Grand Prix Mugello/I: Rennen Untergang der deutschen 250er-Fahrer – Jenkner nach Foto-Finish Vierter

Mugello/I (friek) – Es hat nicht sollen sein für die deutschen 250-ccm-Piloten Ralf Waldmann, Klaus Nöhles und Alex Hofmann, die beim italienischen Motorrad-Grand Prix in Mugello mit Startplätzen in den Reihen eins, zwei und drei ihr bestes Trainingsresultat der laufenden Saison ablieferten. Schon in der ersten Runde stürzte Hofmann und brach sich das rechte Schienbein. Hofmann-Manager Dieter Theis: »Noch heute abend bringen wir ihn zu Rennarzt Dr. Claudio Costa, er wird selbst operieren. Es ist nicht ganz so schlimm wie ursprünglich befürchtet, Alex wird relativ schnell wieder fahren können. Zum Glück haben wir die Sturz-Ursache herausfinden können: Es war Öl auf der Strecke. Für einen Rennfahrer ist es enorm wichtig, den Grund für einen Sturz zu kennen.« In Runde drei hatte Ralf Waldmann die Führung übernommen, aber auch er stürzte nach nur wenigen Metern in der Spitzen-Position. Waldmann: »Dieses Rennen hätte ich gewinnen können. Mir ist das Vorderrad ohne jegliche Vorankündigung weggerutscht, vielleicht war der Grip wegen der paar Regentropfen noch nicht so gut.« Tatsächlich hatte es während der Aufwärmrunde zum 250er-Rennen leicht getröpfelt. Blieb Klaus Nöhles, Waldmanns Teamkollege, als letzter deutscher Fahrer im Rennen, und der schickte sich ganz deutlich an, eine Top-Ten-Platzierung nach Hause zu fahren. Doch auch er segelte vom Bike. »Ich hatte ausnahmsweise einen guten Start und konnte das Tempo vorne gut mitgehen«, berichtete Nöhles, »leider war ich einer von den sieben Fahrern, die in derselben Kurve gestürzt sind – da muss Öl gewesen sein.« So entwickelte sich das 250er-Rennen zum teaminternen Duell der beiden Yamaha-Werksfahrer Shinya Nakano und Olivier Jacque, wobei Nakano nach 21 Runden (110,145 km) mit einer Gesamtzeit von 40'30.142 Minuten (163,168 km/h) nach spannendem Kampf die Oberhand behielt.
Die beiden Yamaha-Werksfahrer Shinya Nakano (56) und Olivier Jacque konnten in Mugello einen Doppelsieg feiern – wer gewinnen würde, blieb aber bis in die letzte Runde offenFoto: Kirn
Gegen den Viertelliter-WM-Lauf war das 125er-Rennen eine vergleichsweise klare Sache: Der italienische Aprilia-Pilot Roberto Locatelli, schon im Training Schnellster, legte von Anfang an mächtig los und konnte nach 20 Runden (104,900 km) und 40'36.753 Minuten (154,976 km/h) einen nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg feiern. Die eigentliche Show des Wettkampfs bot aber Derbi-Fahrer Manuel Poggiali aus San Marino, der nach einem Ausritt ins Kiesbett von Platz 24 aus eine Aufholjagd startete und in der letzten Runde noch um Platz zwei kämpfte – bei dieser Aktion aber stürzte und gleich noch Podest-Anwärter Lucio Cecchinello (Honda) mit ins Aus riss. Deutschlands Steve Jenkner (Honda) war einer der Männer, die von dem Trubel an der Spitze profitierten: »Die Kollegen ganz vorne sind so oft kollidiert, da dachte ich mir, dass am Schluss bestimmt eine Lücke frei werden wird – und siehe da.« Urplötzlich tauchte Jenkner auf Platz vier auf und fuhr damit sein bislang bestes Saison-Ergebnis ins Ziel. Markenkollege Reinhard Stolz erreichte als 19. mit 41.099 Sekunden Rückstand die Punkteränge nicht.
Steve Jenkner: verhaltener Start in Mugello, am Ende jedoch Platz vier – sein bestes Saison-ErgebnisFoto: Kirn
Als absolutes Top-Ereignis des Renntages sollte sich der Halbliter-Grand Prix von Mugello erweisen. Noch nie hatte dieses Rennen ein Italiener gewonnen – im Jahr 2000 stritten gleich drei um den Sieg. Loris Capirossi, Valentino Rossi (beide Honda) und Max Biaggi (Yamaha), drei italienische Weltmeister der kleineren Hubraum-Kategorien, wollten es diesesmal in der Königsklasse wissen. Der Rennverlauf gab nur wenige Hinweise darauf, wem der Trick gelingen würde – echte Siegchancen hatten alle drei. Das Finale geriet zum Drama: Erst stürzte Rossi, nachdem er wenige Momente zuvor die Führung erobert hatte – er wurde noch als Zwölfter gewertet. Dann touchierte Biaggi mit seiner Yamaha Capirossi und landete im Kiesbett der letzten Kurve vor dem Ziel – er tuckerte noch als Neunter über die Linie.
Podestplatz in der letzten Kurve vermasselt: Yamaha-Werksfahrer Max BiaggiFoto: Kirn
Somit ergab sich für die Siegerehrung eine gänzlich unerwartete Einladungsliste. Der Platz ganz oben auf dem Podest wurde für Loris Capirossi (I/Honda, 23 Runden = 120,635 km in 44'04.220 Minuten = 164,239 km/h) reserviert, Gesellschaft bekam er von Carlos Checa (E/Yamaha, 2.876 Sekunden zurück) und Jeremy McWilliams (GB/Aprilia, 8,041 Sekunden zurück). Der amerikanische Suzuki-Werksfahrer Kenny Roberts, als WM-Leader nach Mugello angereist, kam als Sechster ins Ziel (10.127 Sekunden zurück) und liegt jetzt mit Checa punktgleich an der Spitze der WM-Tabelle – beide können 100 Zähler vorweisen. Experten sind sich sicher, dass Roberts die WM-Führung spätestens in 14 Tagen an Checa abgeben muss. Dann gastiert der GP-Zirkus in Barcelona, und dort ist der Katalane Checa zu Hause. Einen Spanier in Spanien zu schlagen, darüber sind sich Insider einig, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die die Motorrad-Straßen-WM zu bieten hat.
Alle Mann (noch) an Bord: Valentino Rossi (46) im Duell mit Max Biaggi. Beide stürzten vor Schluss des Rennens , wurden aber gewertetFoto: Kirn
Umfassende Bild-Reportage vom Mugello-GP in MOTORRAD 13/2000 (am 9. Juni 2000 am Kiosk). Vollständige Ergebnisse bei Motograndprix.

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