Ein Event – zwei Serien – zwei Strecken (Archivversion)

Traditionell tritt bei Motorrad-WM-Events in den USA auch die nationale Meisterschaft des US-Verbandes AMA an. Und das ist, vor allem für die einheimischen Fans, weit mehr als nur ein Rahmenprogramm. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die Top-Klasse AMA-Superbike wegen ihres offenen Reifen- und wesentlich freieren Benzin-Reglements schnellere Rundenzeiten erreicht als die durch Pirelli-Einheitsreifen und handelsüblichen Sprit eingebremste Superbike-WM. Nun ist dem einheimischen Fan dies alles nur sehr schwer zu vermitteln. Vor allem natürlich, warum die angeblich besten Rennfahrer der ganzen Welt auf zumindest von der Tribüne aus völlig gleich aussehenden Maschinen vielleicht langsamer fahren als seine lokalen Helden, die er alle zwei Wochen auf irgendwelche Provinzbahnen sehen kann. Deshalb haben sich die Organisatoren auf der multiplen Anlage des Miller Motorsportparks gut 20 Meilen außerhalb von Salt Lake City etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Superbikes befuhren den 4,904 Kilometer langen, sogenannten „Outer Course“ – den äußeren Kurs. Pole-Setter Carlos Checa bewältigte ihn auf seiner schnellsten Qualifikationsrunde in 1.48,193 Minuten. Die AMA-Cracks mussten derweil die Hauptstrecke bewältigen: 7,24 Kilometer lang, Bestzeit von Doppelsieger und AMA-Superbike-Tabellenführer Ben Spies auf Yoshimura-Suzuki GSX-R 1000: 2.45,111 Minuten.

Dieser Trick machte einen ansonsten eher unauffälligen AMA-Mittelfeldfahrer zur speziellen Attraktion. Der 32-jährige Suzuki-Privatfahrer Scott Jensen wurde so zum wahrscheinlich ersten Rennfahrer überhaupt, der innerhalb einer Veranstaltung mit kaum unterschiedlichen Maschinen auf zwei ver-schiedenen Strecken antrat. Jensen, im Vorjahr Fünfter der US-Superstock- und Zwölfter der dortigen Superbike-Meisterschaft, ließ sich nicht durcheinanderbringen. „Erstaunlicherweise“, erklärte der Mann aus North Dakota, „erlebe ich den Unterschied bei den Reifen – freie Reifenwahl in der AMA-Serie, Einheitsreifen in der WM – als wesentlich gravierender als die beiden verschiedenen Streckenvarianten. Gut, der lange AMA-Kurs ist um einiges welliger, und du musst an der entscheidenden Stelle, wo er links abbiegt statt rechts in die WM-Piste, schon genau wissen, in welcher Klasse du gerade unterwegs bist“, lacht Jensen, „aber alles in allem ist es ein großer Spaß.“

Multitasker Jensen fuhr an diesem Rennwochenende insgesamt fünf Rennen samt der entsprechenden Trainings: zweimal Superbike-WM, zweimal AMA-Superbike und dazu noch AMA-Superstock – und hielt sich wacker. Die Ergebnisse: 23. und 20. in der WM, 10. und 13. in der AMA-Superbike-Serie bei einem bedauerlichen Ausfall in seiner eigentlich stärksten Klasse Superstock.

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