Grand Prix Brasilien (Archivversion) Entwicklungshelfer

Der Grand-Prix-Experte und TV-Kommentator Jürgen Fuchs erklärt, was ein Team an den Strecken über den Rennbetrieb hinaus noch Wichtiges leisten muss.

Es ist praktisch nicht mehr möglich, eine Maschine am Reißbrett zu entwickeln und mit Testfahrern bis zum Siegermotorrad weiter zu verfeinern. Erstens würde ein japanischer Tester seinem Arbeitgeber nie direkt sagen, wenn er Mist gebaut hat. Zweitens sind die Stammfahrer meist schneller, was die Schwächen der Bikes erst aufdeckt. Das heißt, im Wesentlichen muss die Weiterentwicklung von Werksmotorrädern heute an den Rennwochenenden stattfinden. Was nicht bedeutet, dass die Teams vor Ort zum Schweißgerät greifen. Erwartet werden jedoch möglichst detaillierte Vorschläge für die notwendigen Modifikationen. Was sicher leichter gesagt als getan ist, denn ein gutes Motorrad ist unglaublich komplex. Motor, Chassis, Dämpfung, Reifen und Fahrer müssen eine Einheit ergeben. Die Tests von neuen Teilen bringen nur selten ein eindeutiges Ergebnis. Oft stehen sie in Abhängigkeit zu weiteren Komponenten. Daher geht der Schuss der Weiterentwicklung so oft nach hinten los. In der Praxis setzt sich dabei häufig eine gute Mischung durch. Wähle einen Piloten mit Erfahrung und einen, der sich erst noch beweisen muss – das ist die Devise von KTM. Honda setzt junge Ingenieure mit neuen Ideen ihren gestandenen Top-Leuten zur Seite. Andere paaren knallharte Rechner mit rein sportlich orientierten Strategen. Harald Eckl nimmt die Sache quasi selbst in die Hand, lässt eine neue Kawasaki in Europa bauen. Suzuki kündigt eine aggressive Gangart für 2004 an und will damit durch »Himmel oder Hölle«. Yamaha will Rossi. Mal sehen, was da geht.

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