Grand Prix Valencia/E (Archivversion)

Die Comunidad Valenciana ist
die autonome Gemeinschaft der drei spanischen Provinzen Valencia, Alicante und Castellón, in Größe und Status mit einem deutschen Bundesland vergleichbar. Sie präsentiert sich weltoffen – mit Großveranstaltungen wie dem Motorrad- Grand-Prix, dem America’s Cup
der Segler, den Hallenleichtathletik-Weltmeisterschaften oder der »Stadt des Lichts«, wo derzeit die teuerste europäische Filmproduktion aller Zeiten, ein neuer Asterix-Film, gedreht wird. Die Rennstrecke »Circuit Ricardo Tormo« ist eine Einrichtung der öffentlichen Hand. David Serra Cervera, Sport-Sekretär der Regionalregierung Generalitat Valenciana, erklärt die Gründe für all diese Aktivitäten.

Valencia präsentiert sich als eine Hauptstadt des Sports. Warum?
Die Comunidad Valenciana hat eine klare Strategie, mit ausgewählten Einrichtungen und Veranstaltungen auf höchstem Niveau den Tourismus anzukurbeln. Wir sind überzeugt, dass der Tourismus die beste Quelle ist, unserer Region Wohlstand und Wachstum zu bescheren. Deshalb sind wir mit Top-Serien im Motorradsport vertreten, engagieren uns sehr stark im nautischen Bereich – immerhin verfügt die Comunidad über 400 Kilometer Mittelmeerküste –, außerdem im Massensport Fußball,
im Basketball und mit der Hallen-Leichtathletik-WM 2008. All dies bringt uns Abertausende an Besuchern und einen Zustrom vieler Menschen, die hier leben wollen und Arbeit finden.
Valencia war bisher hauptsächlich wegen der gleichnamigen Orangen bekannt. Wie lassen sich die gewaltigen Investitionen finanzieren?
Was die öffentliche Hand hier in den Sport und seine
Infrastruktur investiert, hat für die Sozialstruktur enorme Vorteile und ist auch finanziell gut ausbalanciert. Nehmen wir als Beispiel den Motorrad-Grand-Prix: Weit über 100000 Besucher
bezahlen für ihre Eintrittskarte und decken so die Kosten für
den Event. Der Imagegewinn für die Comunidad ist gar nicht
zu beziffern: 300 Millionen Menschen sehen diesen Grand Prix weltweit im Fernsehen, und wenn man die Investitionen dem Gegenwert gegenüberstellt, haben sie sich längst amortisiert.
Wie hoch waren denn die Baukosten für die Rennstrecke?
Vom ersten Spatenstich 1997 bis zur Fertigstellung 1998 hat die Strecke und ihre Installationen 48 Millionen Euro gekostet. Heute fließen allein pro Motorrad-Grand-Prix 65 Millionen Euro in die Wirtschaft der Region. Der positive ökonomische Effekt ist bis nach Castellón und Alicante spürbar.
Das Millionenspiel America’s Cup ist sicher noch eine Nummer größer?
Natürlich. Er gibt uns die Chance, die Märkte von Australien und Amerika für den Tourismus hier zu öffnen. Wir werden das Kalifornien Europas. Und der America’s Cup ist längst nicht alles: 2008 startet das Volvo Ocean Race vom Hafen von Ali-
cante. Damit steigen die spektakulärsten Regatten der Welt in der Comunidad Valenciana.
Stimmen Gerüchte, nach denen sogar eine zweite Rennstrecke für die Formel 1 in Valencia geplant ist?
Nein. Wir haben ja eine Rennstrecke, für die Zuschauer wegen ihrer Übersichtlichkeit sogar die beste der Welt. Richtig ist, dass wir die Formel 1 hierher bringen wollen. Die Formel
2 ist bereits bei uns zu Gast, die Formel 1 kommt zum Testen. Erstes Ziel ist, sie regelmäßig nach Valencia zu bringen. Noch in dieser Dekade wollen wir dann auch einen Formel-1-Grand-Prix auf unserer Strecke haben.
Viele Stars und Talente kommen aus Ihrer Gegend. Liegt auch dem eine Strategie zugrunde?
Durchaus. Zusammen mit der Rennstrecke haben wir die beste Rennfahrerschule installiert, und zwar für zwei Räder ebenso wie für vier. Es ist kein Zufall, dass ein Weltmeisterschaftsteam wie das von Jorge Martínez Aspar hier seine Basis hat. Diese Aktivitäten haben ebenfalls nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Bedeutung. Jeder, der hier lebt, träumt mit am großen Traum von der Weltmeisterschaft.

Das Interview führte MOTORRAD-GP-Reporter Friedemann Kirn

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