Grand-Prix-Journal (Archivversion) Die Rossi-Seifenoper

Bleibt er bei Honda, geht er zu Yamaha – oder gar zu Ferrari?

Das Gezerre um Valentino Rossi wird immer mehr zur Seifenoper, für die dauernd neue Folgen erfunden werden. Erst ein Angebot von Marlboro-Ducati, das von Ducati-Teamchef Livio Suppo kategorisch bestritten und als eine clevere Finte des Rossi-Managements dargestellt wird. Dann die Zwölf-Millionen-Euro-Offerte von Yamaha. Vor dem Australien-Grand-Prix schließlich ein Radio-Interview mit Luca di Montezemolo, in dem der Chef des weltmeisterlichen Ferrari-Formel-1-Rennstalls ankündigte, Valentino Rossi einen der feuerroten Monoposti testen zu lassen.»Einen Ferrari zu fahren ist jedermanns Traum, und wenn ich wirklich testen darf: Ich stehe jederzeit Gewehr bei Fuß«, zeigte sich Rossi entzückt. »Doch ein Wechsel in die Formel 1 steht sicher nicht früher als in zwei, drei Jahren zur Debatte«, beruhigte er gleichzeitig seine MotoGP-Fans. Angeblich hatte Auto-Fan Rossi auch schon mal bei Honda um einen Test mit einem Formel-1-Renner nachgefragt, aber bislang vergeblich auf eine positive Antwort gewartet. Ebenso wie auf eine Antwort auf das letzte, ultimative Vertragsangebot seines Managers Gibo Badioli, mit dem Rossi frech das letzte, ultimative Angebot von Honda gekontert und mehr oder weniger den Status eines Alleinherrschers in Hondas MotoGP-Aufgebot gefordert hatte. »Sowohl Honda als auch Rossi geben in dem ewigen Hin und Her allmählich eine traurige Figur ab«, brachte es Max Biaggi auf den Punkt. Dabei hat Rossi auf seinem Weg zu Yamaha ohnehin schon längst jenen Punkt überschritten, nach dem eine Rückkehr schier unmöglich ist: Yamahas Teamchef Davide Brivio erklärte seinen Mechanikern bereits, es sei mit Kündigungen zu rechnen, weil Rossi Leute seiner eigenen Crew mitzubringen gedenke. Bei Repsol-Honda heißt es, man bewahre über Rossis Weggang nur Stillschweigen, um sich die Saisonabschlussparty in Valencia nicht verderben zu lassen. In der spanischen Zeitschrift Motociclismo erschien in der Woche nach dem Australien-GP gar schon das Bild eines Yamaha-Piloten, dem der typische Rossi-Helm aufgepixelt wurde. Vor allem bei den Rennfans droht Valentino ein Gesichtsverlust. Falls er am Ende einen Rückzieher macht, wird er der Feigheit bezichtigt.

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