Grand Prix in Le Mans/Frankreich (Archivversion) Die alten Meister

Valentino Rossi fuhr in Le Mans zu seinem 90. Grand-Prix-Sieg und zog mit Angel Nieto gleich. Jorge Lorenzo fuhr seinen Verletzungen davon, und Colin Edwards machte ein historisches Yamaha-Podest komplett.

Weltmeister Casey Stoner fiel mit Motorschaden aus. WM-Leader Dani Pedrosa hatte erst Probleme mit dem Vorderreifen beim Bremsen, später im Rennen auch noch mangelnde Traktion am Hinterrad, und fiel auf Rang vier zurück.

So konnten Valentino Rossi, Jorge Lorenzo und Colin Edwards für Yamaha einen der komplettesten Triumphe feiern, den es in der MotoGP-WM je gegeben hat. Rossi bestätigte nicht nur seine bereits in Shanghai zwei Wochen zuvor wiedergefundene Überlegenheit, was ihn zum neuen WM-Favoriten macht. In Le Mans feierte er auch seinen 90. GP-Sieg und zog mit dem 13-fachen Weltmeister Angel Nieto gleich. Dazu hatten die beiden eine wunderbare Aktion vorbereitet: In der Auslaufrunde übernahm Nieto den Lenker der Rossi-Yamaha und chauffierte den Doktor als Sozius um die Strecke – mit einer großen Fahne mit der stolzen Aufschrift „90 + 90“. „Ich stand unter immensem Druck. Ich wusste, dass Angel in der Lederkombi parat stand: Ich musste gewinnen,“ grinste Rossi. „Zwei Fahrer mit insgesamt 180 Siegen auf einem Motorrad ist imponierend“.

Mindestens ebenso imponierend war, wie sich der verletzte Jorge Lorenzo ins Zeug legte. Vor dem Frankreich-GP hatten ihm die Ärzte wegen der beiden in China angeknacksten Knöchel eine Rekonvaleszenz von mindestens drei Wochen, bis zu seinem Heimspiel in Barcelona, prognostiziert. Von allen Warnungen unbeeindruckt, gab Lorenzo schon im Training derart Gas, dass er zwei weitere Stürze produzierte und sich vor allem im rechten Knöchel neue Schmerzen einhandelte. Und es sollte noch schlimmer kommen: Im Abschlusstraining verpasste Lorenzo die erste schnelle Kurve nach der Zielgeraden, pflügte ungebremst mit Tempo 270 durchs Kiesbett und schanzte dann über die Kerbs auf die Strecke zurück, wobei er abhob wie mit einem Cross-Motorrad. „Ich dachte: Jetzt bringst du dich um,“ schilderte er später.

Dennoch qualifizierte er sich als Fünfter und dachte auch im Rennen nicht daran, zurückzustecken. Als zu Beginn der zweiten Rennhalbzeit leichter Nieselregen einsetzte, verzichtete der Spanier als Einziger darauf, das Gas zu drosseln und katapultierte sich vom fünften auf den zweiten Platz. Den treffendsten Satz zu seinem Wochenende hatte er freilich schon nach seinem ersten Trainingssturz geprägt: „Ich habe das Herz eines Matadors.“

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