Der Streit Valentino Rossi vs. Sete Gibernau Die Fehde

Foto: 2snap
Eine geschlagene Stunde lang sprach man im italienischen Privatsender Italia 1 nach der Live-Übertragung des MotoGP von nichts anderem: Das Überholmanöver von Valentino Rossi in der letzten Kurve erregte die Gemüter sämtlicher Sportjournalisten und Kommentatoren. Würde es einen Protest von Sete Gibernau geben, so fragten sie sich bang, und Rossi der Sieg aberkannt werden? Und würden sich die beiden Rivalen vor laufenden Kameras zu einem Schlagabtausch – verbal oder auch handfest – hinreißen lassen? Am Ende geschah nichts dergleichen, aber das sportliche Duell Rossi-Gibernau wurde vor den Augen des italienischen Publikums zur unversöhnlichen Fehde auf Lebenszeit hochstilisiert.

Die Betroffenen selbst reagierten hingegen eher verhalten. “Es war ein aggressives Überholmanöver”, sagte Rossi, “aber es war völlig korrekt. Sete hat mir die Tür zugemacht, ich konnte nirgends anders mehr hin.” Kein Grund zur Aufregung also nach Meinung des amtierenden Weltmeisters: “Wir fahren hier schließlich Motorradrennen, und so etwas hat man in diesem Sport schon millionenfach gesehen.” Sete Gibernau, der sich direkt nach dem Rennen mit steinerner Miene die linke Schulter hielt, mit der er in der letzten Kurve regelrecht auf Rossi geprallt war, gab sich eine halbe Stunde später schon wieder ziemlich ruhig. “Es war ein tolles Rennen, das für mich hätte schöner enden können,” meinte der Spanier. “Aber einen Protest wird es von meiner Seite nicht geben. Das ist nicht mein Stil.”

Viel Rauch um nichts also? Möglich, doch nach zehn Tagen, in denen sämtliche italienischen Fernsehsender von morgens bis abends nichts als den verstorbenen Papst gezeigt hatten, lechzten die Zuschauer regelrecht nach einem harmlosen Aufreger-Thema. Rossi jedenfalls hat sich wieder mal als Quotenbringer und zudem als echtes Glückskind erwiesen, wie Ex-Pilot Loris Reggiani, Co-Kommentator bei Italia 1, feststellte: “Hätte ihn Gibernau nicht berührt, wäre er wohl von der Strecke abgekommen, weil er nach den vorangegangenen Überholmanövern auf einer völlig falschen Linie für diese Kurve war.”
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