GP Barcelona/Spanien (Archivversion) Vorfahrt für Valentino

Seit drei Rennen hält Yamaha-Star Valentino Rossi den Spitzenplatz der MotoGP-WM – es gibt Grund zur Annahme, dass dies so bleibt.

Blaues Leder, blaue Verkleidung, ein Fußballmuster statt des gewohnten Helmdesigns: Kurz vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz unter-stützte Valentino Rossi die “Squadra Azzurra“, das Nationalteam seines Vaterlandes, beim Barcelona-Grand-Prix nach Kräften. Leider half es nichts: Italien ging im ersten Gruppenspiel der Euro 2008 mit 0:3 gegen Holland unter.

Sich selbst hilft Rossi erfolgreicher. Weil er neue Bridgestone-Qualifikationsreifen testete, die im entscheidenden Moment nicht richtig funktionierten, startete der MotoGP-Pilot zwar nur vom neunten Platz. Doch im Rennen drehte er wieder auf wie entfesselt und holte Rang zwei, nur Lokalmatador Dani Pedrosa blieb unerreichbar.
Trotzdem bleibt Rossi nach einer Serie von drei Siegen und sechs Podestplätzen hintereinander klarer Tabellenführer und sieht dies als günstige Gelegenheit, einen neuen Vertrag abzuschließen. “Ich bleibe noch zwei Jahre bei Yamaha,“ erklärte er zufrieden.

Dass er selbst verhandelt und nicht mehr auf die Dienste seines früheren Managers Gibo Badioli und der Firma “Great White London“ vertraut, liegt an den unangenehmen Erinnerungen ans Vorjahr, wo er als Steuersünder in die Schlagzeilen gekommen war. “Ich konnte es nicht fassen, dass die Leute meines direkten Umfeldes derartige Fehler gemacht hatten. Natürlich war auch ich naiv, doch ich bin kein Steuerexperte. Ich habe nur getan, was mir geraten wurde. Mir wurde nahe gelegt, in England zu leben, weil das steuertechnisch interessant war. Deshalb bin ich nach London gegangen. Das erste Jahr war fantastisch. Doch irgendwann kam das Heimweh. Ich habe Freunde und Familie vermisst, ging immer öfter nach Italien und war immer weniger in England. Letztes Jahr war ich fast gar nicht mehr dort. Und in diesem Punkt hatten die Steuerbehörden recht – England war kein ständiger Wohnsitz. Ich wusste aber nicht, dass das ein Fehler war, deshalb habe ich mit den Behörden kooperiert, um die Sache so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen.“

Rossi gab am Ende allen Widerstand und seinen Scheinwohnsitz auf, zahlte einen zweistelligen Millionenbetrag nach und lebt nun wieder dort, wo es ihm am besten gefällt: in der Heimat. Mit einem kleinen, intimen Kreis von Beratern. “Meiner Mutter, meinem Vater und meinem Hund Guido,“ grinst Rossi. “Ich habe einige schwierige Entscheidungen treffen müssen, bin aber froh, dass ich das gemacht habe. Ich habe jetzt weniger Leute in der Box, und es sind nur noch Menschen da, bei denen ich mich wohl fühle. Ich bin weniger reich, dafür aber glücklicher.“
Wo er schon am Aufräumen war, machte er auch mit Yamaha reinen Tisch. “Ich habe gedroht, aufzuhören oder für ein anderes Werk zu fahren. Das hat geholfen, denn jetzt habe ich ein viel besseres Paket zur Verfügung: Leistung und Fahrbarkeit, ein überlegenes Computersystem und die Bridgestone-Reifen. Das Motorrad ist viel einfacher zu fahren als im letzten Jahr und lässt sich viel schneller auf eine neue Strecke abstimmen. Es ist das beste Motorrad, das Yamaha in vielen Jahren gebaut hat.“

Eine zentrale Rolle spielt dabei Yamahas Chefingenieur Masao Furusawa, der die M1 für Rossis Titel 2004 und 2005 entwickelt hatte, später einen größeren Verantwortungsbereich übernahm, dann aber wie-der als Retter an die MotoGP-Rennstrecken zurückkehrte, als das Schiff aus dem Ruder lief. “Valentino kann so lange bei uns fahren, wie er will und wie er konkurrenzfähig ist,“ erklärt Furusawa. Rossi dazu: “In den letzten fünf Jahren habe ich zu Furusawa ein sehr enges Verhältnis aufgebaut. Ich bin stolz, zu sagen: Er ist mein Freund.“

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