Dakar-Rallye „Privatfahrer sind Kanonenfutter“

Michael Griep (46), ehemaliger MOTORRAD-Redakteur, hat bereits zwei Mal erfolgreich an der Dakar-Rallye teilgenommen. 2005 fiel der Pforzheimer kurz vor Halbzeit wegen technischen Defekts an seiner KTM aus. Gegenüber MOTORRADonline schildert Griep seine Erlebnisse:

„Die Etappe von Zouerat nach Tichit würde hart werden, das war schon im Voraus klar. Nach zwei Dritteln der 660 Kilometer langen Wertungsprüfung wusste jeder, dass er in die Dunkelheit kommen würde. Dann gab es zwei Tankpunkte, die nur rund 150 Kilometer auseinander lagen. Niemand hat am ersten Tankpunkt voll getankt, weil es ja keinen Sinn macht, für 150 Kilometer 50 Liter zu bunkern.

Doch plötzlich hieß es am zweiten Tankpunkt völlig überraschend, es gibt nur 20 Liter pro Fahrer, das sei eine Anordnung des Veranstalters. Dass das für die noch kommenden 265 Kilometer Kamelgras absolut nicht reichen würde bis ins Ziel, das war klar. So blieben 80 bis 90 Motorradfahrer nachts ohne Sprit liegen. Ich auch. Ich habe dann von einem ASO-Mitarbeiter, der, wie einige andere am nächsten Morgen, auf eigene Kappe losgefahren war und uns Benzin brachte, etwas Sprit bekommen und kam damit ins Ziel. Da hat die Organisation granatenmäßig Mist gebaut.

Auch war die Strecke dieser Etappe so angelegt, dass kurz vor dem Ziel noch ein schwieriger und steiler Abstieg durch Felsen zu fahren war. Bei Dunkelheit. Das war in meinen Augen absolut verantwortungslos. Es ist bei mir zwar gut gegangen, aber im Nachhinein hab ich mich an den Kopf gefasst, warum ich das gemacht habe. Da hört der Spaß einfach auf. Wenn ich die Fahrer schon in die Nacht schicke, dann muss ich gewährleisten, dass ihnen nichts passiert, oder wenigstens schnelle Hilfe gewährleistet ist. Da aber seit zwei Tagen die Versorgungsflugzeuge wegen starken Windes und schlechter Sicht nicht starten konnten - wohl der Grund für die Benzinrationierung - und auch die Ärztehubschrauber weite Teile der Strecke nicht fliegen konnten, wäre ein schwerer Unfall hier zur Katastrophe geworden. Selbst ein Profi wie Alfie Cox meinte mit Tränen in den Augen: 'Ich habe Familie – was machen die hier mit uns?'

Ich glaube, bei der Dakar geht es mittlerweile nur noch darum, immer geilere Bilder fürs Fernsehen zu bekommen. Die Privatfahrer sind hier nur Kanonenfutter.

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