Grand Prix Tschechien (Archivversion) Gibernau grandios

Sete Gibernau war auch in Brünn der einzige Honda-Werksfahrer,
der Yamaha-Star Valentino Rossi in Schach halten konnte.

Sete Gibernau ist wieder in Form. Nach seinen Niederlagen im Juni und Juli erfrischt aus den Grand-Prix-Sommerferien zurückgekehrt, brauste er im nassen Abschlusstraining von Brünn auf die Pole Position. Viel Federlesens machte er auch im Rennen nicht: Der spanische Honda-Star führte vom Start bis ins Ziel und parierte zwei verzweifelte Angriffe von Weltmeister Valentino Rossi dabei mit stoischer Gelassenheit, ohne sich wie bei anderen Gelegenheiten in
einen Fehler hetzen zu lassen.
Während sich die offiziellen Repsol-Werkspiloten Alex Barros und Nicky Hayden durch Stürze ausradierten, zirkelte Gibernau fehlerfrei um den schwierigen 5,4-Kilometer-Kurs und zog seinem Gegner im Endspurt mit einer Serie vernichtend schneller Runden davon. »Noch liegt eine Menge Arbeit vor uns. Doch zumindest sind wir Rossi ein Stück näher gekommen«, demonstrierte Gibernau seine wieder erwachten Titelhoffnungen. Der geschlagene Valentino Rossi konnte seinem zweiten Platz auch positive Seiten abgewinnen: »Ich verlor zum Rennende hin Grip am Hinterrad und damit an Beschleunigung und Bremsstabilität. Mit nur fünf verlorenen Punkten bin ich glimpflich davongekommen.«
Zumal es ihm gelungen war, seinen Erzfeind Max Biaggi auf Distanz zu halten. »Mein Motorrad lag beim Bremsen schlecht. Wir haben noch viel Arbeit am Set-up«, hielt der Römer fest, der erstmals die neue Fünf-in-vier-Auspuffanlage einsetzte, die bislang dem Repsol-Werksteam vorbehalten war. Gibernau hatte diese Anlage ebenfalls zur Verfügung, entschied sich aber für die gewohnte Version seiner Telefonica-Honda. »Manchmal zahlt es sich aus, bei der Materialwahl auf der konservativen Seite zu bleiben«, stellte er zufrieden fest.
Dass es nach den Wetterlaunen der Trainingstage am Sonntag trocken
blieb, war nicht nur eine Erlösung für die 67000 Zuschauer, sondern auch für die Bridgestone-Piloten. Im Training aus Mangel an Grip nur an 17. Stelle, stürmte Biaggis Camel-Honda-Teamkollege Makoto Tamada durchs halbe Feld und im
Endspurt an Loris Capirossi vorbei auf Rang vier. Die Kawasaki-Piloten Shinya Nakano und Alex Hofmann, im Training unter anderem wegen eines Motorplatzers aufgehalten, holten vom letzten und vorletzten Startplatz aus die Ränge zwölf und 13.
Wenn der Spitzenreiter eines Rennens bei einsetzendem Regen die Hand hob und das Tempo drosselte, wurde das vom Rest des Feldes früher stets als Zeichen zum Abbruch respektiert. Nicht so beim Brünn-Grand-Prix der 250er-Klasse: Als der führende Alex de Angelis in der sechsten Runde wegen eines Nieselschauers die Hand hob, spielten nur Randy de Puniet und WM-Leader Dani Pedrosa mit – Sebastian Porto fuhr ungerührt an den zögernden Kollegen vorbei und angelte sich die Führung. Drei Runden vor Schluss, nach
einer vorübergehenden Trockenphase, regnete es erneut. Mittlerweile lag Pedrosa vorn und hob die Hand – worauf der zu diesem Zeitpunkt viertplatzierte Porto ein zweites Mal die Gunst der Stunde nutzte und zu einem moralisch umstrittenen Sieg davonpreschte. »Es kann nicht angehen, dass einigen Kollegen die Sicherheit weniger bedeutet als ein paar WM-Punkte«, empörte sich der am Ende drittplatzierte Pedrosa. Der große Pechvogel des Rennens war freilich Alex de Angelis: Kurz nach dem zweiten vergeblichen Versuch eines Rennabbruchs rutschte er auf feuch-
ter Piste aus. Während Klaus Nöhles zwei Minuten später dasselbe Schicksal erlitt, gelang Dirk Heidolf in dem Durcheinander mit Rang elf sein bislang bestes Saisonergebnis. fk

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