Grand Prix Katalonien (Archivversion) Schweizer Kracher

Thomas Lüthi sorgte für die Sensation im 125er-Rennen: Der 16-jährige Eilgenosse aus dem Emmental wurde auf seiner Honda Zweiter – und bester deutschsprachiger Pilot beim Catalunya-Grand-Prix.

Rund 96000 Zuschauer in Barcelona rechneten im Rennen der 125er mit einem Schlagabtausch der Superstars. Doch Lucio Cecchinello tuckerte mit zu niedrigem Reifendruck am Vorderrad an die Box, Lokal-matador Pablo Nieto stürzte, und Steve Jenkner fiel nach starkem Beginn mit nach-lassender Motorleistung auf den vierten Platz zurück. Statt der arrivierten Cracks mischte sich ein 16-jähriger Grünschnabel mit der Startnummer 12 in die Spitzengruppe, der erst zwei Wochen zuvor seinen Rollerführerschein gemacht hatte. Beim Barcelona-GP knatterte der Schweizer Thomas Lüthi auf seiner pfeilschnellen Honda auf den zweiten Platz und verlor den Schlagabtausch mit WM-Leader Daniel Pedrosa um kaum mehr als eine Zehntelsekun-de. Ein Sensationserfolg des Bergbauerbuben, der nach ersten Rennabenteuern auf Pocket Bikes 2001 in den ADAC-Junior-Cup einstieg, den Lauf am Sachsenring gewann und Gesamt-Dritter wurde. 2002 kam er als Ersatzfahrer des verletzten Jakub Smrz im Elit-Team des Basler Autozubehörhändlers Daniel Epp unter, fuhr sofort munter in der WM-Elite mit und bestreitet jetzt seine erste komplette GP-Saison.Mit einem derartigen Erfolg hätte Lüthi freilich nicht in seinen kühnsten Träumen gerechnet. »Bisher habe ich mir immer im TV angeschaut, wie der Pedrosa und die so fahren – und plötzlich bin ich selbst vorn dabei«, staunte er in gemütlichem Schweizerdeutsch über sich selbst. »Vor vier Wochen habe ich hier einen spanischen Meisterschaftslauf ge-wonnen, das hat mir natürlich geholfen.«In Mugello wurde der durch einen gebrochenen Mittelhandknochen gehandicapte und durch den Krebstod seines Vaters aus dem Gleichgewicht gebrachte 250er-Pilot Dirk Heidolf noch durch den Italiener Christian Pistoni ersetzt, der zwar eine Mitgift von 20000 Euro ins Aprilia-Germany-Team mitbrachte, im Training und im Rennen jedoch weit abgeschlagen hinterherkurvte. Noch am selben Sonntagabend offerierte Teamchef Dieter Stappert seinem mit-tellosen, aber deutlich ta-lentierteren Datarecording-Mann Klaus Nöhles Pistonis Job. Nöhles, 2001 unter dem Druck der Ralf-Waldmann-Nachfolge zusammengebrochen und 2002 auch nach der Rückkehr in die 125er- Klasse nie wieder richtig in Schwung gekommen, überraschte mit zwölften Plätzen in Training und Rennen. Katja Poensgen lief in Barcelona ebenfalls nach langer Durststrecke endlich wieder zu alter Form auf. Erstmals in dieser Saison schaffte sie die Qualifikation und beendete das Rennen vor ihrem zwischendurch ins Abseits geratenen Teamkollegen Henk van der Lagemaat an 17. Stelle. Wildcard-Fahrer Alex Hofmann hatte eine Woche zuvor in Mugello auf seiner Kawasaki den 14. Platz im MotoGP-Rennen erbeutet und dabei seine Teamkollegen Garry McCoy um eine halbe Minute sowie Andrew Pitt gar um 43 Sekunden abgehängt. In Catalunya war der 22-jährige Allgäuer Zuschauer, beim nächsten Rennen in Assen (26. bis 28. Juni) darf er erneut ran.

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