Grand Prix Le Mans/F: Renntag WM-Punkte für Waldmann – trotz Sturz im Rennen

Le Mans/F (friek) – Es war heute kein besonders guter Tag für die deutschen Fahrer beim französischen Lauf zur Motorrad-Straßen-Weltmeisterschaft in Le Mans – aber auch kein ganz schlechter. Im Rennen der 125-ccm-Klasse stürzte Steve Jenkner nach einer mäßigen Trainingsleistung bereits in Runde zwei und holte deshalb erstmals in diesem Jahr bei einem WM-Rennen keine Punkte. Dafür steuerte Markenkollege Reinhard Stolz seine Honda auf Platz 13 und erzielte so im fünften von insgesamt 16 Rennen sein bislang bestes Ergebnis. »Ich hatte einen extrem weichen Reifen gewählt, um am Anfang gleich mit dabei sein zu können«, berichtete Jenkner, »aber die Rechnung ging leider nicht auf. Immerhin habe ich Platz zehn in der WM-Wertung halten können. Zwei Null-Runden waren für dieses Jahr eingeplant – schade, dass ich eine schon so früh verspielt habe.«
Der Japaner Youichi Ui (41) holte in Le Mans auf der Werks-Derbi bereits den zweiten Saison-Sieg – derzeit ein echter Titel-AnwärterFoto: Kirn
Auch der deutsche 250er-Star Ralf Waldmann hatte währen seines Rennens unsanften Bodenkontakt, konnte jedoch weiterfahren und mit Schlussrang acht noch acht WM-Punkte sichern. Waldmann: »Weil es heute viel wärmer war als an den Trainingstagen haben wir eine härtere Reifenmischung ausgesucht. Doch ich hatte gleich zu Beginn des Rennens etliche Rutscher. Dafür bin ich mit dem Start zufrieden, denn wir hatten sicher die längste Übersetzung für den ersten Gang im ganzen Feld eingebaut.« Waldmann war nach Runde eins als Sechster registriert worden.
Kampfgeist trotz Sturz im Rennen: Ralf Waldmann startete durch und holte noch acht WM-PunkteFoto: Kirn
Teamkollege Klaus Nöhles verpasste den Start komplett und fuhr 300 Meter hinter allen Konkurrenten los. »Ich war am Start viel zu nervös und habe den Motor abgewürgt«, sagte Nöhles, »aber dann habe ich schnell meinen Rhythmus gefunden und konnte viele Kollegen überholen. Aus sportlicher Sicht für mich ein gutes Rennen.« Es reichte Nöhles gar noch zu Platz 14 und damit zu zwei WM-Punkten. Der Mann erfüllt die in ihn gesetzten Hoffnungen, zumal er Landsmann Alex Hofmann, der in etwa in derselben Kategorie fährt wie Nöhles, aber ein Jahr mehr GP-Erfahrung hat, schon deutlich distanzieren konnte. Der 250er-WM-Stand aus deutscher Sicht: Waldmann (Platz 5/55 Punkte), Nöhles (12/15), Hofmann (19/7).
Halbliter-Weltmeister Alex Crivillé (1) bescherte Honda den ersten 500er-Sieg der WM-Saison 2000 – aber es war ein hartes Stück ArbeitFoto: Kirn
Erleichterung bei Honda nach dem Rennen der Halbliter-Klasse: Werksfahrer und Weltmeister Alex Crivillé brachte den ersten Sieg des in dieser Kategorie erfolgsverwöhnten japanischen Herstellers für die Saison 2000 nach Hause. Es war freilich ein hart erkämpfter Triumph für Crivillé, denn lange Zeit sah es so aus, als wäre Suzuki-Werksfahrer Kenny Roberts, der nach einem Sturz des Trainingsschnellsten, Max Biaggi, frühzeitig die Spitze übernommen hatte, nicht zu stoppen. Doch Roberts war im Abschlusstraining zum Le Mans-Grand Prix heftig gestürzt, hatte im Warm-up am Sonntag morgen geschwächt gewirkt und konnte sich schließlich zum Ende des Rennens gegen Crivillé und die in seinem Schlepptau anstürmenden Verfolger nicht mehr zur Wehr setzen. Roberts: »Ich bin im Sinn des Wortes an der Schmerzgrenze gefahren, dazu hatte ich Reifenprobleme. Unter normalen Umständen hätte ich die dadurch kompensieren können, dass ich meinen Fahrstil anpasse – aber das war heute einfach nicht drin.« Immerhin rettet sich Roberts einen Platz vor seinem schärfsten WM-Konkurrenten, dem spanischen Yamaha-Werksfahrer Carlos Checa, ins Ziel und verteidigte damit seine Führung im WM-Zwischenklassement.
Für Checas Teamkollegen Max Biaggi setzte sich in Frankreich die seit Jahresbeginn andauernde Pechsträhne fort: Biaggi war, wie vor zwei Wochen in Jerez/Spanien, Trainingsschnellster und stürzte aus dem Rennen. Biaggi, vor der Saison als heißer Titelkandidat gehandelt, konnte erst in einem der bereits gelaufenen fünf Rennen punkten. Sein Erz-Rivale und 500er-Newcomer Valentino Rossi stellt sich dagegen immer geschickter an, hielt in Le Mans den ihm eigenen jugendlichen Übermut unter Kontrolle und begnügte sich mit Platz drei – dem zweiten Podestplatz im erst fünften Rennen seiner Halbliter-Karriere.
Umfassende Bild-Reportage vom Le Mans-GP in MOTORRAD 12/2000 (am 26. Mai 2000 am Kiosk). Vollständige Ergebnisse bei Motograndprix.

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