Fischereihafenrennen Bremerhaven: Reportage (Archivversion) Schreib einfach drauflos, ganz emotional und subjektiv!« haben die Magazin-Redakteure mir gesagt. Okay: Pfingsten in Bremerhaven war wieder schweinegeil, das gleich vorneweg. Nach den eher durchwachsenen Ergebnissen der letzten drei Jahre lautete meine Mission: 1. mal wieder ins Ziel kommen, 2. mit meiner Zweiventil-Guzzi möglichst viele Hondas verblasen und 3. in die Top Ten fahren. <br /><br /> Das MOTOmania-Racingteam geht diesmal nur in »kleiner Besetzung« an den Start: Henning alias Hinnerk »Wheelie« Wippermann auf elefantöser Cagiva, Archy »Scharfrichter« Schwinn mit Duc 984 Superlight, Jörn »der Dozent« Widderich auf 998 S, Ronald »The Rocket« Matthies mit seiner wunderschön aufgebauten <br /><br /> Bimota DB1 und Meiner Einer. Verstärkt durch das Bodenpersonal in Form von Frauen, Freunden und Kindern. <br /><br /> Der Einfachheit halber starten wir <br /><br /> komplett bei den Fishtown Twins &#150; alles, was zwei Zylinder hat. Die Konkurrenten sind mit schlagkräftigem Material ausgerüstet: Ducati 998, Wellbrock-Honda VTR 1000 SP-2, Aprilia Mille...<br /><br /> Doch im Zeittraining gelingt es Ronald, Archy und mir, mit den Plätzen drei, <br /><br /> vier und fünf drei Zweiventiler in die ersten beiden Startreihen zu stellen. Wer sagt&#146;s denn, da geht doch was. Hinnerk und <br /><br /> Jörn sichern im Mittelfeld nach hinten ab. Abends bekommen wir Besuch von Fans, die Hinnerk einen BH überreichen, der die Aerodynamik des Elefanten entscheidend verbessern soll. Ob das Upgrade was bringt, werden wir morgen sehen. <br /><br /> Pfingstmontag, Race Day! 18 Läufe <br /><br /> in neun Klassen. Kurz vor zehn, die Startampel gibt unser erstes Rennen frei, und ich demonstriere, wie man einen Start total versemmelt: zu früh losgezuckt, Gas zu, Gas wieder auf, das Vorderrad strebt <br /><br /> gen Himmel. Als ich alles wieder unter Kontrolle habe, sind schon sieben Mann an mir vorbeigedonnert und ich biege als Zwölfter in die erste Kurve ein. Mist. <br /><br /> Ich überlege kurz, welchen Defekt <br /><br /> ich vortäuschen könnte, aber vor mir macht sich eine Honda breit, <br /><br /> und ich entsinne mich meiner

Völlig klar, im Fischereihafen von Bremerhaven kann man keine ernsthaften Rennen fahren. Allein diese Strohballenschikane auf der Querspangengeraden mit kaum mehr als zwei Meter Durchfahrtsbreite ist der Wahnsinn in Tüten. Dennoch hatten knapp 30 000 Zuschauer genauso viel Spaß wie die Aktiven. Selbst kritischsten Blickes angereiste Medienvertreter aus der großen
weiten Rennsporwelt erlagen in kürzester Zeit dem Fishtown-Bann.
Weil das Konzept stimmt, den Fans ständig was geboten wird. Es gibt keine gähnend langen
Vorstartprozeduren, welche die Zuschauer, wie zum Beispiel bei IDM-Rennen, oft eine halbe
Stunden lang mit leerem Asphalt allein lassen und schließlich vertreiben. Im Gegenteil: Es brummt dauernd auf der Bahn. Der Veranstalter reagiert auf Störungen flexibel und geschickt mit Zeitplan-Anpassungen. Darüber hinaus finden die Fans genügend Attraktionen: Rummelplätze, Motorradausstellungen, Verpflegungstände. Natürlich Fisch, aber auch viel mehr.
Noch mal: Kein Mensch käme auf die Idee, das Fishtown-Rennen in den IDM-Kalender zu hieven, nur weil dort zehnmal so viele Fans hinkommen. Die Piste wäre unverantwortlich. Aber der gesamte Event, der zügige Ablauf ohne den Zeitdiebstahl unsinnigen Möchtegern-GP-Gehabes –
darin liegt das Fishtown-Geheimnis und vielleicht die Chance, auch zum Beispiel zu IDM-Rennen endlich wieder Zuschauer in mehr als vernachlässigbarer Menge zu locken.

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