonnen. Mit der Startnummer null schickte Méliand, im 27. Dienstjahr Suzuki-Langstrecken-General, die Franzosen William Costes/
Julien da Costa/Guillaume Dietrich als Lockvögel ins Rennen, die aus der Pole Position von Beginn das Tempo auf extrem hohem Niveau halten und damit vor allem die österreichischen Jäger des fast schon verlorenen WM-Schatzes wie auch deren eventuelle Helfer aus dem Yamaha-Guyot-Team, David Checa/Séb Gimbert/Didier van Keymeulen, zu einer Hetzjagd ins Verderben locken sollten.
Doch schon nach gut einer halben Stunden stürzte da Costa selbst, klar in Führung liegend, und bei Suzuki wurde wieder auf den Standard-Plan umgestellt: Spiel, Satz und Sieg, alles mit der be-
währten Stammcrew der Nummer eins. Dieser Plan funktionierte, während das Trio Costes/Da Costa/Dietrich morgens um fünf durch einen Sturz des jungen Elsässers Dietrich die Jagd vorzeitig beendete.
Durch den völlig störungsfreien Rennverlauf der Top-Suzuki gab es beim Bol d’Or 2006 keinen Raum für Überraschungssieger wie noch im Frühjahr in Le Mans, als das National-Motos-Honda-Team Frédéric Protat/Olivier Four/Daniel Ribalta am Ende die Nase vorn hatte. Trotzdem gehörte
ein gutes Stück der Bol-d’Or-Show den Le-Mans-Siegern. Gegen neun Uhr morgens stand Four draußen an der Strecke neben seiner brennenden Fireblade. Alles schien vorbei. Doch gemäß dem Uralt-Werbespruch »Honda – it’s a better
machine« war die CBR 1000 RR nach erfolgreichem Löschvorgang fahrbereit. Four kam an die Box zurück. Die Maschine konnte repariert werden, das Team holte am Ende gar noch den fünften Platz.
Weniger Erfolg war der besten deutschen Langstrecken-WM-Mannschaft beschert. Das RMT21-Team musste seine Honda am frühen Sonntagmorgen wegen Überhitzungsproblemen abstellen, war in der Ausfallliste aber in guter Gesellschaft. Neben der Null-Suzuki konnten auch Yamaha-Guyot und Bolliger-Kawasaki aus der Schweiz das Rennen nicht beenden. mtr

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