Grand Prix Deutschland (Archivversion)

e MotoGP-KTMProjektgestopptDas MotoGP-Projekt von KTM wurde wenige Tage vor dem Sachsenring-Grand-Prix leise beerdigt. »Fünf Motoren sind fertig entwickelt und müssten nur noch zusammengebaut werden. Eigentlich hätte jetzt bereits die Testphase begonnen. Doch so, wie’s momentan aus-sieht, hätte ich mir den ganzen Ärger sparen können«, erklärte Konstrukteur Harald Bartol finster, dessen Wechsel von Derbi zu KTM mit einem Streit seines früheren Arbeitgebers geendet hatte. Das 125er-Projekt geht zwar wie geplant weiter, aber den Spezialisten wie dem früheren Suzuki-Mann Warren Willing, die für den V4-Viertakter angeheuert wurden, fehlt jede Perspektive. Bartols Versuch, KTM-Geschäftsführer Stefan Pierer wenn schon kein ganzes Motorrad, so doch wenigstens die Fertigentwicklung und Vermarktung des Antriebsaggregats abzuringen, scheiterte ebenfalls. Der Grund: KTM laufen die Kosten davon. Noch im April hatte Pierer von 15 Millionen Euro Entwicklungskosten und einem jährlichen Rennbudget von weiteren 15 Millionen Euro gesprochen. Bisher wurden aber schon 13 Millionen verbraucht, und bis zur Fertigstellung des Motorrads würde mindestens noch einmal der gleiche Betrag benötigt – noch gibt es kein elektronisches Motormanagement und kein Chassis, noch sind keine Testaggregate auf Prüfständen verraucht. Gleichzeitig macht KTM ein schwerer Einbruch auf dem US-Markt zu schaffen. Das Engagement von Jeremy McGrath endete mit einem Desaster, weil der Supercross-Weltstar nach nur zwei Läufen mit einem vernichtenden Urteil über die KTM-Maschinen das Handtuch warf. Und die Gewinnmargen jener Maschinen, die KTM noch in Amerika verkauft, sind wegen des stärker gewordenen Euros in sich zusammengeschmolzen. »Wenn wir das MotoGP-Projekt unter diesen Umständen weiter vorantreiben, wird das Unternehmen unrentabel. Deshalb haben wir es auf Eis gelegt«, erklärte Sportdirektor Heinz Kinigadner.Jetzt wird über Superbike-WM-Einsätze mit dem V2-Motor der österreichischen Marke nachgedacht. Den Besuch am Sachsenring brach Kinigadner kurzfristig ab: Sein Sohn Hannes liegt mit dem Verdacht einer Querschnittslähmung in künstlichem Koma im Kranken-haus – ausgerechnet bei einer Motocross-Benefizveranstaltung für Behinderte war der 21-Jährige schwer gestürzt und hatte sich einen Wirbelbruch zugezogen.e RTL am SachenringLauda und MaffayMit einer 70 Mann starken Truppe – an der Spitze die von den Formel-1-Sendungen bekannten Moderatoren Florian König, Kai Ebel und Niki Lauda – kam RTL zum Sachsenring. Zum dritten Mal in diesem Jahr berichtete der Kölner Privatsender live von der Motorrad-WM. Im Herbst soll darüber entschieden werden, ob ab 2004 alle Grand-Prix-Rennen übertragenwerden. Als motorradfahrender Promi brauste Peter Maffay am Sachsenring mit seiner Harley durchs Fahrerlager. Mehr über den RTL-Auftritt lesen Sie im nächsten Heft.e Biaggi, RossiTausch amStartplatz?Zu Beginn der Europasaison erhielt Honda-Leasingpilot Max Biaggi eine Verkleidung mit modifizierten Lufteinlässen, für den England-Grand-Prix ein Chassis mit mehr Traktion, in Brünn sollen elektronische Bauteile für ein präziseres Motormanagement folgen – ganz entsprechend der Politik des Werks, die erfolgreichsten Satellitenteams gegen Bezahlung mit kostbaren Evolutionsteilen auszurüsten. »Man könnte dieses Spiel ewig weitertreiben, und Max würde trotzdem ewig weiter jammern, wie unterschiedlich unsere Motorräder doch sind. Die einzige Möglichkeit, ihn zum Schweigen zu bringen, wäre, am Vorstart die Motorräder zu tauschen. Ich glaube allerdings kaum, dass ich mit seiner Abstimmung fahren könnte«, meldete sich Valentino Rossi zu Wort. Die Replik des Römers: »Auf Rossis Maschine würde ich mit verbundenen Augen steigen. Seine Abstimmung – kein Problem.«e McWilliams dreht aufSchock fürMichelinWegen der anhaltenden Kinderkrankheiten der neuen V5-Viertaktmaschine reiste das Proton-Team mit den alten Dreizylinder-Zweitaktern zum Sachsenring – und sorgte im Abschlusstraining der MotoGP-Klasse für eine Sensation. Denn fünf Minuten vor dem Ende flimmerte der unerschrockene Ire Jeremy McWilliams plötzlich als Erster über die Monitore, wobei er den nächsten Konkurrenten um eine volle halbe Sekunde distanziert hatte. Gedemütigt waren nicht nur die großen Werke, die sich mit ihren PS-strotzenden Viertaktern und ihren teuren Superstars von einem 38-jährigen Rennveteranen auf einer alten, um gut und gern 60 PS hinterherhinkenden Zweitakt-Maschine an der Nase herumführen ließen. Starr vor Schreck waren vor allem die Michelin-Vertreter – erst in allerletzter Minute zog Rennchef Nicolas Goubert noch ein Ass aus dem Ärmel, mit dem er die wie Kaugummi haftenden Bridgestone-Reifen des Proton-Teams um Haaresbreite übertrumpfen konnte: einen völlig neuen Qualifier, mit dem Max Biaggi am Schluss um den Hauch von zwei Tausendstelsekunden an McWilliams vorbei auf Startplatz eins huschte. »Wir haben diesen Reifen noch nie zuvor probiert. Aber er hat perfekt funktioniert«, bedankte sich Biaggi. McWilliams nahm die Niederlage auf die leichte Schulter. »Unser einziges Problem: Wann immer wir das Motorrad zum Laufen bringen, ist der Chef nicht da«, grinste er. Teambesitzer Kenny Roberts trieb sich nämlich im Sattel einer Harley bei dem berühmten Sturgis-Treffen herum.e Kalender 2004Amerikaund KatarIm vorläufigen Grand-Prix-Kalender für 2004 gibt es zwei Neuheiten: das Comeback des Amerika-Grand- Prix mit einem Lauf in Birmingham/Alabama, der aber aus Kostengründen nur in der MotoGP-Klasse stattfinden soll. Außerdem der Wüsten-Grand-Prix in Katar, der wegen der extremen Hitze dort wahrscheinlich erst abends, womöglich gar unter Flutlicht steigen wird. Die Daten im Einzelnen: 28. 3. Welkom/SA, 11.4. Motegi/J, 18.4. Birmingham/USA, 2.5. Jerez/E, 16.5. Le Mans/F, 30.5. Mugello/I, 13.6. Barcelona/E, 26.6. Assen/NL, 4.7. Donington Park/GB, 18.7. Sachsenring/D, 22.8. Brünn/CZ, 5.9. Estoril/P, 18.9. Rio de Janeiro/BR, 26.9. Doha/Q, 10.10. Phillip Island/AUS, 17.10. Sepang/MAL, 31.10. Valencia/E.e Benefiz-Fußball8:6 für guteZweckeDas traditionelle Fußball-Benefizspiel zwischen einer Auswahl von Grand-Prix-Piloten und einem All-Star-Team anderer Helden des Sports wie etwa dem ehemaligen Bahnrad-Olympiasieger Michael Hübner endete 8:6 für die Motorradstars. Noch besser als die Torausbeute, zur der Max Biaggi und Jeremy McWilliams als Torschützenkönige der Vollgasfraktion jeweils zwei Treffer beitrugen, waren die Eintrittsgelder der 6500 Zuschauer: Nicht weniger als 20 000 Euro kommen der Organisation »Riders for Health«, weitere 1000 Euro einer Chemnitzer Elterninitiative für krebskranke Kinder zugute.e Rossi bei den RookiesStar zum AnfassenEin abwechslungsreiches und spannendes Rennen boten die Youngster des Red Bull Rookies Cup im Rahmenprogramm des Grand Prix. Vom Start weg setzte sich Meik Minnerop an die Spitze. Doch schon bald wurde er von Toni Wirsing, der im Mai bereits das Auftaktrennen am Sachsenring gewonnen hatte, eingeholt und unter Druck gesetzt. Das Duell der beiden 13-Jährigen endete in der letzten Kurve mit hauchdünnem Vorsprung zugunsten von Minnerop. Auch im großen Verfolgerpulk ging es gut zur Sache. Den dritten Podestplatz holte sich schließlich Stefano Scire. Am Abend gab es dann für alle Rookies ein echtes Highlight: Weltmeister Valentino Rossi schaute bei den möglichen Stars von morgen vorbei, die ihr großes Idol auf die Schultern nahmen und kräftig hochleben ließen.

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