Grand Prix Motegi/J (Archivversion) Max Biaggi bewältigte nach zwei schwierigen Rennen endlich die Abstimmung seines neuen Honda-Werksmotors und trumpfte in Motegi mit einem überlegenen Sieg auf. Im Kampf um die Plätze war allerdings der Teufel los. Valentino Rossi verbremste sich und fiel auf Rang neun zurück, riss die 54000 Zuschauer aber mit einer furiosen Aufholjagd von den Sitzen und holte noch Rang zwei – die gleiche Platzierung, die ihm beim nächsten Rennen in Malaysia auch im Falle eines Sieges von Sete Gibernau zum vorzeitigen Titelgewinn in der MotoGP-Klasse reichen würde.Rossis spanischer WM-Rivale wurde im Endspurt von Makoto Tamada überholt, womit der Lokalmatador vor seinen eigenen Fans den zweiten Podestplatz hintereinander feiern konnte. Wenig später disqualifizierte die Renndirektion den Bridgestone-Honda-Piloten jedoch in einer skandalösen Entscheidung. Tamada hatte sich bei seinem Angriff auf einem langen Bergabstück bereits um eine Radlänge an Gibernau vorbeigeschoben und zog daraufhin leicht nach außen, um die nächste Kurve vorzubereiten. Der von einer schweren Erkältung geschüttelte Gibernau hatte über einen Meter Platz zum Ausweichen, fuhr aber geradeaus weiter, touchierte Tamada und ratterte durchs Kiesbett – ein Missverständnis, das nach übereinstimmender Ansicht der meisten Fahrerlager-Experten maßlos übertrieben zu »unverantwortlicher Fahrweise« des Japaners hochstilisiert wurde. Empörend auch das Urteil gegen Suzuki-Pilot John Hopkins, der nach dem Start auf dem Weg zur ersten Kurve den Bremspunkt verpasst hatte und Carlos Checa (Yamaha) sowie Troy Bayliss (Ducati) k.o. gehen ließ: Der Amerikaner wurde nach seinem alltäglichen Rennunfall wegen »unverantwortlicher Fahrweise« für den Malaysia-Grand-Prix gesperrt.

Grand-Prix-Experte und Eurosport-Kommentator Jürgen Fuchs über die heftig diskutierte Disqualifikation von Makoto Tamada in Motegi.

Über Tamadas Disqualifikation war ich mehr als erstaunt und habe darüber mit Fahrern und Teammitgliedern auf dem Rückflug diskutiert. Ricard Jove, Koordinator im Team Martinez, sieht es als ein gewöhnliches Rennmanöver. Würde in der 125er- und 250er-Klasse mit demselben Maß gemessen, hätte es seinen Schützling Toni Elias wohl auch schon öfter erwischt, und bei manchen 125er-Rennen hätte das halbe Starterfeld disqualifiziert werden müssen. Colin Edwards Kommentar zu der Entscheidung: Sie sei Mist. Die Burschen seien in der letzten Runde gewesen und hätten um einen Podiumsplatz gekämpft – that’s racing! Überholen ist in Motegi sehr schwer. Das hat Tamada 20 Runden lang merken müssen. Beim Anbremsen besagter Rechtskurve ist es ihm zwar mehrmals gelungen, doch beim Herausbeschleunigen hat er jedes Mal wieder seinen Platz verloren. Die Rennfahrer kennen diese Spielchen. Als es zur Berührung kam, waren meines Erachtens beide Fahrer nicht unschuldig. Tamada hat während des Überholvorgangs etwas nach links gezogen, um die folgende Rechts besser anfahren zu können. Gibernau hat gegengehalten und am linken Streckenrand sehr viel Platz gelassen, um Tamada das Leben so schwer wie möglich zu machen. Die übliche Kampflinie in der letzten Runde.Die Disqualifikation erscheint mir zu hart, eine Verwarnung hätte es auch getan. Dennoch muss man die Fahrer nach der Einführung der 240 PS starken Viertakter immer mal wieder an die Disziplin erinnern. Aber wo soll man anfangen? Hätte ein Sete Gibernau mit 38 Grad Fieber dieses Rennen womöglich erst gar nicht fahren dürfen? Es steht schon auf unseren Fahrerlagerausweisen – Motorradsport ist gefährlich!

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