Endurance-WM: Wie geht’s weiter? (Archivversion)

Erstmals seit vier Jahren präsentierte Endurance-WM-Vermarkter FG Sports Anfang 2006 wieder einen kompletten WM-Kalender mit sieben Rennen, darunter die Traditionsveranstaltungen 24 Stunden von Le Mans und Bol d’Or. Diese beiden Klassiker sowie die zuletzt wegen einer fehlenden Streckenabnahme nicht mehr ausgetragenen 24 Stunden von Spa-Francorchamps hatten sich im
Streit mit FG Sports aus der WM verabschiedet und die Konkurrenzserie Masters of Endurance gegründet.
Jetzt sind Le Mans und der Bol
d’Or wieder im Boot, aber ganz un-
problematisch scheint die Situation
trotzdem nicht zu sein. Vor der Speedweek in Oschersleben gab es Gerüchte, der Ende 2006 auslaufende Vertrag zwischen FG Sports und der internationalen Motorsportföderation FIM könnte nicht erneuert werden, GP-Vermarkter Dorna hätte Interesse, die Serie zu übernehmen.
Doch das waren wohl nur haltlose Parolen. »Wir sind mit der FIM
zu 90 Prozent einig«, erklärte Endurance-WM-Sprecher Vittorio Gargiulo, »bis zum Bol d’Or Mitte September sollte alles unter Dach und Fach sein.« Vorher will er auch nichts über geplante Neuerungen rauslassen, außer, dass an einer Verbesserung der Fernsehpräsenz gearbeitet werde – über die Rennen von Oschersleben und Suzuka
soll beispielsweise am 24. August
auf Eurosport II berichtet werden.
Dass es einen zusätzlichen WM-
Lauf in Qatar geben könnte – auch dies Fahrerlagergeflüster –, wollte Gargiulo dagegen nicht abstreiten: »Aber nur, wenn der Veranstalter sämtliche Kosten für alle einge-
schriebenen Teams übernimmt.«
Denn darum geht es wirklich: das liebe Geld. »Drei 24-Stunden-Rennen und dann noch den teuren Trip
nach Suzuka – das können selbst wir
als werksunterstütztes Team uns kaum leisten«, beteuert Mandy Kainz, Chef des erfolgreichen Yamaha Austria Racing Team. »Ein 24-Stun-
den-Rennen bedeutet eine Woche Vorbereitungszeit, eine Woche bei
der Veranstaltung und eine Woche Nacharbeit«, rechnet er vor, »für Privatteams ist die WM in ihrer
jetzigen Form unbezahlbar.« Ihm
wäre eine Serie mit den drei existierenden 24-Stunden-Läufen, einem Sprintrennen über eine kürzere Distanz sowie den für die japanischen Hersteller extrem wichtigen Acht Stunden von Suzuka recht.
Dominique Meliand, in 26 Jahren Langstreckensport ergraute Eminenz des Suzuki-Werksteams, weiß um
die Probleme der Privatteams, stellt sich unter einer vollwertigen WM allerdings etwas anderes vor: »Acht Rennen, davon drei über 24 Stun-
den.« Hanspeter Bolliger, der sein Kawasaki-Team neben der haupt-
beruflichen Tätigkeit als Automecha-
niker quasi nach Feierabend seit Jahren an der WM-Spitze hält, hat trotz der vielen Freizeitstunden, die
er dafür opfern muss, nichts gegen Meliands Plan. Im Gegenteil: »Für einen Hobbyeinsatz bei zwei Rennen finde ich keine Sponsoren. Die wollen eine handfeste Serie sehen, bei der
es um einen Meistertitel geht.«
Übrigens: Wenn die Teamchefs über 24-Stunden-Rennen sprachen, meinten sie immer auch Oschersleben. abs

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