Grand Prix Katalonien (Archivversion) »Emotion und Herzblut“

Grand-Prix-Experte Jürgen Fuchs über das Erfolgsrezept von Ducati, mit dem die Roten nach der Superbike-WM nun auch im MotoGP-Sport mächtig aufzünden.

Was für unglaubliche Moto-GP-Rennen! In Mugello hat Loris Capirossi die Streckenbegrenzungen noch wie Anlieger im Motocross verwendet und ist zum zweiten Platz geflogen. In Barcelona drif-tete er bei 35 Grad im Schatten für Ducati zum Sieg. Die Roten schweben seit einer Woche im siebten Himmel. Ein Traum wurde Wirk-lichkeit. Ich erinnere mich gut, wie Ducati im vergangenen Jahr den neuen Renner in Mugello mit viel Emotion und Herzblut präsentierte. Und schon in dieser Saison for-dert die Desmosedici mit V4-Motor die weltmeisterliche V5-Honda zum Duell. Beide Maschinen verzichten weitgehend auf technischen Schnick-schnack. Die Vorgehensweise der Hersteller könnte jedoch nicht un-terschiedlicher sein. Die Japaner: nüchtern, akribisch, fast emotionslos, mit enormer Disziplin und immer streng nach Plan werden kleine Bausteine aneinander gesetzt. Die Italiener sind genau das Gegenteil: Getrieben von Begeisterung, Emotion und Leidenschaft steht bei ihnen der Sport im Vordergrund. Beide haben sie Erfolg. Und auch hier zeigt sich wieder, dass die Konsequenz, die eigene Linie durchzuziehen, Garant ist für erfolgreiche Rennen. Ein Michelin-Techniker sagte nach dem Rennen zur Reifenwahl der Ducati-Fahrer: »Wir haben keine logische Erklärung dafür, warum Ducati als einzige Marke weiche Reifen verwenden kann.« Es scheint, als würde das Motorrad die Reifen auf eine ganz andere Weise beanspruchen. Michelin muss reagieren und den unterschiedlichen Entwicklungsschienen folgen. Die Königsklasse bleibt auf jeden Fall sehr spannend.

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