Des Einen Leid ... (Archivversion)

KTM-Viertelliter-Werksfahrer Mika Kallio feierte in Jerez einen überraschenden Sieg, weil ein Schicksalsschlag die Aprilia- und Gilera-Konkurrenz im Doppelpack eliminierte.

Keine Serie hält ewig. So kam es in Jerez zum Schlag in die Magengrube, nachdem das Aprilia-Team des Spaniers Jorge Martínez »Aspar« jahrelang nahezu alles gewonnen hatte, was es zu gewinnen gab. Sturz von Qatar-Sieger Sergio Gadea und Motorschaden von Weltmeister Gabor Talmacsi in der 125er-Klasse, Sturz von Hector Faubél gleich nach dem Start der 250er. Und dann noch das spektakuläre Aus von Publikumsliebling Alvaro Bautista, dem 125er-Weltmeister von 2006, der die Führung im Viertelliterrennen mit Gilera-Pilot Marco Simoncelli im Nacken lange und heldenhaft verteidigt hatte. Im Fernsehen sah es so aus, als sei der Italiener dem Spanier ins Heck gedonnert und habe so den Doppel-Abflug ausgelöst. Der fassungslose Teamchef Martínez drehte sich nach dem Totalausfall seines Teams wortlos von den Monitoren ab und verschwand im Dunkel der Box. KTM-Konstrukteur Harald Bartol, dessen Star Mika Kallio als lachender Dritter einen glücklichen Sieg abräumte, hätte Simoncelli dagegen in der ersten Begeisterung »gerne auf ein Bier« eingeladen.

Erst dann sprach sich herum, dass der schlaksige Italiener mit dem Lockenkopf in jener Kurve völlig schuldlos auf Bautista aufgefahren war: An Alvaros Motorrad war nämlich die Kurbelwelle gebrochen, der Motorschaden hatte den Unfall ausgelöst.

Kallio konnte es recht sein. »Es tut mir leid für Bautista. Trotzdem freut es mich, dass wir nach dem vielen Pech der Vergangenheit auch mal Glück hatten – obwohl es sich nicht ganz so anfühlt wie ein erkämpfter Sieg«, meinte der 25-jährige Finne diplomatisch.

Sein 125er-Teamkollege Randy Krummenacher hatte zuvor eine ganz besondere Form des Glücks gehabt: Vier Tage lang hatte der Züricher seine Leibschmerzen nach einem Sturz vom Mountainbike ignoriert, bevor er sich in Jerez endlich von Dr. Claudio Costa untersuchen ließ. Der erkannte »in seinen Augen« Anzeichen einer inneren Verletzung und ließ Krummi ins Hospital transportieren. Der Befund: Milzriss und über drei Liter Blut in der Bauchhöhle. Der 18-Jährige wurde sofort erfolgreich operiert, Costa zeigte sich erleichtert. »Ich habe ihm das Leben gerettet«, schwärmte er.

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