Drama um Rossi (Archivversion) Erst fehlte das Glück, dann kam auch noch Pech hinzu: Dani Pedrosa stibitzte Valentino Rossi den sicher geglaubten MotoGP-Vizetitel.

Valentino Rossi bleibt in Valencia weiter vom Pech verfolgt. Vor Jahresfrist hatte er mit einem Rennsturz den Titel an Nicky Hayden verloren. Diesmal brach er sich bei einem Trainingssturz drei Knochen in der rechten Hand, den äußersten Metakarpalknochen und ­die angrenzenden Mittelhandknochen, und büßte so die letzte Chance ein, Dani Pedrosa am Gewinn der Vizeweltmeisterschaft zu hindern. Der Spanier, der zu seiner vierten Pole Position hintereinander ausholte, Casey Stoner im Rennen überholte und vor den begeisterten spani­schen Fans zu seinem zweiten Saisonsieg davonzog, setzte auch in der Punktewertung zu einem erfolgreichen Endspurt an und verdrängte Rossi um einen einzigen Punkt auf Platz drei.
Der hatte kurz nach Rennmitte als Schlusslicht das Handtuch geworfen und sich ins Dunkel der Box zurückgezogen, wobei die Handverletzung eine untergeordnete Rolle spielte. »Dank der Schmerzmittel, der Bandagen und meinem modifizierten Bremshebel hätte ich das Rennen durchgestanden. Doch irgendetwas im Motor ist kaputtgegangen. Es hat sich angefühlt wie in Misano. Nur, dass das Motorrad diesmal schon vorher elend langsam war, langsamer als das von Tamada«, brummte Rossi.
Damals Anfang September, beim San-Marino-GP, war ein neuer Versuchsmotor mit Pneumatikventilen eingegangen. Dies­mal erwischte es, doppelt peinlich für die Ingenieure, ein gewöhnliches Aggregat mit handelsüblichen Ventilfedern. »Wir müssen zu einem Motorrad zurückfinden, das funktioniert«, gab Rossi denn auch die Losung aus. »Ich rede nicht einmal von einer superkonkurrenzfähigen Rakete, sondern lediglich von einer Maschine, die nicht kaputtgeht. Die Reifen sind nicht das Haupt-problem. Sondern der Yamaha-Motor. Ich glaube weiterhin an Yamaha, doch in Japan muss viel mehr getan werden«, forderte er.
Trotzdem blieb der von Rossi gewünschte und von Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta mit allen verfügbaren Mitteln der Macht durch-gesetzte Wechsel des Reifenherstellers beschlossene Sache – unabhängig von der Tatsache, dass Michelin das Valencia-Rennen gewann und mit einem Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro auch auf anderen Pisten wieder siegen will. In Zukunft wird die Box des Yamaha-Werksteams zweigeteilt sein. Rossis Mechaniker werden auf der einen Seite mit Bridgestone-Reifen hantieren, Jorge Lorenzos Crew auf der anderen mit Michelins. »Mein Vertrauen zu diesen Reifen ist einfach nicht mehr da. Wenn du auf diesem Niveau zusammen-arbeiten willst, musst du das richtige Feeling für die Reifen haben. Doch in den letzten beiden Jahren hat sich dieses Zutrauen immer mehr verflüchtigt. Es hat auch mit der Arbeitsweise zu tun: Ich habe nie die Antworten erhalten, die ich gesucht habe, um die Probleme mit unserem Motorrad zu lösen«, rechnete Rossi mit Michelin ab. »Ich bin mir meines Risikos durchaus bewusst, weil Michelin die eigenen Fehler erkannt hat und viel Geld in die Zukunft investiert. Aber ich nehme dieses Risiko gerne in Kauf. Als ich von Honda zu Yamaha wechselte, war das Risiko noch größer.«fk

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